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tvo goes crossmedia

Keine Meldung zu klein zum Teilen

Kaum ein lokaler Fernsehanbieter treibt sich auf so vielen sozialen Netzwerken herum, wie TV Oberfranken. media.fwd wollte von TVOs erstem Online-Redakteur Torsten Cuck wissen, wie seine Strategie aussieht – und was sie nützt.
 

Torsten Cuck
Interview mit Torsten Cuck



Herr Cuck, Sie sind seit 2013 Online-Redakteur bei TV-Oberfranken. Vorher gab es diese Position gar nicht. Hat der Sender den digitalen Wandel verschlafen?
TVO ist doch nicht erst seit 2013 online. Unser digitales Angebot mit News auf der Homepage, der umfassenden Mediathek, mit Facebook und Twitter-Accounts gab es schon vor meiner Zeit. Heute befeuern wir diese Plattformen nur intensiver. Solche Engagements müssen sich entwickeln – und sie müssen finanzierbar sein. Viele regionale Fernsehsender haben auch heute noch keinen eigenen Online-Redakteur. Wir gehören da auf jeden Fall zu den Vorreitern.




Weil Sie was genau tun?
Wir haben unsere Fans auf Facebook um über 700 Prozent erhöht von 2800 auf 25.000. Außerdem bespielen wir acht weitere Social-Media-Kanäle zum Beispiel Pinterest oder Instagram. Seit einem Jahr schicken wir täglich einen Newsletter raus, der ebenfalls gut ankommt. Und wir bespielen eine eigene App.
 
Woher kommt dieser Fan-Ansturm auf Facebook?
Wir pflegen den Facebook-Account täglich. Wenn wir nur alle paar Tage etwas online stellen würden, brächte das gar nichts. Also posten wir interessante, relevante oder auch lustige Beiträge, egal ob Text oder Video. Die hohe Reichweite kommt durch Gefällt-mir-Klicks zustande oder dadurch, dass unsere Fans einen Beitrag auf ihrer Timeline posten, den dann wiederum ihre Freunde sehen.
 
Warum ist Social-Media für einen regionalen Fernsehsender überhaupt relevant?
Unsere Aktivitäten auf den sozialen Netzwerken sind für die Markenbildung und die Reichweite des Senders wichtig. Die Präsenz dort trägt dazu bei, dass der Sender bekannter wird und hilft, eine Bindung unserer Zuschauer an den Sender zu schaffen. Außerdem generieren wir durch unsere Social Media-Posts höhere Zuwachsraten auf unsere Homepage und das Fernsehprogramm.
 
Aber schwerer haben es die regionalen Angebote im Netz doch schon.
Grundsätzlich ist keine Meldung zu klein für eine Berichterstattung, eine Diskussion. Vor allem im lokalen und regionalen Bereich. Hier hat jeder eine Meinung, weil er entweder betroffen ist oder mit dem Thema etwas anfangen kann.
 
Funktionieren denn alle Social-Media-Plattformen dafür gleich gut?
Das Hauptaugenmerk unserer Social Media-Arbeit legen wir auf Facebook. Hier besitzen wir die größte Community mit Reichweiten in der Spitze bis knapp an die Millionenmarke. Aber auch Twitter, Instagram und Co. sind für unsere Berichterstattung – crossmedial mit dem TV-Geschäft – sehr relevant. Unter dem Motto „Online First“ bespielen wir unsere Kanäle mit unseren News, Bildern und Videos um hauptsächlich die Marke „TVO“ zu stärken und die Reichweite zu steigern. Zudem wollen wir natürlich auch informieren und unterhalten, ganz im Sinne der verschiedenen Portale.
 
Schreiben die Redakteure die Facebook Posts selbst?
Nein, das mache ich bzw. meine Vertretung. Ich lege außerdem fest, welche weiteren Inhalte auf Facebook und Co. platziert werden. Die anderen Redakteure sind aber dafür verantwortlich, dass ihre Beiträge auf unsere Homepage gelangen und dafür müssen sie auch den Text selber schreiben.
 
Wie sieht denn Ihr Patentrezept für gute Posts aus?
Bilder sind sehr wichtig, reine Textnachrichten funktionieren auf Facebook nicht. Die Sprache darf nicht zu nüchtern sein, sondern locker-flockig. Wichtig ist auch, die Facebook-Fans ernst zu nehmen und auf ihre Kommentare zu antworten. Ich sage immer, Facebook ist ein Internet-Stammtisch, wo jeder mitdiskutieren kann und das müssen wir auch ermöglichen. Wir haben im letzten Jahr viele Aktionen gestartet, bei denen unsere Facebook-Freunde mit uns interagieren konnten. Zum Beispiel die erste oberfränkische Fanmeisterschaft, bei der die User über ihren Lieblingsverein abstimmen konnten. Sehr gut laufen Tier- oder Wetterthemen, bei denen uns die User eigene Bilder zuschicken können.
 
Schaffen es solche Themen dann auch bis ins Fernsehen?
Klar. Regelmäßig werden Themen crossmedial umgesetzt, die uns per Facebook von einem User erreichen. Damit binden wir die User aktiv in das Geschehen ein, lassen sie an der Geschichte mitwirken und miterzählen.
 
Aber TV- und Online-Nutzer sind doch sicher nicht die gleichen.
Das Fernsehpublikum besitzt einen höheren Altersdurchschnitt als unsere Online-Community. Aber auch ältere Leute kommunizieren mit uns auf Facebook. Das merken wir vor allem bei Anfragen oder Fotos, die wir via Facebook erhalten. Dennoch: Die Hälfte unserer Facebook-Fans ist zwischen 18 und 34 Jahre alt.
 
Und die Jungen kriegen Sie dann auch wieder zurück ins Programm?
Wir stellen das Alter unserer Fernsehzuschauer nicht selbst fest. Was wir aber sagen können ist, dass die Zahl unserer Zuschauer im letzten Jahr insgesamt gestiegen ist. Und hierfür ist auch die Arbeit in den sozialen Netzwerken mit verantwortlich.
 
Neun Social-Media-Kanäle, das klingt ganz schön aufwändig. Rentiert sich diese Arbeit?
Rein mit Facebook und Twitter lässt sich in Deutschland kein Geld verdienen. Finanziell wirkt es sich aber aus, wenn wir Menschen von Facebook auf unsere Homepage leiten, wo Werbung platziert ist. Durch unser Engagement auf Facebook und Twitter können wir sozusagen in der Folge Umsätze erzielen. Tendenz steigend.
 
Wäre es auch eine Option, die Nutzer selbst bezahlen zu lassen?
Durchaus. Wir haben uns in den letzten Monaten über Paid-Content viele Gedanken gemacht, zum Beispiel bei der Sportberichterstattung. Wir filmen ja das ganze Spiel, zeigen in unseren Beiträgen aber nur Ausschnitte. Wir haben uns deshalb überlegt, gegen Bezahlung in einem extra Bereich auf unserer Homepage ausführlichere Inhalte anzubieten.
 
Geht das auch mit anderen Themen als Sport? 
Natürlich. Das Angebot auf regionaler Ebene ist vielfältig. Warum nicht ein Theaterstück oder ein Konzert in voller Länge als Paid-Content online zum Abruf bereitstellen. Bei all den Vorhaben und Möglichkeiten ist aber die Frage, ob sich der Aufwand am Ende auch lohnt. Das hält vielleicht auch viele Stationen davon ab, solche Angebote im Netz zu platzieren. Bei uns im Sender gibt es bei der Diskussion um Online-Inhalte erst einmal keine Denkbarrieren.
 
Wo sehen Sie in Zukunft die größten Herausforderungen?
Wir wollen mehr Online-Werbung verkaufen, unsere Marke weiter etablieren und unsere Reichweiten ausbauen. Deshalb müssen wir unsere Arbeit im Netz gut machen. Bei uns ist jeder Redakteur im Grunde auch ein Online-Redakteur – von der Idee über die Recherche, der Produktion bis hin zum Posten des Beitrags im Netz. Als Onlinemanager unseres Senders sitze ich deshalb täglich in der Redaktionskonferenz mit am Tisch und arbeite eng mit meinen Kollegen zusammen.
 
Was kommt dann dabei heraus?
Projekte wie die TVO-Themenwoche „Don‘t cry, don‘t crystal“ rund um das Thema Crystal Meth. Wir haben Sondersendungen, mehrere TV-Beiträge, Studiotalk und eine Spotkampagne crossmedial mit einer Internetkampagne vernetzt. Es gab zum Beispiel eine eigene Themenseite, Slider auf der TVO-Startseite und Banner im Newsletter. Auf Facebook und Twitter stellten wir zu jedem Beitrag eine thematische Frage, die Kommentare flossen in die Nachrichtensendung „Oberfranken Aktuell“ ein. Diese Symbiose werden wir weiter vorantreiben. Am Ende steigern wir damit die Reichweite für unseren Sender.
 
Das Interview führte Christina Hertel.