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Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zur Eröffnung der Lokalrundfunktage am 2. Juli 2019

02.07.2019 | P&R / 2019

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrte Damen und Herren,

willkommen bei den Lokalrundfunktagen in Nürnberg, dem deutschlandweit größten Branchentreff für den lokalen und regionalen Rundfunk! Wie immer freuen wir uns auch heuer sehr über internationale Podiumsgäste. Ihnen und allen anderen Referenten ein herzliches Grüß Gott! Zu Beginn gehört mein Gruß und Dank nicht zuletzt unseren zahlreichen Partnern und Sponsoren – insbesondere geht er auch an OB Dr. Ulrich Maly.

Auch im 27. Jahr der Lokalrundfunktage ist der Saal heute wieder gut gefüllt. Das wundert mich nicht. Denn:

Audio ist überall. Audio ist Alltag. Und: Audio ist digital.

Die neuen digitalen Kollegen – also neue Audio-Angebote wie Musikstreaming-Dienste, Podcasts und vor allem auch Smartspeaker – haben einen Audio-Boom ausgelöst. Davon können und müssen auch die lokalen Anbieter profitieren.

Aufgrund dieser gewaltigen digitalen Transformation, mit der wir es gerade zu tun haben, befindet sich der lokale Hörfunk- und TV-Markt im Moment in einer Übergangsphase.

Das zeigen auch die neuen Zahlen der Funkanalyse Bayern: Der private Hörfunk in Bayern ist im wachsenden Wettbewerbsumfeld medialer Angebote zwar nach wie vor Garant für stabile, hohe Tagesreichweiten und damit auch in Zukunft unverzichtbarer Bestandteil im modernen Media-Mix. Gleichzeitig machen die Ergebnisse, die wir gleich präsentiert bekommen, aber deutlich: Das lineare Radioprogramm darf nicht mehr allein im Zentrum der Bemühungen stehen. Es hat viele seiner Alleinstellungsmerkmale längst verloren.

Die Digitalisierung fordert neue Inhalte und neue Geschäftsmodelle.

Eine Herausforderung, die aber auch viele Chancen bietet: Schließlich hat Radio – das belegt die Funkanalyse eindrücklich – im Alltag der Menschen seinen festen Platz.

Jetzt kommt es darauf an, die neuen technologischen Potenziale kreativ zu nutzen! Wie bei jedem Evolutionsprozess gilt es, sich den veränderten Rahmenbedingungen einer digitalen Medienlandschaft aktiv zu stellen. Lokalradio und Lokal-TV müssen sich dafür gut aufstellen.

Damit die bayerische private Radio- und Fernsehlandschaft die bundesweit vielfältigste und erfolgreichste bleibt, muss sie auch die innovativste sein. Initiative ist gefragt. Lassen Sie mich zunächst kurz skizzieren, was dabei für den Hörfunk besonders wichtig ist:

Mut zur lokalen Marke

Radio ist spontan. Radio ist emotional. Radio ist lokal. Radio hat Information und Musik. Diese vielen Vorzüge des Radios, für die es die Menschen lieben, muss es in der digitalen Welt mehr denn je ausspielen. Der Mut zur lokalen Marke, der direkte Draht zu den Menschen vor Ort ist in der globalen digitalen Welt das Pfund, mit dem es zu wuchern gilt: Nachrichten aus dem eigenen Umfeld gibt es nur vor Ort. Ein Morningshow-Team mit unverwechselbaren, lokal verankerten Personalities ist der USP lokaler Anbieter – mit dem Potenzial, eine funktionierende lokale Community aufzubauen. Unsere Preisträger 2019 und unsere Best Cases, die wir auch heuer wieder präsentieren, sind das beste Beispiel dafür.

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) tut sehr viel dafür, Talente zu fördern: So bieten wir mehr als 100 Workshop-Tage pro Jahr für Volontäre und Redakteure in den lokalen Stationen an. Gute und fundierte Ausbildung ist die Voraussetzung für den Erfolg. Abseits der Workshops haben wir mit der Umstrukturierung der bayerischen Aus- und Fortbildungskanäle [AFK] zur MEDIASCHOOL BAYERN den veränderten Anforderungen journalistischen Arbeitens in der digitalen Welt Rechnung getragen: Das neue Ausbildungskonzept ist multimedial, vernetzt und modular und macht fit für die Medienwelt von morgen.

Alle digitalen Kanäle bedienen

Lokales Radio muss auf allen verfügbaren digitalen Kanälen und Plattformen vertreten sein. Nur wenn die Anbieter konsequent eine Mehrwege-Ausstrahlung nutzen, werden sie weiter alle potenziellen Hörer erreichen.

Schließlich muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen: Die in allen aktuellen Studien beschriebene Nutzungsverschiebung in Richtung digitaler Angebote wird sich nicht nur fortsetzen, sie wird sich potenzieren: Gerade die jüngeren Zielgruppen sind always on. Aktuell erreichen die Radioprogramme in Bayern zwar auch die Generationen Y und Z gut. Aber: Die Sender müssen noch mehr tun, um die Jüngeren zu binden. Das Alte funktioniert – noch. Neues muss dazu kommen.

Das heißt: Gefragt ist die Verbreitung von Rundfunkprogrammen über alle Kanäle – also über UKW, DAB+ und IP. Darüber hinaus müssen die Sender Special Interests der Nutzer über Webchannels ansprechen, Smartspeaker für Reichweite nutzen und Podcasts anbieten.

Fest steht auf jeden Fall: Mit UKW alleine lässt sich künftig nicht mehr überleben. Zwar ist DAB+ kein Allheilmittel. Aber UKW lässt sich auch nicht retten, indem man auf DAB+ verzichtet. Die Medienpolitik sollte daher die Digitalisierung des Hörfunks insgesamt fördern, nicht verhindern oder in die Vielfalt der Verbreitungswege eingreifen.

Eine 2018 von der Medienanstalt in Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegebene Goldmedia-Studie zur Zukunft des Audiomarktes prognostiziert: „In den nächsten Jahren wird der Konkurrenzdruck auf den klassischen UKW-Hörfunk erheblich steigen. Die Bedeutung von UKW wird durch digitale Verbreitungswege und neue Wettbewerber zwangsläufig abnehmen.“ Goldmedia erwartet, dass der Anteil von UKW an der Hörfunknutzung in den kommenden fünf Jahren um bis zu 30 Prozent sinken könnte…

Meine Überzeugung ist: Wer nicht beide digitalen Ausspielwege nutzt, wird Hörer, Marktanteile und damit Erlöse verlieren. Schließlich ergänzen sich die Vorteile von terrestrischem Digitalradio und Online-Audio auch optimal: IP ermöglicht die Entwicklung differenzierter Vermarktungs-Strategien. Das Digitalradio DAB+ aber gestattet die Fortsetzung des klassischen Geschäftsmodells einer linearen Programmverbreitung und Werbevermarktung von privatem Radio in Deutschland. Damit hat sich bereits ein digitaler Hörfunkübertragungsweg etabliert, der – auch laut Funkanalyse – stetig wächst und den Point of no Return erreicht hat.

Die Landeszentrale tut alles dafür, in Bayern beste Voraussetzungen für terrestrisches Digitalradio zu schaffen: Bereits seit Mitte 2017 gestalten wir Betrieb und Nutzung der DAB-Netze in Bayern neu. Pünktlich zu den Lokalrundfunktagen wird der Regionale Multiplex Voralpen 07A in der Luft sein, der Regelbetrieb startet am 6. Juli. Damit läuft der Endspurt für die letzte Etappe der Simulcast-Verbreitung im Freistaat. Nach der Umsetzung des DAB+-Regelbetriebs für den westlichen Teil des Voralpenlands diesen Sommer folgt im Jahr 2020 der östliche Teil. Dann wird Bayern als erstes Bundesland das gesamte UKW-Radioangebot auch über das Digitalradio DAB+ anbieten. Damit ist Bayern – nicht zuletzt auch durch die tatkräftige Unterstützung/Förderung durch die bayerische Staatsregierung – bundesweit Vorreiter.

Auf Kooperationen setzen

Ein weiterer, ganz wesentlicher Punkt ist: Wir müssen in unserem ausdifferenzierten und heterogenen bayerischen Rundfunk-Markt mehr kooperieren und mehr Synergien nutzen. Die zentrale Frage ist dabei: Wie kann man Kooperationen intelligent gestalten, um möglichst vielen lokalen Anbietern das Überleben in der digitalen Welt zu sichern?

Auf eine erfolgreiche Strategie setzt das Jugendprogramm Galaxy: Es gibt ein gemeinsames Programm mit unterschiedlichen regionalen Ausprägungen. So konnte es eine neue Marke in einem schwierigen Umfeld etablieren. Ein Beispiel, das Schule machen könnte…

Auch was die Entwicklung von Apps, Streaming- und Podcast-Technologie, Website-Lösungen, Social-Media-Strategien und Data-Management betrifft, ist Kooperation gefragt. So fordert Radio-Gong-Manager Johannes Ott in der neuen Ausgabe der BLM-Fachzeitschrift „Tendenz“ zum Thema Audio, die unten an unserem BLM-Stand ausliegt und die ich Ihnen sehr ans Herz lege, ein [Zitat] „digitales Kompetenz-Zentrum“ für alle Lokalfunkprogramme. Hier sollen digitale Innovationen gemeinsam entwickelt werden, um sich gegen die starke landesweite Konkurrenz von Antenne Bayern und Bayerischem Rundfunk behaupten zu können.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Müssen nicht die Lokalradios und Antenne Bayern kooperieren, um sich als Privatradios im Markt behaupten zu können?

Damit komme ich zum lokalen Fernsehen:

2018 war das Jahr des Digitalumstiegs in allen bayerischen Kabelnetzen. Ab April letzten Jahres wurden außerdem die SD-Satelliten-Signale der bayerischen Regionalsender abgeschaltet. Mit der Umstellung auf HD haben die Sender nicht nur nachvollzogen, was im TV-Bereich mittlerweile technischer Standard ist. Sie nehmen sogar eine Vorreiterrolle bei der Satellitenverbreitung in HD ein. Für die Zuschauer bedeutet das verbesserte Bildqualität und mehr Programmvielfalt. Dennoch wissen wir alle: Die Umstellung von SD auf HD war nicht nur Segen. Sie war mit dem Transponderwechsel und dem notwendigen Suchlauf ein Stück weit auch Fluch. Die Übergangsphase gestaltete sich nicht ganz einfach…

Mit Unterstützung der Landeszentrale starten die bayerischen Lokal-TV-Stationen nun deshalb eine Marketing-Offensive. Sie war übrigens ein Grund dafür, dass wir die FAB-Zahlen für das lokale Fernsehen erst ab Oktober abfragen.

Aus meiner Sicht darf sich die Marketing-Offensive aber nicht allein in Marketing erschöpfen. Es sind weitere Anstrengungen nötig. Wie das Lokalradio muss auch das Lokalfernsehen auf Lokalität, Qualität und Kooperation setzen. Denn am Ende entscheiden sich die Zuschauer immer für Inhalte.

Vor allem aber muss auch das Lokal-TV den Anschluss an die digitale Welt behalten. So ist es beispielsweise unerlässlich, Daten für Programmoptimierung, Werbung und Buchung zu sammeln und intelligent zu managen.

Auch muss das Lokalfernsehen in Zukunft auf neuen Online-Plattformen à la Joyn, RTL Now, Zattoo oder Waipu zu finden sein. Schließlich verändern eine Vielzahl neuer Kanäle, Streaming-Plattformen, VOD- und Smart-TV-Angebote oder einfach zu nutzende Mediatheken das Nutzungsverhalten vor allem auch der jüngeren Zuschauer massiv.

In diesem Zusammenhang hat Ministerpräsident Dr. Markus Söder im März angekündigt, gemeinsam mit der BLM eine Plattform zu initiieren, um regionale Bewegtbild-Inhalte besser zugänglich zu machen. Die notwendigen Gespräche und Planungen dazu sind angelaufen.

Ideen, um auch kleineren Anbietern digitale Souveränität zu ermöglichen, gibt es also. Es braucht aber auch den politischen Willen, sie zusammenzubringen. Und Pilotprojekte, die es einfach wagen.

Meine Damen und Herren: Bayern ist bereit für die digitale Vielfalt. Die neue Medien-Welt bietet viele Chancen. Wir müssen sie aber auch ergreifen. Oder auf gut bayerisch: Auf geht’s, pack ma’s!

Freuen Sie sich jetzt auf spannende und innovative Lokalrundfunktage! Vielen Dank.