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Grußwort zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2014 von Siegfried Schneider, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München GmbH und Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM)

22.10.2014 | P&R

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Höttges,
sehr geehrte Frau Michaelsen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich darf Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der 28. MEDIENTAGE MÜNCHEN im Internationalen Congress Center der Messe München begrüßen. Mein besonderer Gruß und Dank gilt an dieser Stelle Ministerpräsident Horst Seehofer, der entgegen dem ursprünglichen Programm im Rahmen dieser Eröffnung selbst seine Vorstellungen einer zukunftsweisenden Medienpolitik in einem Interview erläutern wird.
 
Der digitale Transformationsprozess geht mit unvermindertem Tempo und hoher Schlagzahl weiter. Seine Auswirkungen sowohl auf die Medienbranche als auch auf die Mediennutzer sind auch in diesem Jahr wieder das zentrale Thema der MEDIENTAGE MÜNCHEN unter dem Motto „Kein Spaziergang – Wege zur digitalen Selbstverständlich­keit“.
 
Ich denke, ich spreche für alle Medienunternehmen, wenn ich sage, niemand in der Branche erwartet, dass der zukünftige Wettbewerb, der immer globaler wird und in dem immer häufiger Medienanbieter aus unterschiedlichsten Bereichen miteinander konkurrieren, ein Spaziergang werden wird. Gerade die Rundfunkunternehmen dürfen aber erwarten, dass die Politik dafür sorgt, dass es faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Medienbranchen und über Ländergrenzen hinweg gibt. Fair ist dieser Wettbewerb nur, wenn für alle Wettbewerber vergleichbare rechtliche Rahmen­bedingungen gelten. Je weiter durch die Konvergenz die Grenzen zwischen Rundfunk, Internet und Print verschwimmen, umso mehr müssen wir die aktuellen Regulierungs­normen für stark regulierte Medienmärkte wie Hörfunk und Fernsehen hinterfragen. Um das viel zitierte „same level playing field“ zu erreichen, ist Liberalisierung und der Abbau von Regulierung der einzig gangbare Weg.
 
Die Produktion von Inhalten muss auch in Zukunft ein sich lohnendes Geschäftsmodell bleiben. Entscheidend für die Content-Unternehmen sind dabei das Urheberrecht, der Zugang zu den Plattformen, die Auffindbarkeit von Inhalten und die direkten Kunden­beziehungen. Daraus folgt, dass nicht nur für Netz- und Plattformbetreiber, sondern gerade auch für Gerätehersteller die Grundsätze von Chancengleichheit, Diskriminie­rungsfreiheit und letztlich auch das Vielfaltsgebot gelten müssen.
 
Zentrale Anliegen der Regulierung bleiben auch zukünftig der Jugendmedienschutz und das Gebot der Menschenwürde sowie die Vielfalt der Angebote und der Anbieter. Diese Grundlagen der Regulierung sollten für alle audiovisuellen Inhalte gelten, die eine breitere Öffentlichkeit ansprechen. Letztendlich geht es darum, durch eine intelligente Regulierung einen weitgehenden Ausgleich zwischen gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Interessen zu schaffen und damit sowohl eine gelingende öffentliche Kommunikation sicherzustellen, als auch neue digitale Geschäftsmodelle zu ermöglichen.
 
Angesichts der Macht weltweit agierender Konzerne wird das aber nur durch ein europa­weit abgestimmtes Verfahren gelingen.
 
Das Thema Medienpolitik spielt bei den Medientagen 2014 eine zentrale Rolle und ich bin überzeugt, dass von hier wichtige Impulse für eine zukünftige digitale Medienordnung ausgehen werden. Viele von Ihnen werden sich erinnern, dass der Bayerische Minister­präsident in der Eröffnungsrunde vor zwei Jahren zu einem „Runden Tisch Medienpolitik“ eingeladen hat. Ergebnisse dieses zweijährigen Diskussionsprozesses liegen jetzt vor. Welche konkreten Handlungsempfehlungen und Forderungen dabei herausgekommen sind, wird morgen um 14:30 Uhr in dem Panel „Zukunftsfähige Rahmenbedingungen für die Medien- und Kommunikationsbranche“ vorgestellt. Ergänzt wird der Schwerpunkt Medienpolitik u.a. durch die Diskussion zur Netzneutralität auf dem Infrastrukturgipfel und ein Interview mit dem Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, zum Thema Medienpolitik und Wettbewerb. Dabei wird sicher auch die geplante neue deutsche Video-Plattform zur Sprache kommen. Mit „Amazonas“ und „Germany‘s Gold“  hat das Bundeskartellamt ja bereits zwei Plattformen untersagt, während die aus­ländische Konkurrenz problemlos ihre Angebote in den deutschen Markt bringt. Beide Veranstaltungen finden heute Nachmittag statt.
 
So wie die Medienbranche auf den digitalen Transformationsprozess reagiert, hat auch das Team der Medientage GmbH notwendige Veränderungen in der Kongressgestaltung vorgenommen: Vor allem der Auftakt wurde neu gestaltet mit dem Fernsehgipfel, der den in die Jahre gekommenen medienpolitischen Gipfel ersetzt. Zu Recht, wie ich denke, denn vieles weist darauf hin, dass wir am Beginn einer neuen, Erfolg versprechenden Ära von Bewegtbildangeboten stehen, zwischen linearem Fernsehen, Video on Demand und Streaming.
Unter dem Titel „Technik und Innovation“ ist eine neue thematische Schiene eingerichtet worden, die sich über alle drei Tage zieht. Neu sind am Freitag auch vier durch­gehende Themenschienen zu Breitband, Content Marketing, Paid Content und Social Media, die die jeweiligen Themenfelder aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Schließlich wird der Kongress internationaler, einerseits durch die Referenten und andererseits durch die Einführung rein englischsprachiger Panels. Und die Medientage werden weiblicher. Das beginnt bereits in diesem Jahr und wir führen Gespräche, um den Anteil von Frauen auf den Panels im kommenden Jahr nochmals zu erhöhen.
 
Deutlicher hervorgehoben wird dieses Jahr – sowohl thematisch als auch auf der Medienmesse – die Innovationskraft des Medienstandortes Bayern. Ausdruck findet das zum Beispiel durch eine sogenannte Startup-Area, auf der GründerInnen aus der Kommunikationsbranche ihre Geschäftsideen und Businesskonzepte präsentieren werden. Bayern und die BLM werden in diesem Feld neue Impulse setzen. Bayern ist nach wie vor eine Gründerhochburg in Deutschland. Dieser Bereich soll in Zukunft noch stärker gefördert werden. U.a. durch die Breitband­initiative, die den Breitbandausbau im ländlichen Raum in Bayern mit 1,5 Mrd. Euro unterstützen wird. Der bayerische Finanz­minister Dr. Markus Söder wird die entsprechenden Pläne am Freitag hier auf den Medientagen vorstellen.
 
Auch die BLM wird den digitalen Transformationsprozess aktiv fördern. Vor allem, um die lokalen Radio- und Fernsehanbieter im Prozess des Medienwandels zu unterstützen, haben wir die Innovations-Initiative „innovate media“ entwickelt. Dabei geht es um den verstärkten Austausch zwischen Startups und Medienunternehmen, um die Förderung konkreter Innovationen im lokalen Rundfunk, um die Vorstellung von Best-Cases-Beispielen und die Schaffung eines Ortes, der Projekt­teams die Möglichkeit des Ausprobierens innovativer audiovisueller Inhalte bietet. Die afk-Aus- und Fortbildungs­kanäle werden hier eine wichtige Rolle spielen. Am Stand der BLM können Sie sich gerne ausführlicher über diese neue Initiative infor­mieren.
 
Zu den Grundanforderungen an qualitätsvollen Journalismus gehören heute crossmediales Arbeiten, Datenjournalismus oder das Einbeziehen von Social Media-Plattformen. Die BLM wird deshalb ihr Ausbildungskonzept für die Volontäre im lokalen Rundfunk neu strukturieren und auf die Erfordernisse eines digitalen Journalismus ausrichten.
 
Der digitale Transformationsprozess und neue digitale Geschäftsmodelle sind nicht denkbar ohne eine sich immer weiter entwickelnde Technologie. Entscheidend aber sind die Inhalte. Der Content und damit die ganze Branche leben von der Kreativität der Mitarbeiter. Mein Appell an dieser Stelle ist deshalb: Fördern Sie die Kreativität und das Know-how Ihrer Mitarbeiter. Das ist ein wesentlicher Aspekt für den Erfolg unserer Medienunternehmen. 
 
Meine Damen und Herren,
 
ich wünsche uns allen in den kommenden drei Tagen spannende aufschlussreiche und gewinnbringende Diskussionen, anregende Gespräche und nicht zuletzt beste Unter­haltung.
 
Noch einmal herzlich willkommen auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2014!