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Regulierung von Medienplattformen und Benutzeroberflächen

Als Medienplattformen bezeichnet man Anbieter, die Radio- und TV-Programme, rundfunkähnliche Telemedien oder Online-Presseerzeugnisse zu einem Gesamtangebot für die Nutzenden bündeln. Per Definition handelt es sich nur dann um eine Medienplattform, wenn sie (zumindest auch) Angebote Dritter aufnimmt. Beispiele für Plattformanbieter sind Kabelnetzbetreiber wie Vodafone, IPTV-Anbieter wie M-Net oder Streaming-Anbieter wie Amazon, Zattoo und andere.

Eine Benutzeroberfläche ist die textlich, bildlich oder akustisch vermittelte Übersicht über Angebote oder Inhalte einzelner oder mehrerer Medienplattformen. Sie dient der Orientierung der Nutzenden und hat erheblichen Einfluss auf die Auffindbarkeit der Inhalte. Auch Oberflächen von Smart-TVs sind in der Regel Benutzeroberflächen, da sie grundsätzlich ermöglichen, Medienplattformen zu bedienen.

Ziel der Regulierung

Ziel der Regulierung von Medienplattformen und Benutzeroberflächen ist es, Meinungs- und Angebotsvielfalt zu sichern und damit letztlich auch die freie Meinungsbildung zu gewährleisten. 

Für Medienplattformen und Benutzeroberflächen gelten die Vorgaben des Medienstaatsvertrags, sofern das Angebot zur Nutzung in Deutschland bestimmt ist. ​​​​​Die meisten Vorgaben gelten erst ab einer gewissen Größe der Medienplattformen, bei sogenannten "infrastrukturgebundenen Medienplattformen" erst ab 10.000 angeschlossenen Wohneinheiten und bei "infrastrukturunabhängigen Medienplattformen" erst ab 20.000 tatsächlichen täglichen Nutzenden.

Zuständig für die Aufsicht sowie die Anzeigen von Medienplattformen und Benutzeroberflächen ist die Landesmedienanstalt, in dem der Anbieter seinen Sitz hat. Sie müssen mindestens einen Monat vor ihrer Inbetriebnahme bei der zuständigen Landesmedienanstalt angezeigt werden. Ausländische Anbieter können sich aussuchen, bei welcher Landesmedienanstalt sie ihre Plattform anzeigen möchten.

Detaillierte Informationen gehen aus dem folgenden Merkblatt hervor:

Eine Liste der Plattformanbieter und die jeweils zuständige Medienanstalt erhalten Sie unter dem Punkt: "Liste der Plattformanbieter" auf dieser Seite.

Für infrastrukturgebundene Medienplattformen gelten Belegungsvorgaben. Anbieter dieser Medienplattformen müssen vor allem sicherstellen, sogenannte Must-Carry-Programme aufzunehmen. Dazu gehören Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, private Fernsehprogramme mit Regionalfenstern sowie regionale/lokale Programme.

Eine Übersicht über die bayerischen Lokal- und Regionalprogramme finden Sie in unserer Sendersuche.

Die Zugangsregulierung soll sicherstellen, dass für alle Anbieter von gleichartigen Rundfunkangeboten, rundfunkähnlichen Telemedien sowie Online-Presseerzeugnissen die gleichen Zugangsbedingungen zu den Plattformen gelten. Der Plattformbetreiber muss also einen diskriminierungsfreien Zugang sicherstellen (§§ 82, 83 MStV).

Für die Anbieter von Benutzeroberflächen gelten die Auffindbarkeitsvorgaben gemäß § 84 MStV. Benutzeroberflächen müssen ihren Nutzerinnen und Nutzern u.a. ermöglichen, mittels Suchfunktion diskriminierungsfrei nach Angeboten zu suchen.Die Sortierung oder Anordnung von Angeboten oder Inhalten muss auf einfache Weise und dauerhaft durch den Nutzenden  individualisiert werden können. Bestimmte, durch den Medienstaatsvertrag vorgegebene Angebote, müssen darüber hinaus leicht auffindbar sein. Hierzu gehört vor allem der Rundfunk (Radio- und TV-Programme), der in seiner Gesamtheit auf der ersten Auswahlebene einfach und schnell zu finden sein muss.

Medienplattformen und Benutzeroberflächen sind verpflichtet, transparent zu machen, nach welchen Grundsätzen Angebote Zugang zu ihrer Plattform erhalten. Außerdem müssen sie kenntlich machen, wie Inhalte auf der Benutzeroberfläche angeordnet und sortiert oder auch empfohlen werden. Die Transparenzangaben müssen leicht wahrnehmbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein. So einfach wie mit einem Impressum Kontaktdaten zur Verfügung gestellt werden, sollen auch die Informationen zur Transparenz abgerufen werden können.​​​​​​​

​​​​​​​​​​​​​Die Landesmedienanstalten werden meistens aufgrund von Beschwerden tätig. Sie können Angebote jedoch auch von sich aus überprüfen. Verstöße können u.a. beanstandet, untersagt oder teilweise auch mit Bußgeldern geahndet werden.

Eine Liste der Plattformanbieter und die zuständige Medienanstalt erhalten Sie unter dem Punkt "Liste der Plattformanbieter" weiter unten.

Rechtliche Grundlagen

Mit der Satzung zur Konkretisierung der Bestimmungen des Medienstaatsvertrags über Medienplattformen und Benutzeroberflächen (MB-Satzung) konkretisieren die Landesmedienanstalten die Vorgaben des Medienstaatsvertrags für Medienplattformen und Benutzeroberflächen. Die MB-Satzung ist am 1. Juni 2021 in Kraft getreten.

Sie steht in der "Zum Thema"-Spalte zum Download zur Verfügung. 

Anbieter infrastrukturgebundener Medienplattformen nach § 2 Abs. 2 Nr. 14 MStV

Eine Erklärung zu den Übertragungswegen IPTV und OTT finden Sie hier:

Anbieter / ggf. Angebot (Übertragungsweg) und zuständige Landesmedienanstalt

  • 1&1 Telecom GmbH (IPTV) – MABB
  • AEP Plückhahn Service GmbH (Kabel) – MMV
  • Antennen Einert e.K. (Kabel) – SLM
  • Deutsche Glasfaser Wholsale GmbH (IPTV) – LFM NRW
  • DOKOM Gesellschaft für Telekommunikation mbH (Kabel) – LFM NRW
  • Exaring / waipu.tv (OTT) – BLM
  • HD Plus GmbH (Satellit) – BLM
  • Kabelfernsehen München ServiCenter GmbH & Co. KG (Kabel) – BLM
  • KKG Kabel - Kabelkommunikation Güstrow – MMV
  • Marienfeld Multimedia GmbH (Kabel) – LFM NRW
  • Media Broadcast GmbH / 1. bundesweiter DAB+ Multiplex – LMS
  • Media Broadcast GmbH / 2. bundesweiter DAB+ Multiplex – SLM
  • Media Broadcast GmbH / freenet TV (Terrestrik) – NLM
  • Media Broadcast GmbH / freenet TV connect (OTT) – MABB
  • M-Net Telekommunikations GmbH (Kabel) – BLM
  • M-Net Telekommunikations GmbH (IPTV) – BLM
  • NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH (Kabel) – LFM NRW
  • neu-medianet GmbH (Kabel) – MMV
  • OpenXS GmbH (Kabel) – MA HSH
  • OstTelCom GmbH (Kabel) – SLM
  • pepcom GmbH (Kabel) – SLM
  • Primacom (Kabel) – MMV
  • S + K Servicekabel GmbH (Kabel) – MSA
  • Satelliten- und Kabelfernsehanlagen/ Industrievertretung GmbH (Kabel) – SLM
  • Tele Columbus AG (Kabel) – MABB, SLM u.a.
  • Telekom Deutschland GmbH / Magenta TV (Kabel) – LFM NRW
  • Telekom Deutschland GmbH / Magenta TV (IPTV) – LPR Hessen
  • TELTA Citynetz GmbH (Kabel) – MABB
  • Urbana Teleunion Rostock GmbH & Co.KG (Kabel) – MMV
  • Vereinigte Stadtwerke Media GmbH (Kabel) – MA HSH
  • Vodafone Deutschland GmbH (Kabel) – BLM / SLM
  • Vodafone West GmbH (Kabel) – LFM NRW / LfK / LPR Hessen
  • wilhelm.tel GmbH (Kabel) – MA HSH
  • WTC Wohnen & TeleCommunication Verwaltung GmbH (Kabel) – MMV
  • zacom Kabelbetriebsgesellschaft mbH (Kabel) – SLM
  • SWU TeleNet GmbH (Kabel) – LFK

Anbieter nicht-infrastrukturgebundener Medienplattformen nach § 2 Abs. 2 Nr. 14 MStV

Anbieter / ggf. Angebot (Übertragungsweg) und zuständige Landesmedienanstalt

  • Canal + Luxembourg S.à r.l. / KabelKiosk (diverse) – LFM NRW
  • Joyn GmbH (OTT) – BLM
  • Amazon Instant Video Germany GmbH (OTT) – BLM
  • Sky Deutschland GmbH (diverse) – BLM
  • Vodafone Deutschland GmbH / GIGA TV net (OTT) – BLM
  • Zattoo Europe Ltd. (OTT) – MA HSH


Bei der Medienplattform entscheidet der Anbieter, welche Angebote er aufnimmt. Das unterscheidet die Medienplattform vom sog. Medienintermediär, der grundsätzlich ein offenes Angebot darstellt, bei dem jeder die Möglichkeit hat, Inhalte einzustellen.

Wir empfehlen Ihnen das Merkblatt der Medienanstalten zur Abgrenzung von Medienintermediären und Medienplattformen.



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