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Quellenkritik als zentrale Anforderung
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Quellenkritik als zentrale Anforderung

Medienkompetenz im KI-Zeitalter

Wer würde von sich selbst behaupten, unseriösen Quellen zu vertrauen oder sich von Desinformation täuschen zu lassen? Meist hält man sich für ausreichend medienkompetent. Mit generativer Künstlicher Intelligenz gerät diese Gewissheit ins Wanken. Für die Vermittlung von Medienkompetenz und deren Angebote bedeutet das einen Paradigmenwechsel.

Text: Katharina Schulz

Plötzlich gestehen sich Menschen generationsübergreifend ein: „Ich weiß nicht, ob das Bild echt ist, ob der Text nur plausibel klingt, aber inhaltlich falsch ist, oder ob die Quellen, auf die sich die KI-Zusammenfassung beruft, verlässlich sind.“ Die Bedingungen, unter denen Glaubwürdigkeit beurteilt wird, verändern sich grundlegend. Synthetische Inhalte wirken echt, das Bauchgefühl versagt und selbst professionelle journalistische Angebote müssen mit Vorsicht darauf überprüft werden, ob valide Quellen oder KI-generiertes Material vorliegen.

Für die Medienpädagogik bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Es wird schwieriger, Nutzerinnen und Nutzern dauerhaft gültige Kriterien an die Hand zu geben, um KI-Inhalte zu erkennen. Deshalb muss die Medienpädagogik ihre Angebote stetig und schnell aktualisieren und gleichzeitig nachhaltiges Strukturwissen vermitteln.

Quellenkritik im KI-Zeitalter zielgruppengerecht vermitteln

Genau hier setzen die kostenlosen Angebote der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und der BLM Stiftung Medienpädagogik Bayern an. Sie richten sich an unterschiedliche Zielgruppen und sind auf differenzierte Nutzungssituationen zugeschnitten. Denn Quellenkritik sollte je nach Vorkenntnissen und Medienalltag unterschiedlich vermittelt werden.

Grundlage dieser zielgruppengerechten Angebote ist das Wissen darüber, wie KI tatsächlich genutzt wird. Die 2024 veröffentlichte BLM-Studie„Algorithmen und Künstliche Intelligenz im Alltag von Jugendlichen“ eines Teams um Prof. Dr. Ruth Wendt thematisiert Einstellungen und Nutzungsstrategien junger Menschen zu Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. Auf Basis der Ergebnisse wurden medienpädagogische Handlungsempfehlungen für die Praxis entwickelt.

Wichtige Ergebnisse der Studie sind, dass Algorithmen und KI in Elternhaus und Schule keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Gleichzeitig wünschen sich Jugendliche mehr Wissensvermittlung.

KI-Wissensvermittlung durch die BLM

Ein neues Informationsangebot der BLM geht beispielsweise darauf ein, wie KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen funktionieren und sensibilisiert dafür, dass Ergebnisse unvollständig oder fehlerhaft sein können. Auch bietet es die Möglichkeit, das eigene Suchverhalten zu hinterfragen und sich damit zu beschäftigen, welche Konsequenzen die KI-Zusammenfassungen für den journalistischen Bereich haben.

Das BLM-Portal „MEDIEN leicht erklärt“ vermittelt barrierearm Wissen über KI. Es richtet sich vor allem an Menschen mit Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten oder geringen Sprachkenntnissen sowie an Fachkräfte, die mit ihnen arbeiten. Auch KI, KI-Zusammenfassungen und Quellenkritik werden leicht verständlich beschrieben.

Das Thema Informationskompetenz und KI ist gerade im schulischen Kontext wichtig. Hier unterstützt der Medienführerschein Bayern Lehrkräfte mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien für verschiedene Jahrgangsstufen und Schularten. Im Rahmen einer Förderung der Bayerischen Staatskanzlei entwickelt die BLM Stiftung Medienpädagogik Bayern Unterrichtseinheiten, die Schülerinnen und Schülern altersgerecht erklären, wie sie die Glaubwürdigkeit von Online-Quellen prüfen können. Die Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich dabei anhand lebensnaher Aufgaben mit KI und Meinungsbildung, Desinformation und KI-Tools als Informationsquelle.

Der Medienführerschein Bayern bietet aber auch Materialien für pädagogisch Tätige, unter anderem das Modul „Im KI-Zeitalter?“ für Studierende an Fachakademien für Sozialpädagogik. Sie sollen als angehende Fachkräfte Künstliche Intelligenz kritisch hinterfragen, um später Kinder, Jugendliche und Eltern bei ihren Fragen rund um KI begleiten zu können.

Tipps und Hilfe für Eltern

Eltern sind eine zentrale Zielgruppe, wenn es um die Medienkompetenz-Vermittlung an Kinder und Jugendliche geht. Mit ihrer KI-Nutzung nehmen die Eltern eine Vorbildrolle ein. Es ist deshalb entscheidend, wie sie zuhause über die Glaubwürdigkeit KI-generierter Inhalten sprechen, welche Quellen sie selbst zur Informationssuche nutzen oder wie sie ihren Kindern Wissen zu KI-Tools weitergeben.

Deshalb hat die BLM Stiftung medienpädagogische Materialien für Eltern und Elternabende (https://www.stiftung-medienpaedagogik-bayern.de/materialien/angebote-fuer-eltern) entwickelt, gefördert vom Bayerischen Kultusministerium. Diese sind inzwischen auch über die Web-App elternmedien.info (https://www.elternmedien.info) abzurufen. Die App zeigt, wie Eltern zum Beispiel Deepfakes, KI-Influencer oder die Themen Halluzinationen und Bild-Manipulation altersgerecht thematisieren können.

Das Medienpädagogische Referentennetzwerk Bayern, gefördert von der Bayerischen Staatskanzlei, greift Fragen von Eltern im direkten Austausch auf und gibt ihnen Handlungstipps an die Hand. Expertinnen und Experten vermitteln bei Elternabenden Medienwissen und beantworten konkrete Fragen aus dem Familienalltag – darunter auch Fragen zum Umgang mit KI.

Medienpädagogik und Qualitätsjournalismus ergänzen sich

Alle Angebote zielen darauf ab, die Quellenkritik der Nutzerinnen und Nutzer zu stärken. Quellenkritik ist eine entscheidende Voraussetzung für eine unabhängige Meinungsbildung, die wiederum Grundlage für demokratisches Zusammenleben und gesellschaftliche Teilhabe ist.

Zugleich wächst die Bedeutung einer vielfältigen Medienlandschaft mit qualitativ hochwertigen und professionellen Angeboten: Qualitätsjournalismus kann zwar nicht garantieren, dass KI-generierte Inhalte immer erkannt werden, aber transparent verdeutlichen, wie Informationen geprüft, Quellen offengelegt, Fehler korrigiert und Verantwortung übernommen wird.

Medienpädagogik und Qualitätsjournalismus ergänzen sich: Medienpädagogik stärkt den kritischen Umgang mit der Herkunft von Informationen, während Qualitätsjournalismus durch nachvollziehbare und überprüfbare Prozesse Vertrauen und Glaubwürdigkeit schafft.

Katharina Schulz
Katharina Schulz ist Referentin in der Gruppe Medien- und Nutzerkompetenz im Bereich Inhalte und Medienkompetenz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Sie betreut u.a. das Projekt jung.engagiert.online in der BLM.
 
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