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Grußwort von Siegfried Schneider zur Eröffnung der Medientage München 2017

24.10.2017 | P&R / 2017

Siegfried Schneider ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München GmbH, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten

- ES GILT DAS GESPROCHENE WORT! -

Sehr geehrte Frau Ministerin Aigner,
sehr geehrter Herr Heufer-Umlauf,
sehr geehrte Frau Schäferkordt,
sehr geehrter Herr Adair,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der 31. MEDIENTAGE MÜNCHEN hier im Internationalen Congress Center der Messe München begrüßen und freue mich, dass wir wieder drei Tage Gelegenheit haben, uns über die wichtigsten Trends und Themen auszutauschen. Die „trending topics“ zu spiegeln, ist immer die Herausforderung für die Programmplanung der Medientage München und dieses Jahr gibt es erstmals eine eigene Schiene dafür.

Das ist nur eine von verschiedenen Änderungen bei den Medientagen, die Ihnen allen den Überblick erleichtern soll. Denn genau darum geht es angesichts des rasanten Wandels in der Medienwelt: Nicht nur die Konsumenten und Rezipienten, nein, auch die Macher müssen irgendwie den Überblick behalten. Der atemberaubende technische Fortschritt der Digitalisierung fordert uns alle. Künstliche Intelligenz, lernende Maschinen und Algorithmen verändern die Produktion und die Verbreitungswege maßgeblich. Die Medien- und Kommunikationswelt wird immer mehr durch Technisierung bestimmt. In einer solchermaßen technisierten Gesellschaft müssen die Medien ihre Rolle erst wieder neu finden. Und der Politik obliegt es, die Rahmenbedingungen neu zu justieren. In dieser Hinsicht dürfen wir gespannt sein, was die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner heute an News mitbringt. Herzlich willkommen, Frau Staatsministerin.

Immer wieder diskutiert wird schon seit längerer Zeit – und zwar schon weit vor der Fakenews-Debatte – ein Vertrauensverlust in journalistische Inhalte. Auf Hass und Lügen im Netz zu reagieren und dagegen etwas zu tun, haben sich viele Initiativen und „Factchecker“ auf die Fahnen geschrieben. Doch, diese Frage muss erlaubt sein: Steht nicht eigentlich zu Beginn jeder journalistischen Arbeit das Fakten checken? Ist es also ein Armutszeugnis, dass Medienhäuser eigene Abteilungen dafür einrichten, oder ist das im Gegenteil sogar notwendig, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen und die Glaubwürdigkeit in der neuen Mediengesellschaft zu erhalten?

Vertrauensbeziehungen aufzubauen, wird zu den Kernaufgaben zukunftsorientierter Medienhäuser gehören. Wir werden uns in diesen Tagen auf vielen der knapp 100 Einzelveranstaltungen mit der Frage beschäftigen, wie das gelingen kann und wie wir die künftige Medienlandschaft gestalten wollen. Dementsprechend lautet das Motto der
31. MEDIENTAGE MÜNCHEN:

Media . Trust . Machines – Vertrauen in der neuen Mediengesellschaft“

Input dazu wird es heute Nachmittag in zwei kleineren Runden, dem Executive Summit und dem Editor’s Summit, geben. Ich freue mich, Anke Schäferkordt aus dem Bertelsmann-Vorstand als Keynote-Speakerin des Executive Summit und den Journalismus-Professor Bill Adair aus Toronto als Redner vor dem Editor’s Summit begrüßen zu dürfen. Ein herzliches Grüß Gott an Sie beide. Ich bin sehr gespannt, welche Strategien Frau Schäferkordt aus Managementsicht für notwendig hält und wie Bill Adair, Gründer der Plattform Politifact, mit Fact-Checking den „Pinocchios“ dieser Welt begegnen möchte.

Die Frage, wie wir künftig unsere Medienlandschaft gestalten wollen, richtet sich natürlich auch an die Politik, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen setzt. Wie kann eine zukunftsgerichtete Medienordnung aussehen? Wie muss Medienpolitik reagieren? Ein Forum dafür haben die Medientage München schon immer geboten und werden es auch dieses Jahr tun.

Im Fokus der Veranstaltung über die „Medienordnung 4.0?“ steht eine Debatte über Medienpluralismus und Grundversorgung. Wer muss und kann diese Grundversorgung leisten in Zeiten, in denen Meinungsbildungsprozesse längst nicht mehr nur über Printmedien und Rundfunk, sondern auch maßgeblich über das Internet gesteuert werden? Was zur Grundversorgung gehört und ob diese Aufgabe nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet, werden wir auf den Medientagen diskutieren.

Politische Information, gesellschaftlich relevante Themen und Entertainment sind heute auf allen Kanälen zu finden. Rundfunkplattformen und Intermediäre wie Facebook, YouTube und Google lassen sich nur schwer voneinander abgrenzen. Die Diskussion über das Livestreaming im Internet zeigt, wie schwierig es ist, bekannte Regeln aus der analogen Welt im Digitalen anzuwenden. Um die Themen „Was ist Rundfunk im Netz? Und „Gelten die klassischen Regeln nur für Rundfunkanbieter?“ geht es auch in den  kommenden Tagen. So wird beim Thementag „Streaming und Games“ u.a. die Frage diskutiert, welche Regulierung YouTube, Twitch & Co brauchen. Und einen Tag vorher wird auf dem Plattformgipfel verhandelt, wie die Auffindbarkeit der Inhalte im Sinne der Medienvielfalt geregelt werden soll. Facebook & Co rücken angesichts ihrer zunehmenden gesellschaftspolitischen Relevanz auch stärker in den Fokus europäischer Regulierung – ein Thema, das auf dem Europatag zur Debatte steht.

Neben diesen medienpolitischen Fragen werden wir hier im ICM intensiv über die künftige Rolle der Medien in der Gesellschaft und die Zukunft des Journalismus diskutieren. Innovative Medienmacher aus der nationalen und internationalen Journalistengarde – von Laura R. Walker, CEO New York Public Radio, über die Autoren Sascha Lobo und Mathew Ingram bis hin zu Newsroom-Experte Scott Gillespie von der Washington Post – sind bei den diesjährigen MEDIENTAGEN zu Gast, um nur einige zu nennen. Der Weg der Internationalisierung der MEDIENTAGE wird also konsequent weiter beschritten, denn neue Denkanstöße sind besonders durch einen Blick über den Tellerrand möglich.

Neue Denkanstöße und einen Einblick in die Zukunft der Medienbranche bekommen Sie auch auf der Startup-Area „Rockets & Unicorns“ im Messebereich. Das Media Lab Bayern hat dafür viele Formate  konzipiert: vom Expertentalk über die Startup Academy bis zur Vernetzung mit etablierten Medienhäusern. Best Practise-Beispiele kleinerer und größerer Projekte aus dem digitalen Journalismus sind in der Digital Media-Schiene zu sehen, über der genauso wie beim Journalism Summit am Donnerstag, 26. Oktober, die thematische Klammer „Media and the Machines“ steht. Und damit sind wir wieder bei der Kernfrage, wie durch verlässlichen Journalismus Vertrauen gewonnen und erhalten werden kann. Welche Mittel und Kommunikationswege dafür genutzt werden, ist auch eine Frage der Ausbildung und des Berufsbildes. Im Rahmen der Angebote des Mediencampus Bayern und des Schülermedientages lassen sich darauf sicher einige Antworten finden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren: Wie wir Medieninhalte konsumieren und was wir konsumieren, unterliegt einem permanenten Wandel. Das Smartphone als mobile Fern­bedienung des Lebens hat sich längst etabliert. Vielleicht werden auch Virtual Reality-Brillen bald zur Selbstverständlichkeit. Lassen Sie es sich also nicht entgehen, auf der „Immersive Media Area“ Virtual und Augmented Reality sowie 360 Grad-Inhalte und im HoloLens-Experience Room Mixed Reality zu erleben. Ich bin sicher, auch die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, an die ich jetzt das Wort übergeben darf, wird von den Möglichkeiten am Medienstandort München begeistert sein. In diesem Sinne heiße ich Sie hier noch einmal alle herzlich willkommen und wünsche neben vielfältigen Informationen und virtuellen Erfahrungen auch viele aufschlussreiche, fruchtbare Gespräche!