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Start-up Piqd

 

Experten statt Algorithmen

Was ist das Kernproblem des digitalen Medienzeitalters?
Trolle? Ad-Blocker? Cat-Content? - Nein: Das Problem ist zu große Auswahl!
Das sagt zumindest Marcus von Jordan.
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Der Geschäftsführer von piqd zitiert den amerikanischen Psychologen Barry Schwartz: „Viele Auswahlmöglichkeiten bedeuten immer weniger Befriedigung, die wir aus unserer konkreten Auswahl erfahren - selbst wenn unsere Auswahl großartig ist.“ Oder anders gesagt: „Das ganze Internet ist voll mit wahnsinnig gutem Inhalt. Da nützt es uns nichts, wenn die Sahne oben schwimmt, also besser performt. Es gibt zu viel Sahne, um damit vernünftig umzugehen.“





Das Internet bietet uns alles, was wir wollen. Dennoch, oder genau deswegen fühlt sich der User darin verloren. Und genau da setzt das Münchner Startup piqd an. 

Das Onlinemagazin liefert kuratierte Inhalte. Handverlesene Artikel. Und die Auswahl trifft nicht etwa von Jordan selbst, sondern rund einhundert Experten aus allen Teilen der Gesellschaft. Wissenschaftler, Politiker, Fachjournalisten. Menschen aus NGOs und Stiftungen. Die also, die es wissen müssen. Sie versehen die Artikel auch mit einem Beschreibungstext, der dem Leser erklärt, wieso gerade dieser Artikel es wert ist, gelesen zu werden. Die Kuratoren dürfen maximal einen „Piq“ pro Tag absetzen.

Wie sieht das aus? Zum Beispiel so:

Start-up picd: Darstellung von Artikeln
So werden die Artikel bei piqd vorgestellt: Auf der Website (l.) und im Newsletter


„Handverlesenswert“. So heißt der Slogan von Piqd. Seit November 2015 ist von Jordan mit seiner Seite www.piqd.de online und zählt mittlerweile 18 Themenkanäle und über einhundert Kuratoren, wie er seine Experten nennt. „Kuratoren sind für uns explizit mehr als Experten. Ein Experte liefert eine Antwort und ein Kurator liefert eine Perspektive“, erklärt er. „Das ist das, was wir hoffen: Diese sich ständig verändernde Perspektive auf Piqd anbieten zu können.“ Die Artikel, die die „Piqer“ auswählen, stammen manchmal von großen Medien, doch auch oft von Nischen-Seiten, die nicht jeder User kennt. Piqd wertete seine „Piqs“ jüngst aus und präsentierte die stolze Zahl von 1.149 verschiedenen Quellen in wenigen Monaten.
 

Start-up piqd
Viele große Seiten finden sich auf Piqd wieder – aber noch mehr „andere“



Piqd gegen „gesamtgesellschaftlichte Haltungsschäden“


Die Idee für piqd entstammt der Überlegung, dass sich der Nachrichtenkonsum in unserer Gesellschaft grundlegend verändert hat. „Wir haben eine Situation, in der sich immer größere Teile der Bevölkerung ausschließlich über die sozialen Medien, namentlich Facebook, informieren. Wir denken, dass es absehbar ist, dass dies gesamtgesellschaftliche Haltungsschäden nach sich zieht“, sagt von Jordan.

Er sei selbst Facebook-Nutzer, aber das Problem, dem sich gute journalistische Arbeit dort gegenübersieht, sei die Performance. „Damit dort etwas performen kann, muss es in seiner Intention innerhalb allerkürzester Zeit einzuordnen sein. Ganz weiß, ganz schwarz, ganz böse, ganz lustig. Alle Grautöne, Fragezeichen und Zweifel gehen unter. Das erzeugt so eine hysterische, lagerbildende, Echokammer-befördernde Gesamtstimmung. Wir finden, dass es sinnvoll ist, dem etwas entgegen zu setzen.“
 
piqd - aus dem Münchner Stadtleben
Ein „Piq“ aus dem piqd-Kanal „Münchner Stadtleben“

 

Piqd startet „Bio-Media-Bewegung“


Die Verantwortung im Medienspiel verlagert sich von den Redaktionen zu den Mediennutzern, erklärt von Jordan. „Wir müssen uns fragen, was wir uns zumuten. Wir kennen das aus anderen Bereichen, vor allem aus der Bio-Ernährung. Das hat zuerst bei ganz wenigen Menschen um sich geschlagen, in staubigen Reformhäusern. Mittlerweile ist es eine breite Bewegung. Wir haben gelernt, dass es uns ausmacht, was wir zu uns nehmen. Wir denken, dass es Zeit ist für etwas, das wir eine Bio-Media-Bewegung nennen. Wir finden, dass es Zeit ist für nachhaltiges Denken auch im journalistischen Bereich.“

Qualität schlägt Quantität also, und das spiegelt sich auch im Business-Modell von piqd wieder. Von Jordan versucht nicht, große Reichweiten zu erzielen, sondern will mit seinen hochwertigen Inhalten eine „totale Spitzheit“ in seiner Zielgruppe schaffen. Mithilfe von Buy-Addons und Native Advertising will er dieses Modell dann auch finanziell erfolgreich gestalten. Auch für Kooperationen mit Unternehmen sei er sehr offen.
Außerdem verkauft piqd Premium-Mitgliedschaften für drei Euro im Monat, die allerdings weniger der Finanzierung, als als „Trollschranke“ dienen. „Die funktioniert super“, sagt von Jordan, „das, was noch an Kommentaren kommt, ist mehrwertig und postiv behaftet.“

Zehn Mitarbeiter in München und Berlin umfasst Piqd aktuell. Im Moment beruht die Finanzierung noch auf dem Gründer des Startups, Konrad Schwingenstein, und der nach dessen Großvater benannten August-Schwingenstein-Stiftung. August Schwingenstein war 1945 einer der Mitbegründer der Süddeutschen Zeitung. Sein Enkel rief mit von Jordan auch das Projekt Torial ins Leben (zu unserem Portrait von Torial - Webpräsenzen für freie Journalisten). Auch das Media Lab Bayern fördert Piqd.