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Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider bei den Augsburger Mediengesprächen 2016 zum Thema „Digitaler Burnout? Der richtige Umgang mit dem Smartphone“

13.10.2016 | P&R / 2016

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Augsburger Medien,
sehr geehrte Podiumsgäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich freue mich, Sie heute zu den 14. Augsburger Mediengesprächen begrüßen zu dürfen. Mein Dank gilt den Gesellschaftern, Geschäftsführern und Mitarbeitern der Augsburger Hörfunk- und Fernsehsender, aber auch der Augsburger Allgemeinen für die Zusammen­arbeit und Unterstützung. Sie haben die Augsburger Mediengespräche damit zu einem festen Bestandteil der hochkarätigen Medienveranstaltungen in Bayern gemacht. Bedanken möchte ich mich selbstverständlich auch bei der Stadt Augsburg und ihrem Oberbürger­meister, Dr. Kurt Gribl. Die Stadt stellt uns seit Jahren ihre repräsentativen Räume hier im Rathaus unentgeltlich für diese Veranstaltung zur Verfügung.
 
„Digitaler Burnout? Der richtige Umgang mit dem Smartphone“ ist das Thema der dies­jährigen Augsburger Mediengespräche. Vor knapp zehn Jahren kamen die ersten Smart­phones auf den Markt. Ein Leben ohne sie ist heute für viele unvorstellbar. Nach einer Studie von Apple sieht jeder von uns durchschnittlich achtzig Mal am Tag auf das Display seines Smartphones. Das Smartphone wird zur Schnittstelle für die Welt da draußen, mit der es sich zu synchronisieren gilt – stets verbunden mit der bangen Frage: Verpasse ich auch nichts Wichtiges?
 
Zweifellos haben Smartphones eine Reihe positiver Aspekte: Sie sind persönlicher Assistent und halten das Weltwissen als digitale Enzyklopädie bereit, sie helfen uns, unsere Termine zu koordinieren und jederzeit Kontakt mit Menschen aufzunehmen, die weit entfernt sind. Smartphones unterstützen unser Firmen- und Familien-Management, sind Fotoapparat und Videokamera sowie ein Kompass von unschätzbarem Wert, wenn wir nach aktuellen Informationen suchen – ganz gleich ob es sich dabei um Nachrichten, Wetter-, Stau-, Flug- oder Börsendaten handelt, die Öffnungszeiten eines Restaurants oder Kinos. All diese Funktionen machen das Smartphone zum ultimativen und nahezu unverzichtbaren Werkzeug unserer digitalen Welt.
 
So scheint es via Smartphone auf beinahe jede Frage und Lebenssituation eine Antwort zu geben: Suchmaschinen liefern Informationen bei Wissensfragen, Messenger und Social Communitys ermöglichen Ratschläge bei praktischen Alltagsfragen, Big-Data-Prognosen versprechen bei der Lösung von Problemen online mehr Genauigkeit als subjektive Erfahrungswerte.
 
Man kann nicht sinnvoll über das Smartphone diskutieren, ohne seine Repräsentanz in der digitalen Gesellschaft zu betrachten. In der Welt der Jugendlichen sind Leben und Smartphone untrennbar miteinander verbunden: sozial, politisch, kulturell und auch beruflich. Das Smartphone hält eine Fülle an beruflichen Perspektiven und Chancen bereit. Die Jugendkultur, die vom Smartphone oft so hektisch, belastet und technologisch geprägt erscheint, bereitet sich wie in einem Training für die kommenden Herausforderungen der Welt vor. Das Weglegen des Smartphones ist in Momenten der Zweisamkeit und des Austauschs von Angesicht zu Angesicht wichtig, andererseits kann der Umgang mit dem Smartphone nur durch seine Bedienung geübt und gelernt werden.
 
Wir leben längst in einem Zustand permanenter Vernetzung, bei dem Smartphones, Tablets oder Smartwatches als Universalwerkzeuge einen Alltag prägen, der von Online-Kommunikation durchzogen ist. Die Grenzen von Individual- und Massenkommunikation verschwimmen, Privates und Berufliches vermischen sich.
 
Weil wir immer und überall vernetzt sind, ist unser Beziehungshandeln schneller, klein­teiliger und oft strategischer geworden. Virtuelles Dabeisein kann zum Surrogat echter Nähe werden und die virtuelle Realität ist für manche längst faszinierender als die analoge Wirklichkeit. Potenzielle Erreichbarkeit ersetzt häufig wirkliches Zusammensein, flüchtige Kommunikationsfragmente via WhatsApp oder Facebook-Post verdrängen echte Gespräche. Vieles von dem, was online kommuniziert wird, würden Menschen von Angesicht zu Angesicht nie äußern. Insofern können soziale Online-Netzwerke auch zur Erosion unseres Sozialverhaltens beitragen.
 
Mit dem Smartphone in der Hand verändert sich aber nicht nur unsere Wahrnehmung. Es verändert sich auch die Art, in der wir uns selbst darstellen. Ganz gleich ob WhatsApp oder Twitter, Facebook oder Snapchat: Wir wischen ein paar Mal über das Display, tippen ein paar Buchstaben ein und modellieren so ständig das Bild, das sich die Öffentlichkeit von uns machen soll. Dabei geht es vielen nicht um Authentizität, sondern schlicht um Performance und Inszenierung.
 
Wer sich klar macht, wie fundamental das Smartphone unser Leben verändert hat und weiter verändern wird, der muss sich auch die Frage nach den Risiken und Nebenwirkungen stellen.

Dr. Alexander Markowetz wird uns gleich empirische Daten zur Smartphone-Nutzung präsentieren. Ich will noch nicht zu viel verraten. Aber hätten Sie gedacht, dass Nutzer in Deutschland täglich fast drei Stunden ihrer Aufmerksamkeit ihrem Smartphone widmen? Alle 18 Minuten, so protokollierte eine App bei etwa 60.000 freiwillig teilnehmenden Smartphone-Besitzern, wird eine analoge Tätigkeit unterbrochen, um digital online zu sein.
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
abschließend möchte ich Ihnen einerseits vorschlagen, heute Abend komplett auf den digitalen Assistenten zu verzichten. Lassen Sie uns analoge Dialoge führen. Andererseits begrüße ich Ihre Bereitschaft, die Veranstaltung der größtmöglichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem Sie Tweets und Facebook-Posts verfassen. Ich freue mich auf die nachfolgende Diskussion, die sich vermutlich auch in diesem Spannungsfeld scheinbar unvereinbarer Gegensätze bewegen wird.
 
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ich darf das Mikrofon jetzt an Oberbürgermeister Dr. Gribl weiterreichen.