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Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zur Veranstaltung „Die Entwicklung des lokalen Rundfunks in Bayern" am 15. November 2018

15.11.2018 | P&R / 2018

- ES GILT DAS GESPROCHENE WORT! –

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Stoiber,
hochverehrtes Podium,

sehr geehrte [aktuelle und ehemalige] Mitglieder des Medienrats und Verwaltungsrats,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch von meiner Seite ganz herzlich willkommen zu unserer Veranstaltung „Die Entwicklung des lokalen Rundfunks in Bayern“! Ich freue mich sehr, heute hier so hochkarätige Gäste begrüßen zu dürfen!

Doch zunächst – in Ergänzung zu Herrn Keilbart – nur ein paar Worte zum heutigen Thema: Warum haben wir unsere Infositzung des Medienrates auf Einladung erweitert, um Ihnen unser Forschungsprojekt zur Entwicklung des lokalen Rundfunks vorzustellen?

Meine Damen und Herren: Es ist uns im Freistaat gelungen, eine einzigartige lokale und regionale private Rundfunklandschaft zu schaffen, um die wir – im Bund und in Europa – von vielen beneidet werden:

Im Freistaat gibt es – die bundesweiten Angebote einmal außen vor gelassen – mit Antenne Bayern ein landesweites UKW-Hörfunkangebot, das auch bundesweit Spitzenreiter ist. Dazu kommen landesweit vier Digitalprogramme. Außerdem sind da 53 UKW-Lokalprogramme, die zu einem guten Teil auch schon simulcast in regionalen DAB+-Multiplexen laufen, sowie 17 lokale Digitalprogramme. Darüber hinaus gibt es ein Zulieferprogramm für Lokalradios und zwei Aus- und Fortbildungsprogramme.

Beim Fernsehen haben wir 16 Lokal-TV-Anbieter [plus RTL München live und münchen.2] sowie neun lokale Spartenanbieter. Zudem gibt es landesweit zwei Fernsehanbieter plus vier Spartenanbieter. Dazu kommen sieben lokal-regionale Zulieferer und sieben lokale Internet-TV-Anbieter.

Die Landeszentrale hat den Aufbau dieser Vielfalt maßgeblich organisiert und gesteuert.

Heute leisten wir unseren Beitrag dazu, diese Vielfalt zu erhalten. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik. Umso erfreulicher ist es, dass im neuen Koalitionsvertrag explizit festgehalten ist – ich zitiere: „Erhalt und Stärkung regionaler und lokaler Radio- und Fernsehsender“ sind ein „besonderes Anliegen“.

Der Landeszentrale sind neben Erhalt und Stärkung auch Archivierung und Dokumentation dieser Vielfalt besondere Anliegen.

Zunächst einmal ist es eine wichtige, auch im Bayerischen Mediengesetz explizit festgeschriebene Aufgabe der Landeszentrale, auf die „Archivierung von Programmen privater Anbieter“ hinzuwirken. Dabei geht es zum einen darum, lokale Medienarchive in ihrer Rolle als digitales Gedächtnis der Regionen zu unterstützen.

Doch das allein reicht uns nicht, um das überaus erfolgreiche Stück Zeitgeschichte des privaten Rundfunks in Bayern nachzuschreiben. Deshalb haben wir das Forschungsprojekt zur „Entwicklung des privaten Rundfunks in Bayern“ unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Markus Behmer – herzlich willkommen! – initiiert.

Methodisch werden nicht nur Dokumentenanalyse, Quellenstudium und Literaturschau angewandt. Es werden vor allem auch Zeitzeugeninterviews geführt. Wie wichtig es ist, diese Zeitzeugeninterviews JETZT zu führen, hat uns vor fast genau einem Jahr der plötzliche Tod unseres langjährigen und verdienten Medienratsvorsitzenden Dr. Erich Jooß sehr schmerzlich vor Auge geführt…

Ich bedanke mich ganz herzlich, dass Sie alle sich heute die Zeit nehmen, gemeinsam mit uns zurückzublicken.

Auch wenn wir hier heute ein außergewöhnliches Fachpublikum versammelt haben, kurz ein paar Worte zu unseren Gästen. In der ersten Runde unter dem Motto „politische und strukturelle Anfänge“ diskutiert…
 

  • der ehemalige Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber. Er zog – zunächst als Staatssekretär und Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, dann als Staatsminister und schließlich viele Jahre als Bayerischer Ministerpräsident – gekonnt die Strippen für den privaten Rundfunk. Wie, das wird er uns gleich persönlich erzählen.
  • Als seinen Beauftragten zum Aufbau der BLM ernannte Stoiber Prof. Wolf-Dieter Ring. Ihn muss ich hier nicht weiter vorstellen…
  • Auch Gunter Oschmann ist heute hier, den man sonst höchst selten auf Podien sieht. Gleich mit Start des Kabelpilotprojekts begann er 1984, sich im lokalen Hörfunk unternehmerisch zu engagieren. Er wurde schon als „Leo Kirch des Radios“ bezeichnet.
  • Mit dabei ist Klaus Warnecke, Ex-Landtagsabgeordneter der SPD und von 1985 bis 1994 Mitglied des Medienrats. Bei seinen Nachfragen wurde es oft unruhig, im Medienrat wie in der Verwaltung...
  • Ebenso ist Helmut Haunreiter da. Er wird uns als ehemaliger Bereichsleiter Frequenztechnik in der BLM von den nicht immer einfachen Anfängen berichten.

Ihnen allen mein großer Dank und ein herzliches Willkommen!

Zu unserem zweiten Podium mit Schwerpunkt auf den programmlichen Anfängen:
 

  • Helmuth Markwort hat schon als Mitgründer von Radio Gong und Antenne Bayern, an denen er heute noch Beteiligungen hält, Fakten für den Medienstandort Bayern geschaffen. Der Journalist und Medienunternehmer durfte erst vor kurzem als Alterspräsident seine Jungfernrede im Bayerischen Landtag halten. Dazu noch meinen herzlichen Glückwunsch!
  • Auf dem Podium außerdem FDP-Partei- und Radiokollegin Maria-Teresia von Seidlein. Sie gründete seinerzeit einen der ersten privaten Radiosender Bayerns und machte M1 zu einem der erfolgreichsten in München.
  • Elke Schneiderbanger begann ihre Karriere wie so viele beim privaten Rundfunk – anfangs bei Neue Welle Bamberg bis zur Chefredakteurin und stellvertretenden Programmdirektorin von Antenne Bayern.
  • Norbert Haimerl ist seit 1987 Geschäftsführer von rfo. Er wird sich aus der Perspektive des Lokalfernsehens zurückerinnern.
  • Fred Kogel verließ 1984 den BR, um beim privaten Rundfunk Geschichte zu schreiben. Er baute u.a. den Münchner Lokalsender Radio 44 auf [später umbenannt in Energy München].
  • Und last but not least Franz Georg Strauß. Er gründete in den 80ern tv weiß-blau, das heutige München TV.

Vielen Dank, dass Sie alle da sind und herzlich willkommen in der Landeszentrale!

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns – bevor wir zurückschauen – zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft werfen: Die Pionierjahre des privaten Rundfunks liegen hinter uns – große Herausforderungen jedoch vor uns: In Zeiten der Digitalisierung gilt es, unseren lokalen und regionalen Rundfunk neu aufzustellen. Sprachassistenten, Storytelling, Podcasts, neue Digitalstrategien und Erlösmodelle sind dabei nur einige Stichpunkte.

Wer sich weiterentwickelt, wird auch weiter Erfolg haben – das ist meine Überzeugung. Schließlich ist in unserer globalen Welt die lokale Berichterstattung als Alleinstellungsmerkmal des Lokalfunks ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Das zeigen nicht nur alle Zahlen, sondern übrigens auch die Expansionsbestrebungen des BR in dieser Richtung…

Heimat gewinnt! – das war, ist und bleibt der unverwechselbare USP des lokalen und regionalen Privatfunks in Bayern. Unser neues Forschungsprojekt macht das mehr als deutlich. Ihnen allen eine interessanten und auch amüsanten Nachmittag in den Räumen Landeszentrale, die wir übrigens fast auf den Tag genau vor 20 Jahren bezogen haben.