Grußwort von BLM-Präsident Dr. Thorsten Schmiege zur Eröffnung der Lokalmedientage am 24.06.2026
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Staatsminister Herrmann,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Bayerischen Landtags und des Medien- und Verwaltungsrats,
liebe Gäste der Lokalmedientage,
wie schaffen wir gesellschaftlichen Zusammenhalt in turbulenten Zeiten?
Eine große Frage zum Start in die Lokalmedientage 2026? Vielleicht. Aber genau die richtige.
Denn Lokaljournalismus ist kein „Nice-to-have“.
Er schafft Orientierung.
Er unterstützt Meinungsbildung.
Er macht Missstände sichtbar.
Kurz: Lokaljournalismus ist demokratische Infrastruktur.
Das zeigen auch die bayerischen Ergebnisse der BLM-Studie „Lokaljournalismus & Demokratie“.
Deshalb ist die Antwort auf meine Eingangsfrage klar:
Lokale Medien sind für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar.
Damit herzlich willkommen zu den Lokalmedientagen 2026!
Wir schlagen heute ein neues Kapitel auf.
Nach mehr als drei Jahrzehnten Lokalrundfunktage sind es jetzt die Lokalmedientage.
Der neue Name beschreibt, was längst Realität ist:
Lokale Inhalte laufen über viele Kanäle.
Aus Sendern sind Content-Häuser geworden.
Aber der Kern bleibt:
Lokale Medien geben der Heimat eine Stimme.
Sie sind nach dran, an den Menschen, an den Themen,
an der Heimat.
Und diese Stimme brauchen wir heute dringender denn je.
Gleichzeitig steht Lokaljournalismus unter Druck.
Versorgungslücken entstehen schleichend.
Und gerade Jüngere finden Informationen oft über den Feed:
Weniger Nachrichten, vor allem Meinungen, Gerüchte. Wut.
Warum ist das so?
Globale Plattformen setzen die Regeln.
Algorithmen entscheiden, was sichtbar wird.
Werbeeinnahmen wandern ab.
Produktionskosten steigen.
Da hilft kein Schönreden. Aber auch kein Jammern.
Man kann den Kopf in den Sand stecken.
Oder sich darüber Gedanken machen, wie man einen Schutzschirm für den Lokaljournalismus spannt.
Einen Schutzschirm, den wir in den letzten 40 Jahren für den Lokalrundfunk entwickelt haben, und den wir
nun ins Digitalzeitalter transformieren müssen!
Wie sieht dieser Schutzschirm aus?
Die erste Strebe dieses Schutzschirms ist Auffindbarkeit.
Denn was nützt der beste Bericht aus der Region,
wenn er im Feed von Tanzvideos, Empörung und Desinformation verdrängt wird?
Algorithmen lieben radikale Meinungen.
Journalistisch recherchierte, verlässliche Informationen
haben dagegen einen Nachteil.
Der neue Digitale Medien-Staatsvertrag will dieses Phänomen adressieren und Auffindbarkeit sichern.
Das klingt erst einmal unmöglich.
Ist es aber gar nicht, wenn man berücksichtigt,
dass die Plattformen genau das machen:
Sie wählen aktuell aus, was vertrauenswürdige Medien sind und wie diese Inhalte den Weg zum Publikum finden.
Nach ihren, intransparenten Regeln.
Das erinnert an die Kabelbelegung,
die aus gutem Grund nicht der Telekom überlassen wurde. Sondern es klare Vorgaben gibt:
vielfaltssichernd, transparent und unabhängig überprüfbar.
Diese Spielregeln müssen wir in die digitale Welt übertragen.
Dann wird auch schnell klar:
Es geht nicht um einen Eingriff in die Pressefreiheit,
sondern um ihren Schutz gegenüber kommerziellen Interessen großer Plattformen.
Die zweite Strebe unseres Schutzschirms besteht aus Kooperation und Innovation.
Wir müssen Kooperation weiterdenken:
von der lokalen über die regionale bis zur landesweiten Ebene.
Und dort zusammenarbeiten, wo Gemeinsamkeit Vielfalt stärkt.
Konkret heißt das:
Nicht jedes Haus braucht seine eigene technische Lösung.
Nicht jede Redaktion muss allein herausfinden,
wie KI sinnvoll eingesetzt wird.
Nicht jeder Anbieter muss allein Daten auswerten, Plattformstrategien entwickeln, Archive erschließen
oder neue Workflows testen.
Wir brauchen Kooperation bei Querschnittsaufgaben.
Aber keine Kooperation bei redaktioneller Vielfalt.
In Bayern haben wir dafür gute Voraussetzungen.
Wir haben Strukturen.
Mit BLW und BLR gibt es bereits „Gefäße“, um zusätzliche Funktionen für Radioanbieter zu übernehmen.
Wir haben Erfahrung und gute Beispiele.
Die Medienplattform WOTSCH.TV ist ein solches digitales Kooperationsprojekt, bei dem lokale Informationen gebündelt und zeitgemäß zugänglich gemacht werden.
Und so Relevanz und Reichweite aller gesteigert werden.
Große Hoffnung setze ich aber vor allem in KI.
KI ist ein starkes Werkzeug für kleine Unternehmen.
Vielleicht das stärkste Werkzeug ever.
Sie kann Recherche unterstützen, Abläufe beschleunigen, Inhalte besser verbreiten und Produktion effizienter machen.
Aber KI ist kein Ersatz für journalistische Verantwortung.
Ein Sprachmodell kennt keinen Bürgermeister.
Es besucht kein Volksfest.
Es spürt nicht, wenn die Stimmung vor Ort kippt.
Aber wie stärkt KI den lokalen Journalismus?
Hier setzen unser KI-Kompetenzzentrum Medien KI.M und
sein Reallabor samt Showroom in der BLM an.
Vielen Dank an dieser Stelle für die großzügige Förderung durch die Bayerische Staatsregierung!
Das KI.M ist ein Ort für die Praxis:
für mehr Kompetenz, Rechtssicherheit und Austausch.
Die dritte Strebe unseres Schutzschirms ist Finanzierung.
Vielleicht der unbequemste Punkt.
Lokaljournalismus hat einen großen Vorteil:
Er ist nah am Publikum.
Und er hat einen großen Nachteil:
Sein Markt ist begrenzt.
Das kennen wir aus der analogen Welt: Hier müssen die Anbieter aktiv sein. Hier ist die lokale Vermarktung aber auch gegenüber bundesweiten Anbietern geschützt.
Diesen Schutzgedanken kann man auch im digitalen Raum weiterdenken.
Nicht mit Verboten oder Strafsteuern.
Aber mit Vielfaltsverpflichtungen für die marktmächtigen Plattformen, die z.B. auch in Form eines angemessenen Anteils Einnahmen zurückgeben,
die mit den Inhalten Dritter erzielt werden.
Auffindbarkeit, Kooperation und Innovation
sowie Finanzierung:
Das sind die wichtigsten Streben unseres Schutzschirms für den Lokaljournalismus.
Für mich ist klar:
Die Zukunft gehört denen, die in Kreativität,
in neue Geschäftsmodelle investieren.
Dafür braucht es Spielräume.
Diese Spielräume müssen dann aber auch
für mehr Vielfalt genutzt werden.
Hier kann KI ein Gamechanger, ein Lokalbooster werden.
Kurz: Wir brauchen eine ähnliche Aufbruchstimmung wie
vor mehr als 40 Jahren, als es losging mit dem privaten Rundfunk.
Wir brauchen wieder mehr von diesem Mut,
von diesem Pioniergeist.
Nicht bequem werden.
Nicht warten, bis andere entscheiden.
Sondern gestalten.
Das ist der rote Faden der Lokalmedientage.
An dieser Stelle ein großer Dank an das Team der Lokalmedientage um Stefan Sutor!
Wir haben ein großartiges Programm
für die kommenden zwei Tage
mit viel Innovation und Praxisnähe in Podien und Masterclasses.
Und natürlich viel Gelegenheit zum Networking.
Vor allem heute Abend im Alten Rathaus.
Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg für die Gastfreundschaft!
Und natürlich an die vielen Partner und Sponsoren!
Lassen Sie ihn uns gemeinsam den Schutzschirm für den Lokaljournalismus aufspannen.
Mögen die Lokalmedientage dafür – mal wieder –
ein Startschuss sein.
Vielen Dank.