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Medienrat verabschiedet Resolution zum Format „Erwachsen auf Probe“

47 2009

Der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat in seiner Sitzung am 23. Juli 2009 folgende Resolution zum Format „Erwachsen auf Probe“ verabschiedet:

„Das Reality-Format „Erwachsen auf Probe“, das derzeit auf RTL im Hauptabendprogramm ausgestrahlt wird, ist pädagogisch und ethisch im Hinblick auf Anlage und Produktionsbedingungen zu kritisieren. In der Sendung wird die Botschaft vermittelt, dass mit Kindern soziale Experimente zum Zweck der Unterhaltung gemacht werden dürfen. Säuglinge und (Klein)Kinder werden für dramaturgische Effekte eingesetzt und instrumentalisiert, die jugendlichen Teilnehmer mit Berufung auf ein oberflächliches und vermeintlich pädagogisches Ziel einem Realitätsschock ausgesetzt. Sie werden von Erziehern und so genannten Experten beobachtet und kontrolliert, erhalten jedoch keine echte und umfassende Hilfe, beispielsweise von Vertrauenspersonen aus ihrem familiären Umfeld. Zudem wird von Eltern und Erziehern erst ins Geschehen eingegriffen, wenn die Babys oder Kinder sich in für sie gefährlichen oder problematischen Situationen befinden. „Erwachsen auf Probe“ ist, anders als von RTL behauptet, in keiner Weise pädagogisch begründet oder gar pädagogisch wertvoll – im Gegenteil.

Die bundesweit für das private Fernsehen zuständige Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat die ersten sechs Folgen von „Erwachsen auf Probe“ gemäß ihrem Auftrag nach der Ausstrahlung geprüft und gemäß den Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags als rechtlich zulässig erachtet. Allerdings hat sie unabhängig davon deutlich Kritik im o.g. Sinne geübt und die Sendung als ethisch und pädagogisch unverantwortlich eingestuft. Die weiteren Folgen der insgesamt achtteiligen Reihe werden noch geprüft. Die Entscheidung der KJM zu den ersten Folgen ist dabei kein Freibrief für die weiteren Folgen.

„Erwachsen auf Probe“ ist fertig gedreht, die beteiligten Babys und Kleinkinder sind vor dem Schaden nicht mehr zu bewahren, und die Sendung hat für die Programmgestalter möglicherweise gar keine Folgen. Sie haben jedoch Verantwortung gegenüber der gesamten Gesellschaft und nicht nur gegenüber der angestrebten Quote.

Die Mitglieder des Medienrats fordern RTL, stellvertretend für alle privaten Rundfunkveranstalter, auf, bei der Programmauswahl und Programmgestaltung stärker ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Das Streben nach Quote rechtfertigt nicht neue Tabubrüche und das ständige Ausloten gesetzlicher Spielräume für extreme Programmformate, ein public value wird nicht erzielt. Das Reality-Format „Erwachsen auf Probe“ wird als ethisch und pädagogisch fragwürdig eingestuft. Mit „Erwachsen auf Probe“ wurde ein neuer Tiefstand bei der Ausgestaltung sog. „Reality-Formate“ erreicht. Der Medienrat fordert die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen auf, Standards zu entwickeln, die den gesetzlichen Schutz noch erhöhen.

 


>> Kontakt: Dr. Wolfgang Flieger, Tel. (089) 63808-313, wolfgang.flieger@blm.de