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Bericht des Präsidenten zur 22. Sitzung des Medienrats am 14.05.2020 (Videokonferenz)

14.05.2020 | 22 / 2020

Corona-Krise / Hilfspaket i. H. v. 1,25 Millionen Euro / Kostenlose Webinare

Hauptthema meines Berichts ist wie vom Vorsitzenden angesprochen, die Situation unseres lokalen Rundfunks während der Corona-Krise. Über die Aktivitäten der Landeszentrale hatte ich Sie ja auch vor und nach Ostern in Form von zwei Schreiben auf dem Laufenden gehalten.

Antworten auf die teils existenzbedrohenden Probleme der Branche im Freistaat zu finden, war in den letzten Wochen das beherrschende Thema in der Landeszentrale und für mich persönlich. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Unterstützung zu leisten. Umso mehr freue ich mich, dass wir nun – fast – Vollzug melden können:

Wir wollen gemeinsam mit dem Freistaat Bayern ein Corona-Hilfspaket in Höhe von zunächst 1,25 Millionen Euro für die lokalen Hörfunk-und Fernsehsender zu schnüren. Damit beliefe sich die Förderung der Branche durch die Landeszentrale und den Freistaat Bayern im Jahr 2020 auf insgesamt fast 15 Millionen Euro!

Voraussetzung für die Teilhabe an diesem Hilfs-Paket ist die corona-bedingte Einnahmelücke, die wir im Vorfeld bei den Anbietern durch Abfragen evaluiert haben.

Grob gesagt besteht das Hilfspaket aus vier Bausteinen:

Für lokale Hörfunkanbieter sind 500.000 Euro mehr Förderung für die terrestrische Verbreitung in Aussicht gestellt. Das mildert die Belastung des Simulcastbetriebs deutlich ab.

Zudem hat die Landeszentrale im eigenen Haushalt alle Anstrengungen unternommen, ein Extra-Budget für die Anbieter freizuschaufeln. Mit Erfolg! Wir verdoppeln – vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsrats und grünem Licht durch den Medienrat – unseren Anteil an der Förderung der Funkanalyse Hörfunk. Die BLM investiert damit 2020 insgesamt 450.000 Euro in dieses wichtige Forschungsprojekt – das sind 225.000 Euro mehr, die die Anbieter direkt entlasten.

Auch für bayerische Lokal-TV-Anbieter, die eine corona-bedingte Einnahmelücke nachweisen, sind im Rahmen von Artikel 23 BayMG insgesamt weitere 500.000 Euro für Herstellungsförderung in Aussicht gestellt.

Um Engpässe im lokalen Fernsehen umgehend abzubauen, hat die Landeszentrale zudem ihre gesamte Herstellungsförderung bereits komplett an alle Anbieter ausgezahlt.

Mehr Geld vom Freistaat für Verbreitung und Herstellung, mehr Geld von der Landeszentrale für die Funkanalyse – das sind also die beiden wesentlichen Elemente des Corona-Hilfspakets von Freistaat und Landeszentrale für unseren lokalen Rundfunk. Über die bestehenden Fördermaßnahmen des Bundes und des Freistaates hinaus machen wir zum jetzigen Zeitpunkt damit zusätzliche 1,25 Millionen Euro frei.

Das ist mehr als ein Signal. Es bedeutet echte Hilfe für unsere bayerische Lokalfunk-Branche, die durch den Stillstand des öffentlichen Lebens und den damit verbundenen Einbruch der Werbeeinnahmen unverschuldet in zum Teil erhebliche Schwierigkeiten geraten ist. Und das, obwohl die privaten Sender gerade in dieser Zeit mit ihren wichtigen Informationen vor Ort ein Stück lokale Grundversorgung leisten.

Das haben die lokalen Sender im Freistaat seit März eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie jeder von uns hören und sehen konnte.

Ganz klar: Nicht nur die öffentlich-rechtlichen Medien und die Presse haben Systemrelevanz. Gerade auch die privaten Lokal-Sender sind in dieser schweren Zeit wichtig: Weil sie Nähe erzeugen, Heimat geben, Anker sind.

Und das nicht nur, weil sie informieren, sondern auch, weil sie unterhalten, für Ablenkung und Entspannung sorgen.

In dem Zusammenhang hat sich die Landeszentrale aktuell einmal angeschaut: Welche Rolle spielen eigentlich lokale Künstler und Musiker, die gerade nicht auftreten können und dadurch starke finanzielle Einbußen haben, im Lokalradio? Das Ergebnis kann uns ein bisschen stolz machen: Lokale und regionale Musik wird von unseren bayerischen Sendern toll unterstützt – sowohl durch Aktionen, als auch im aktuellen Musikangebot.

Um diese lokale Vielfalt im Freistaat zu erhalten und für die Zukunft gut aufzustellen, bieten wir, neben der finanziellen Soforthilfe, auch weiterhin Workshops an:

Zwar mussten wir aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen alle bereits geplanten Fortbildungsangebote (= hauptsächlich die Blockkurse für Hörfunk- und TV-Volontäre) auf die zweite Jahreshälfte verschieben.

Dafür jedoch haben wir kostenlose Webinare entwickelt. Wir wollen – gerade in der jetzigen Situation – Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und lokalen Hörfunk- und Fernsehstationen ein Fortbildungsangebot anbieten. Sehr erfolgreich war etwa ein Online-Seminar zum „Lokalen Marketing in Zeiten von Corona“ – hier wird bereits die Fortsetzung geplant. Auch wurden digitale Workshop-Angebote zu Themen wie „Social Media Storytelling – Tools & Tipps fürs Homeoffice”, Sprechtraining oder Moderation entwickelt.

Veranstaltungen

Lokalrundfunktage/FAB-Präsentation(en)

Sie haben es vielleicht schon durch unsere Pressemitteilung mitbekommen: die Lokalrundfunktage können diesmal leider nicht in Nürnberg stattfinden. Dafür ist ihre digitale Version am 7. Juli theoretisch auf der ganzen Welt zu sehen.

Präsentiert werden dabei wie gewohnt die Zahlen der Funkanalyse Hörfunk 2020. Hier endete der Erhebungszeitraum Ende März – die letzten Wochen, die schon in die Zeit der Ausgangsbeschränkungen fielen, wollen wir dabei noch einmal getrennt auswerten. Vielleicht lassen sich ja hieraus schon Rückschlüsse auf die möglicherweise geänderte Nutzung von Lokalradio in der Corona-Krise ziehen.

Die erfreulichen Ergebnisse der Funkanalyse Bayern 2019 Fernsehen hatten wir ja schon – natürlich auch digital – Anfang April veröffentlicht. Demnach konnte jeder zweite Sender zulegen und Lokalfernsehen insgesamt an Reichweite gewinnen – das sind doch einmal gute Nachrichten!

Medientage

Präsenz-Veranstaltungen lassen sich gerade einfach nicht planen. Das gilt auch für die Medientage. Statt den drei Tagen im ICM gibt es heuer eine einwöchige digitale Konferenz von 24. bis 30. Oktober, die unter dem Motto „This is Media NOW“ steht. Ich freue mich, dass die Medientage ein neues innovatives Konzept entwickeln: Es ermöglicht der Branche, sich auch in Corona-Zeiten über die Zukunft der Medien auszutauschen. Soweit im Herbst möglich, werden kleinere Präsenz-Veranstaltungen die Medientage ergänzen.

Mein herzlicher Dank geht an die Staatskanzlei und Medienminister, Dr. Forian Herrmann, die diese Form der Medientage uneingeschränkt unterstützen.

Deutscher Social TV Summit

Noch vor Pfingsten, am 27. Mai, findet der Deutsche Social TV Summit auch als zweistündiger Online-Event statt. Es wird im Schwerpunkt um Social TV-Projekte vor, nach und während der Corona-Krise gehen, um neue Geschäftsmodelle und das veränderte Fernsehnutzungs­verhalten. Social TV ist in diesen Zeiten Alltag geworden – auch deshalb lohnt sich diese Veranstaltung bestimmt.

DOK.digital-Preis

Und noch ein ganz aktueller Veranstaltungshinweis: Heute Abend findet die virtuelle Verleihung des neuen DOK.digital-Preises statt. Die BLM hat den mit 2.500 Euro dotierten Preis gestiftet, um junge Talente für digitales Storytelling am Medienstandort Bayern zu fördern. Aus meiner Sicht ein voller Erfolg: Die Ergebnisse und das Können der jungen Leute, die neuen Technologien sinnvoll und nicht um ihrer selbst willen einzusetzen, können sich mehr als sehen lassen.

MStV – grünes Licht der MPs und aus Brüssel

Zuletzt noch kurz der neueste Stand in Sachen Medienstaatsvertrag: Nachdem ihn alle Ministerpräsidenten Anfang Mai unterschrieben und auch Brüssel keine Einwände hatte, geht er nun zur Beratung in die Landtage. Die Chancen stehen gut, dass das neue Regelwerk, das die konvergente Medienwelt in seinen Blick nimmt, auch wirklich im Herbst in Kraft tritt - einige haben ja bereits zugestimmt.

Was die Erhöhung des Rundfunkbeitrags betrifft, ist ja eine neue Diskussion aufgeflammt. Hier können wir nur die Entscheidungen abwarten.