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Lokale Innovation gegen die Medienkrise

Vom Oberpfälzer Eventportal bis zur Augsburger Entdeckungs-App mit Augmented-Reality-Funktion: Sechs studentische Projekte aus ganz Bayern stellten im Rahmen der Initiative „media.projects“ im Media Lab Bayern ihre Fortschritte vor. Das Fazit war deutlich: Nirgends wird Innovation so dringend gebraucht wie im Lokalen – aber kaum irgendwo kann man mit so wenig so viel erreichen.
 
Mitglieder der media.projects Arbeitsgruppe im Rahmen des BLM-Projekts
„Die Krise des Journalismus wird nirgends so deutlich wie im Lokalen“, erklärte Marcus von Jordan in der Keynote der Veranstaltung. Von Jordan weiß, wovon er spricht, schließlich setzt er sich mit dem Startup Piqd, dem Journalistenportal torial und als Geschäftsführer der August-Schwingenstein-Stiftung selbst täglich für einen besseren, zeitgemäßeren Journalismus ein.
 
Kritischer Journalismus, so von Jordan, sei „keine beliebige Ware, sondern nimmt im digitalen Wandel eine besondere Rolle ein. Andere Industrien werden gefördert und gepusht, dies ist im Journalismus mindestens genauso nötig.“ Medienpolitik bedeute einen Balanceakt zwischen Digitalisierung und Globalisierung. Es brauche Schirmherrschaft - und die media.projects übernähmen genau diese politische Verantwortung, betonte Jordan. Das Ziel des Meet-up Days und der Projekte war dasselbe: Mehr Austausch und bessere Vernetzung, in diesem Fall von Hochschulen und Privatsendern – um gemeinsam den Journalismus von morgen zu erfinden.
 
Mit den media.projects versucht die BLM seit Sommer 2016, mithilfe junger Menschen innovative Projekte mit Lokalsendern zu entwickeln. Studierende aus verschiedenen Studiengängen, von Medieninformatik bis Kommunikationswissenschaften, sind aufgerufen, gemeinsam mit Lokalrundfunksendern erste Prototypen zu entwickeln. Mittlerweile gibt es sechs Projekte: In Amberg-Weiden, Ansbach, Augsburg, Nürnberg, Ingolstadt und Regensburg. 
 
Je weiter man sich von der Großstadt entfernt, desto dünner wird die digitale Infrastruktur
 
„So etwas gibt es einfach nicht für unsere Region“, war vielleicht der Satz, der während der Präsentationen am häufigsten fiel. Je weiter man sich aus Großstädten entferne, desto dünner werde die digitale Infrastruktur. So zum Beispiel in der Oberpfalz, wo Studenten der OTH Amberg in Kooperation mit Oberpfalz TV das Portal „Wou-Hi“ ins Leben gerufen haben. Wou-hi (Oberpfälzisch für "Wohin?") soll ein benutzerfreundliches, interaktives Online-Eventportal werden. Keine völlig neue Idee, mag man einwenden, doch in der Region gibt es das bisher nicht. Auf „Wou-Hi“ können Veranstalter ihre Events selbst einstellen und Nutzer noch während der Veranstaltungen Fotos posten.
 
Auch das hyperlokale Online-Newsportal „Frankensein“ spielt das Lokale als Trumpfkarte aus. Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach haben zusammen mit Radio 8 und Franken TV  ein Onlineportal für Westmittelfranken gestaltet, das eine Lücke in der digital-lokalen Berichterstattung füllen soll. Kaum einer der Sender kommt überhaupt noch in die hinteren Winkel unserer Region, berichtet Renate Hermann, die das Projekt an der Hochschule betreut. Es gebe eine einzige Lokalzeitung, die bis heute keinen Onlineauftritt hat. „Frankensein“ besticht durch seine Regionalität, die fränkische Kultur soll mit Online-Formaten wie „Allmächd“ oder „Frankiert - ein Sachse in Franken“ mit einem Augenzwinkern netzfähig gemacht werden.
 
Interaktive Landkarte für Augsburg-Besucher
 
Die Universität Augsburg und Radio Fantasy stellten den Protoypen einer App vor, die dem User mit einer digitalen Landkarte die Fuggerstadt näherbringen soll. Sogar Augmented Reality-Funktionen wird die App bieten. Der Content wird teilweise vom Radiosender, teilweise von Werbepartnern, aber auch von den Nutzern selbst kommen. Um die Nutzer zum Hochladen zu animieren, setzt das Team vor allem auf den Gamification-Gedanken, man kann mit Quests Punkte gewinnen, es wird Gewinnspiele geben. Doch auch der Sender profitiert: Mit einem simplen, geodatenbasierten „Red Button“ können Nutzer von unterwegs in Sekundenschnelle Blitzer melden. „Wir haben da richtig Bock drauf“, sagte Thorsten Rother, Programmchef bei Radio Fantasy Augsburg.
 
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Die Jury rund um Marcus von Jordan (r.) sah viel Potenzial in den Projekten


Radio Galaxy Ingolstadt darf sich indes auf eine neue Social-Media-Strategie freuen, die Studenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt entwickelt haben. Welche Posts werden geklickt, welche sind verschenkte Arbeitszeit? Die Studierenden haben viel Mühe in die Recherche und die Konkurrenzanalyse gesteckt.
 
Um 360-Grad-Content dreht sich schließlich das Projekt der Technischen Hochschule Nürnberg, Hitradio N1 und dem Münchner VR-Unternehmen DEXPERIO. Realer und virtueller Content sollen hier vermischt werden, im Zentrum des Projekts steht die „Super Sommer Sause“ - ein von N1 gesponsertes Konzert am Nürnberger Flughafen -, über das mithilfe von 3D-Technologie berichtet werden wird.
 
Abgerundet wurde das Meet-up durch einen Design-Thinking-Workshop von Benjamin Mikuska, Innovationscoach im Media Lab Bayern. Viele der Projekte werden auch im kommenden Semester weitergeführt, neue sollen dazu kommen – wer Interesse hat und eine gute Idee, kann sich laufend bei der BLM um Förderung bewerben.
 
„Vielleicht blicken wir in zwei Jahren auf Projekte zurück, die dann schon Role Models sind“, hofft von Jordan, der als Jury-Mitglied die Projekte beurteilte und mindestens eine der Ideen am liebsten selbst gleich gekauft hätte.