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Grußwort des BLM-Medienratsvorsitzenden Walter Keilbart zur Infositzung des Medienrats am 15. November 2018 - Veranstaltung: „Entwicklung des lokalen Rundfunks in Bayern“

15.11.2018 | P&R / 2018

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident a.D. Dr. Stoiber,
sehr geehrte Podiumsteilnehmer und -teilnehmerinnen,
sehr geehrter Herr Schneider,
liebe aktuelle und ehemalige Mitglieder des Medien- und Verwaltungsrates,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie alle hier im großen Sitzungssaal der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien zu einer außergewöhnlichen Informationssitzung des Medienrates mit außergewöhnlichen Gastrednern und Rednerinnen begrüßen zu dürfen. Für eine solche Runde braucht es natürlich auch ein besonderes Projekt. In diesem Fall ein Forschungs­projekt zur Entwicklung des lokalen und regionalen Rundfunks in Bayern, dessen Vielfalt die bayerische Medienlandschaft prägt und auszeichnet.

Angesichts unserer hochkarätigen Gäste könnte man meinen, wir feiern heute ein Jubiläum und stellen eine Festschrift vor. Dem ist nicht so: Die runden Geburtstage zur Gründung der privaten Rundfunklandschaft in Bayern liegen schon hinter uns und natürlich auch noch vor uns. Heute geht es darum, auf der Basis eines Forschungs­projektes die Entwicklung der lokalen und regionalen Radio- und Fernsehlandschaft in Bayern nachzuzeichnen, die 1984 mit dem Start des Münchner Kabelpilotprojektes begann.

Es ist eine Erfolgsgeschichte. Von Berchtesgaden bis Zwiesel: Lokale und regionale Radio und Fernsehprogramme sind überall präsent und erreichen heute ein Millionen­publikum, also weit mehr als die 700 Teilnehmerhaushalte im Münchner Kabelpilotprojekt vor 34 Jahren. Bislang gibt es jedoch noch keine wissenschaftlich fundierte Gesamtdarstellung zur Geschichte des lokalen Rundfunks in Bayern, während die Historie und Programmgeschichte des Bayerischen Rundfunks immer wieder Gegenstand von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Ausstellungen war und ist.

Diese Lücke wollte der Medienrat schließen und hat deshalb den Kommunikationswissen­schaftler Prof. Dr. Markus Behmer und sein Team von der Universität Bamberg um eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme gebeten, die die Entwicklung der privaten lokalen Rundfunkangebote in Bayern dokumentiert und kritisch einordnet. Der entsprechende Medienratsbeschluss dazu ist im März 2017 gefallen -  nach einem Projektkonzept des langjährigen Vorsitzenden des Hörfunkausschusses, Prof. Dr. Manfred Treml. Danach geht es vor allem um drei Ziele: die Qualität der Archivierung zu verbessern, Zeitzeugen­aufnahmen zugänglich zu machen und einen Überblicksband mit Zeitzeugeninterviews und wissenschaftlichen Aufsätzen zu veröffentlichen, der 2020 erscheinen soll.

Mehr als 30 Jahre lokaler Rundfunk im Freistaat sind Anlass genug, die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der vielen Hörfunk- und Fernsehstationen in allen Regionen Bayerns auch wissenschaftlich zu würdigen. Denn die privaten Sender bereichern mit ihren Programmleistungen allein – quantitativ gesehen - die bayerische Medienland­schaft in höchstem Maße. Und qualitativ gesehen ergänzt sie die landesweiten Inhalte um wertvolle Beiträge aus der Region. Dieses „digitale Gedächtnis“ der unterschiedlichen Kulturlandschaften in Bayern brachliegen zu lassen, wäre ein großer Verlust.

Deshalb trägt das Forschungsprojekt, das Prof. Behmer anschließend noch näher beschreiben wird, dazu bei, dieses „digitale Gedächtnis“ zu erhalten und wissenschaftlich greifbar zu machen. Zu Wort kommen im 400 Seiten starken Überblicksband Programmmacher und Senderverantwortliche, Mitglieder der Aufsichtsgremien, politische Beobachter sowie eine Reihe von Wissenschaftlern, deren Beiträge von der Vorgeschichte des Privatfunks bis zur  Digitalisierung reichen. Untersucht werden Strukturen, Inhalte, die publizistische Bedeutung der Programme, die Entwicklung der Programmformate sowie die Historie der technischen Verbreitungswege.

Einige der befragten Zeitzeugen werden später auch an den zwei Diskussionsrunden teilnehmen, deren Besetzung genau das widerspiegelt, was die lokale Rundfunkland­schaft in Bayern ausmacht: Sie ist vielfältig, bunt und lebendig und sie wird von engagierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehr unterschiedlich ausgestaltet. Das erleben wir auch immer wieder im Medienrat, wenn neue Konzepte vorgelegt werden oder es um die Zukunft der Lokalprogramme geht.

Zum Start der privaten Stationen in Bayern gab es viele Idealisten in den Redaktionen, die einen Gegenentwurf zum damaligen öffentlich-rechtlichen Rundfunk schaffen wollten. Gestaltet und gefördert durch die BLM ist aus dem anfänglichen Kabelpilotprojekt etwas entstanden, das der Medienrat in seinen Entscheidungen immer berücksichtigt: lokale Vielfalt, die vorher gar nicht existierte und den Hörern und Zuschauern in Bayern seit mehr als 30 Jahren ein Stück Heimat gibt.

Als Medienratsvorsitzender bin ich sehr froh darüber, dass die Leistungen aller am Aufbau Beteiligten nun auch wissenschaftlich gewürdigt werden. Wir fördern ein Projekt, das von den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen über die Struktur und Inhalte des lokalen und regionalen Rundfunks bis zu Publikum und Standorten alle relevanten Fragen untersucht. Ich bin gespannt, welchen Input die heutige Veranstaltung dafür gibt und darf nun das Wort an den BLM-Präsidenten Siegfried Schneider übergeben.