Klassische Medien prägen das Informationsverhalten
Kassandrarufe zum Niedergang der Zeitungen haben derzeit nicht nur in den USA Konjunktur. Auch in den Kreisen deutscher Medienexperten wächst das Lager der Untergangspropheten stetig. Eine Untersuchung im Rahmen der Funkanalyse Bayern 2009 zeigt jedoch: Die Tageszeitung ist nach wie vor klar das wichtigste Informationsmedium in Bezug auf lokale und regionale Informationen, vor dem Radio, dem Fernsehen und dem Internet.
Knapp 72% informieren sich über die Tageszeitung
Die Ergebnisse der Funkanalyse Bayern 2009 bestätigen, dass die Tageszeitung nach wie vor das wichtigste Informationsmedium in Bezug auf lokale und regionale Informationen ist, vor dem Radio, dem Fernsehen und dem Internet. Im Rahmen der Funkanalyse hat TNS Infratest bei 3.000 repräsentativ ausgewählten Personen erhoben, welche Medien für die Informations- und Meinungsbildung am wichtigsten sind. Für 71,8 Prozent der bayerischen Bevölkerung ist die Tageszeitung nach wie vor das wichtigste lokale/regionale Informationsmedium und liegt mit deutlichem Abstand vor dem Radio (37,6 Prozent) und dem Fernsehen (23,7 Prozent). Abgeschlagen dahinter folgen das Internet (15,2 Prozent), Anzeigenblätter (14,6 Prozent) und die Zeitschriften (4,3 Prozent). Dabei zieht sich die starke Position der Tageszeitungen quer durch alle Altersgruppen. Bemerkenswert ist, dass neben den Tageszeitungen auch die beiden anderen klassischen Medien – Radio und Fernsehen – deutlich vor dem Internet liegen. Lediglich bei den 14- bis 29-Jährigen wird die zunehmende Bedeutung des Internets auch bei der lokalen Informationsbildung erkennbar.
Bei der Information über das überregionale Zeitgeschehen ist das Internet in der Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren für 49 Prozent der Befragten in¬zwischen auch bedeutsamer als die Tageszeitung (47 Prozent). Das wichtigste überregionale Informationsmedium der unter 30-Jährigen ist allerdings mit 55 Prozent das Fernsehen.
Mit 64,7 Prozent liegt das Fernsehen in der Gesamtbevölkerung als wichtigste Informationsquelle zum überregionalen Zeitgeschehen vor den Tageszeitungen (58,7 Prozent) und dem Radio (44,5 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen das Internet (25,3 Prozent) und die Zeitschriften (7,5 Prozent). Fakt ist auch, dass sowohl die Fernsehnutzung als auch die Radionutzung im gesamten Tagesverlauf deutlich höher sind als die Internet-Nutzung.
Internet hat nur Ergänzungsfunktion bei Meinungsbildung
Welches Fazit ist aus diesen Ergebnissen zu ziehen? Die repräsentative Befragung über das Informationsverhalten der bayerischen Bevölkerung zeigt, dass die traditionellen Medien, die Tageszeitung und - mit einigem Abstand – das Fernsehen und der Hörfunk noch immer am stärksten das lokale, regionale und überregionale Informationsverhalten prägen. Das Inter¬net hat bezogen auf die Gesamtbevölkerung bisher nur eine Ergänzungsfunktion für die Informationsbildung. Bei den Jüngeren ist das Internet als überregionale Informationsquelle inzwischen aber zumindest genauso bedeutsam wie die klassischen Medien.
Das Ende der klassischen Medien ist also keine ausgemachte Sache. Fernsehen, Radio und auch die Tageszeitungen werden im digitalen Zeitalter bestehen bleiben. Die Ausgangssituation ist gut, wie die Daten der Funkanalyse Bayern belegen. Die traditionellen Medien müssen aber noch mehr als bisher ihre jeweiligen Stärken ausspielen und mit Mut dem Strukturwandel begegnen.

