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Bericht des Präsidenten zur 17. Sitzung des Medienrats am 25.07.2019

25.07.2019 | 17 / 2019

Rückblick Lokalrundfunktage

Beginnen möchte ich mit einem kurzen Rückblick auf die Lokalrundfunktage vor drei Wochen, zu denen wir wieder rund 1100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Branche begrüßen durften.

Auch wenn die Ergebnisse der Funkanalyse für manchen Sender heuer nicht so gut ausgefallen sind wie im Vorjahr – der Stimmung auf dem Kongress und auf dem Medienfest im Alten Rathaus hat das keinen Abbruch getan, ganz im Gegenteil: Aufbruchstimmung, die Bereitschaft, neu und innovativ zu denken, war zu spüren.

Mit Mut in die digitale Zukunft zu gehen – diesen Appell hatte ich in meinem Grußwort vor Ort formuliert. Die lokalen Sender müssen den Audio-Boom, den neue digitale Angebote wie Musikstreaming-Dienste, Podcasts und vor allem Smartspeaker ausgelöst haben, für sich nutzen.

Um den lokalen Hörfunk in eine gute Zukunft zu führen, sind aus meiner Sicht vor allem drei Punkte essentiell: Gute lokale Inhalte, die Präsenz auf allen digitalen Kanälen und mehr Kooperation untereinander.

  1. Der Mut zur lokalen Marke, der direkte Draht zu den Menschen vor Ort ist in der globalen digitalen Welt das Pfund, mit dem es zu wuchern gilt: Nachrichten aus dem eigenen Umfeld gibt es nur vor Ort. Ein Morningshow-Team mit unverwechselbaren, lokal verankerten Personalities ist der USP lokaler Anbieter. Die Preisträger der BLM-Hörfunk- und Lokalfernsehpreise 2019 und die auf den Lokalrundfunktagen präsentierten Best Cases waren und sind das beste Beispiel dafür.
     
  2. Lokales Radio muss auf allen verfügbaren digitalen Kanälen und Plattformen vertreten sein. Gerade die jüngeren Zielgruppen sind always on. Aktuell erreichen die Radio­programme in Bayern zwar nach den Ergebnissen der neuen Funkanalyse auch die Generationen Y und Z noch gut. Dennoch müssen die Sender mehr tun, um die Jüngeren zu binden. Das Alte funktioniert – noch. Aber Neues muss dazu kommen. Gefragt ist die Verbreitung von Rundfunkprogrammen über UKW, DAB+ und IP. Darüber hinaus müssen die Sender Special Interests der Nutzer über Webchannels ansprechen, Smartspeaker für Reichweite nutzen und Podcasts anbieten.
     
  3. Ebenso ist mehr Kooperation der privaten Sender untereinander in Zukunft nötig – einer allein kommt gegen die globale Konkurrenz von Spotify & Co. nicht an.

Zahlen zum lokalen Fernsehen wurden dieses Jahr nicht präsentiert. Der Hintergrund: Mit dem Digitalumstieg in allen bayerischen Kabelnetzen und der Abschaltung der SD-Satelliten-Signale der bayerischen Regionalsender war 2018 fürs Lokal-TV ein Jahr des Umbruchs, das sich nicht ganz einfach gestaltete…

Mit Unterstützung der Landeszentrale starten die bayerischen Lokal-TV-Stationen nun deshalb eine technische Reichweitenmaßnahme. Im Anschluss daran fragen wir die FAB-Zahlen für das lokale Fernsehen ab Oktober ab.

Aus meiner Sicht darf sich die technische Reichweitenmaßnahme nicht allein in Marketing der Anbieter erschöpfen. Es sind weitere Anstrengungen nötig. Wie das Lokalradio muss auch das Lokalfernsehen auf Lokalität, Qualität und Kooperation setzen. Denn am Ende entscheiden sich die Zuschauer immer für Inhalte.

Und die müssen da sein, wo die Zuschauer sind: Deshalb muss das Lokalfernsehen in Zukunft auf neuen Online-Plattformen à la Joyn, RTL Now, Zattoo oder Waipu zu finden sein. Schließlich verändern eine Vielzahl neuer Kanäle, Streaming-Plattformen, VOD- und Smart-TV-Angebote oder einfach zu nutzende Mediatheken das Nutzungsverhalten vor allem auch der jüngeren Zuschauer massiv.

In dem Zusammenhang hatte Ministerpräsident Dr. Markus Söder im März angekündigt, gemeinsam mit der BLM eine Plattform zu initiieren, um regionale Bewegtbild-Inhalte besser zugänglich zu machen. Die notwendigen Gespräche und Planungen dazu sind angelaufen – wir hoffen, bereits auf den Medientagen einen ersten Aufschlag präsentieren zu können.

Mein Dank gilt der Jury, an dieser Stelle vor allem auch Dr. Florian Schuller und Prof. Dr. Manfred Treml aus dem BLM-Medienrat. Außerdem möchte ich herzlich Herrn Sutor, Herrn Lörz, Herrn Heim und dem ganzen Team für die hervorragende Organisation danken!

DAB+-Zahlen / DAB-Entscheidung Niedersachsen

Kurz eingehen möchte ich auf die neuen Zahlen der Funkanalyse zu DAB+. Die Ergebnisse der FAB, mit fast 25.000 Interviews die größte ihrer Art in Deutschland, haben Anfang des Monats unseren Weg bestätigt und für DAB+ sehr gute Daten ausgewiesen. So hat die Zugangsquote zu DAB+ Empfangsgeräten in Bayern die 30-Prozent-Marke geknackt: mehr als 31 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren geben an, mindestens ein DAB+-Radio zu Hause und / oder im Auto nutzen zu können. Das sind rund 3,5 Millionen Personen und damit etwa 600.000 mehr als noch vor einem Jahr.

Fast jeder Fünfte ab 14-Jährige schaltet sein DAB+-Gerät an einem durchschnittlichen Wochentag von Montag bis Freitag auch ein. Das entspricht einer Tagesreichweite von zwei Millionen und bedeutet eine Steigerung um fast ein Viertel seit der letzten Untersuchung. Der Zuwachs von DAB+ geht dabei auch zu Lasten von UKW (Tagesreichweite von Montag bis Freitag gut 71 Prozent, minus vier Prozentpunkte im Vorjahresvergleich).

Umso überraschender der Beschluss des niedersächsischen Landtags zu DAB+, der Ende Juni auf Antrag der FDP den Ausstieg aus DAB+ beschlossen hat. Doch der Verkauf von DAB+-fähigen Radios wird nicht an den Grenzen von Niedersachsen Halt machen. Und auch in Niedersachsen wird DAB+ weiter über das bundesweite Netz und das Netz des NDR laufen. Im Übrigen hat sich Niedersachsen ja noch nie für DAB+ engagiert.

Die privaten Hörfunkveranstalter in Niedersachsen werden sich – wenn nicht heute, dann aber spätestens morgen – die Frage stellen müssen, ob sie wirklich auf die DAB+-Reichweite in Niedersachsen verzichten wollen und können.

Zwar ist DAB+ kein Allheilmittel. Aber: UKW lässt sich auch nicht retten, indem man auf DAB+ verzichtet. Die Medienpolitik sollte daher die Digitalisierung des Hörfunks insgesamt fördern, nicht verhindern oder gar in die Vielfalt der Verbreitungswege eingreifen.

Die digitale Audiolandschaft der Zukunft sollte auf eine hybride Strategie von terres­trischem Digitalradio und Online-Audio setzen. Wer nicht beide digitalen Ausspielwege nutzt, wird Hörer, Marktanteile und damit Erlöse verlieren. Das kann sich eigentlich kein privatwirtschaftlich finanzierter Sender erlauben.

Meine Überzeugung ist: Mit der Entscheidung Europas, dass ab 2020 in jedem Neuwagen terrestrisches Digitalradio vorgeschrieben ist, und der Novellierung des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) wird DAB+ weiter Fahrt aufnehmen.

Justiz und Medien / Antisemitismus-Definition

Kurz möchte ich über die Vorbereitungsveranstaltung der Initiative „Justiz und Medien – konsequent gegen Hass“ berichten, die am 10. Juli – in Anwesenheit des Justizministers Georg Eisenreich – hier im Haus stattgefunden hat. Die BLM und das Bayerische Staats­ministerium der Justiz haben das Projekt ins Leben gerufen, um noch besser gegen strafrechtlich relevante Hasspostings vorgehen zu können.

Dass der Bedarf da ist, zeigte die Resonanz auf den Termin: Mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter aus bayerischen Medienhäusern kamen, um sich in der Landeszentrale mit Vertretern der Staatsanwaltschaft München I auszutauschen, die als zentraler Ansprech­partner für die Redaktionen in Bayern fungiert.

Im nächsten Schritt wird nach diesem Input nun ein einfaches und effizientes Verfahren der Strafanzeige zur raschen Verfolgung möglicher Täterinnen und Täter etabliert. Bereits ab Herbst sollen Medienunternehmen Anzeige – zum Beispiel wegen volksverhetzender Kommentare auf den von ihnen betriebenen Plattformen – erstatten können.

Es ist kein Geheimnis: Hass und Hetze gedeiht im digitalen Raum leider besonders gut. Auch bei der BLM ist die Zahl der Prüf- und Aufsichtsverfahren im Bereich des Extremismus in den letzten Jahren gestiegen. Nicht zuletzt deshalb steht es der Landeszentrale gut an, sich der Antisemitismus-Definition anzuschließen (TOP 8) und damit klar Haltung zu zeigen.

Sendestart tv.ingolstadt

In der April-Sitzung hatte der Medienrat für die München Live TV als Anbieter für das lokale/regionale Fernsehen Ingolstadt votiert – einen Tag vor den Lokalrundfunktagen, am 1. Juli, konnten wir nun den roten Knopf drücken. Unser bei der Neuausschreibung Ende Januar erklärtes Ziel, einen nahtlosen Übergang des Sendebetriebs von intv zu dem neuen Anbieter tv.ingolstadt zu gewährleisten, haben wir damit erreicht.

Bei tv.ingolstadt arbeitet ein junges, gut ausgebildetes und hoch motiviertes Team. Es hat innerhalb weniger Wochen ganz neue Büroräume und ein Studio im Existenzgründer­zentrum Ingolstadt eingerichtet und für den Sendestart fertig gemacht. Die erste Sendung, in der der neue Lokal-TV-Sender vorgestellt wurde, machte deutlich: der Sender will ganz nah dran sein an den Menschen und an der Region. Erste Rückmeldungen konstatieren ein positives Feedback sowohl von Seiten der Zuschauerinnen und Zuschauer als auch aus der werbetreibenden Wirtschaft.