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Tendenz

Das Magazin der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

Innovation, Investment, Ideenschmiede
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Innovation, Investment, Ideenschmiede

Media Labs, Inkubatoren und Akzeleratoren fördern auch in Deutschland innovative Medienunternehmen. Einigen geht es dabei ums Geld –  anderen um das Vorankommen der gesamten Branche. TEXT Sara Weber

Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen. Hostwriter: eine Plattform, die Journalisten auf der ganzen Welt vernetzt. Der Kontext: ein interaktives Hintergrundmagazin. Mealy: eine App für Rezepte von Food-Bloggern. World of VR: ein Anbieter für Virtual-Reality-Brillen aus Pappe. Spectrm: ein Dienst, mit dem Leser Verlagsinhalte per Messenger abonnieren können. Lobbyradar: ein Online-Projekt zu Strukturen und Auswirkungen von Lobbyismus in Deutschland. Diese journalistischen Projekte wurden von deutschen Media Labs, Akzeleratoren oder Inkubatoren gefördert. Vorbilder stammen aus den USA: Im MIT Media Lab wurden Touchscreens, GPS und das Videospiel »Guitar Hero« entwickelt, das Venture-Capital-Unternehmen Matter hat in Start-up-Projekte wie This., Made und Contextly investiert.

Ganz gleich ob Media Lab, Akzelerator oder Inkubator: Stets geht es darum, Start-up-Projekte – davon viele aus der Medienbranche – zu unterstützen, und zwar in der Regel mit Geld und Mentoring. Auch in Deutschland erhalten inzwischen Gründer aus der Medienbranche finanzielle Unterstützung von Inkubator-Einrichtungen und arbeiten dort für eine Weile an ihrem Projekt. Dabei profitieren sie von der Nähe zu anderen Gründern, von Workshops und Mentoring.

PRIVATE INVESTOREN

Das Konzept des Next Media Accelerators (NMA) in Hamburg entspricht am ehesten den klassischen Akzelerator-Programmen des Silicon Valley: Pro Runde wird eine bestimmte Anzahl von Start-up-Unternehmen für sechs Monate gefördert, mit bis zu 50.000 Euro. Die Gründer arbeiten im Hamburger Betahaus mit Mentoren an ihren Ideen, müssen allerdings einen Unternehmensanteil von bis zu zehn Prozent an den NMA abtreten. Gegründet wurde der NMA von der Nachrichtenagentur dpa, mit Investoren und Partnern wie Gruner + Jahr, Der Spiegel und Die Zeit Verlagsgruppe, Facebook, Google News Lab und Amazon.

Auch in Berlin werden Start-up-Anteile gegen Förderung getauscht: Das Project Flying Elephant ist das Medienförderungsprogramm der Investmentfirma West Tech Ventures. Unterstützt werden Start-up-Medientechnologien (u. a. die App Mealy) und Projekte, die journalistische Inhalte produzieren (z. B. Deine Korrespondentin). Der Förderzeitraum liegt zwischen drei und sechs Monaten. Wer gefördert werden will, muss einen Firmenanteil von bis zu zehn Prozent gegen bis zu 50.000 Euro Investment tauschen. Diese Struktur rückt den wirtschaftlichen Start-up-Erfolg stärker in den Mittelpunkt.

Beim rheinischen Inkubator Startplatz (Köln/Düsseldorf) hingegen erhalten Start-up-Firmen kein Geld, stattdessen übernehmen große Unternehmen wie der Versicherer AXA oder die Stadtwerke Düsseldorf Patenschaften für einige Stipendien und arbeiten eng mit den Gründern zusammen. Der Fokus liegt jedoch nicht explizit auf Medienprojekten, gefördert werden Teams mit einem digital skalierbaren Geschäftsmodell.

Es geht nicht allen Förderern darum, das nächste profitable Start-up-Unternehmen zu finden – und sich daran eventuell erfolgreich finanziell zu beteiligen. »Bei uns werden in der Regel keine Start-ups gefördert, sondern kleinere Projekte, die sich auf eine Darstellungsform konzentrieren«, sagt Redaktionsleiter Mark Heywinkel vom Online-Magazin Vocer. Das Vocer Innovation Medialab vergibt Stipendien – einmalig 3.000 Euro für sechs Monate Laufzeit – über Stiftungsgelder. Aktuell fördert Vocer in Kooperation mit der Otto-Brenner-Stiftung und der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius innovative journalistische Projekte zum Thema Osteuropa. Journalisten werden dabei von einem Netzwerk aus Mentoren und Alumni unterstützt. Dabei geht es nicht darum, Start-up-Anschubfinanzierung zu leisten, sondern es geht um Kreativität und neue Ideen. Vocer will Projekte fördern, die im Alltag keinen Platz finden und mit denen Geschichten auf andere Art erzählt werden können. »Je abgedrehter, desto besser«, erklärt Heywinkel.

NON-PROFIT-MODELLE

Einen Non-Profit-Ansatz verfolgen auch das Media Lab Bayern und das Berliner Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) – beides Initiativen von öffentlich-rechtlichen Trägern: Das Media Lab Bayern ist ein Projekt der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), hinter dem MIZ steht die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Die Landesmedienanstalten unterstützen Start-up-Ideen an der Schnittstelle von Hörfunk, TV und Online-Medien. Und es geht nicht um ökonomische Investments, sondern einzig um eine Förderung junger Gründer, von der am Ende traditionelle Medienunternehmen profitieren sollen. Wenn du die Teams an einem Ort zusammenbringst und ihnen Coaching gibst, dann kommt da meistens was Gutes bei raus«, sagt Lina Timm, Program Manager des Media Lab Bayern. In München haben Journalisten, Programmierer und Designer sechs Monate lang Zeit, um an ihrem Projekt zu arbeiten, mit finanzieller Unterstützung und Workshops. Die aktuelle Ausschreibung für Journalisten des MIZ in Berlin ist in Partnerschaft mit dem Radiosender detektor.fm entstanden. Entwickelt werden soll ein Long-read-Format für Musikjournalismus. Bei  früheren Projekten wurde etwa mit ZDF (heute) oder ORF kooperiert. Beim Media Lab Bayern gehören außer dem Ausbildungskanal AFK TV auch Medienunternehmen wie Antenne Bayern und ProSiebenSat.1 zu den Partnern. »Sie verfolgen, was bei uns Neues entsteht. Sie suchen den Austausch – und Investition und Kooperation sind nicht ausgeschlossen«, sagt Stefan Sutor, der bei der BLM für Strategie und digitale Entwicklung zuständig ist.

Foto Meikel in Spirit/photocase.de
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Sara Weber ist freie Journalistin und Dozentin in München. Zu ihren Auftraggebern gehören die Süddeutsche Zeitung, Deutschlandradio Kultur und Horizont. Ihre Themenschwerpunkte sind Technologie, Medien und Kultur. 
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