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Sie versäumen jeden Tag etwas
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Sie versäumen jeden Tag etwas

Etwa 1.100 Teilnehmer, mehr als 80 Referenten, 26 Workshops und viele neue Erkenntnisse: Die 24. Lokalrundfunktage in Nürnberg setzten am 5. und 6. Juli spannende Branchen-Akzente. Diesmal stand das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt.

Text: Anna Schughart

„Nein, Radio ist nicht tot“, sagte Jens-Uwe Meyer zu Beginn seines Vortrags „Innovate: Radio. Keine Angst vor großen Ideen“. Doch am Schluss hängte der Innovationsexperte an diesen Satz ein großes (digitales) Aber: Radio sei nicht tot, Radio lebe, „aber Sie versäumen jeden Tag etwas“. Vom Marktzugang und der Reichweite von Hörfunkprogrammen könnten andere nur träumen. Diese Potenziale gelte es nun zu nutzen, an Innovationen im Bestehenden und außerhalb zu arbeiten.

Das Schlimmste sei, gar nichts zu tun, abzuwarten und Angst vor dem Scheitern zu haben: „Sie werden nur Innovatoren, wenn sie echt Spaß daran haben“, lautete Meyers Appell zum Auftakt der Lokalrundfunktage, in deren Rahmen zwei Tage lang über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Programm, Marketing und Technik referiert und diskutierte wurde. Die Aufforderung, sich gerade in Zeiten der Digitalisierung etwas zu trauen – und auch Spaß daran zu haben –, war in Nürnberg immer wieder zu hören.

Die Plattform Snapchat stand bei vielen Diskussionen auf der Tagesordnung. Snapchat-Experte Mark Kaye erklärte, wie Radiomacher die Social-Media-App nutzen können. Sie sei für Hörfunk-Journalisten perfekt, weil man pro Snap nur zehn Sekunden Zeit habe, erklärte er. „Und wir alle verstehen, wie man schnell, unterhaltend und informativ ist, all das dann auch noch verkauft und viel Geld macht.“

Außer Snapchat nutzen lokale Medienmacher auch immer häufiger Facebook und dessen Live-Video-Funktion. Uwe Tschirner (Oberlausitz TV) machte klar, Facebook-Live-Videos seien nicht professionell planbar: „Darauf muss man sich einlassen.“ Die Nutzer aber liebten das Authentische, Schnelle und das Live-Gefühl, erläuterte Tschirner. Bei Facebook werden allerdings auch die negativen Seiten der Digitalisierung schnell spürbar. Hasskommentare, Trolle und Shitstorms sind eine große Herausforderung. Wie sollen Redaktionen damit umgehen? René Falkner (Sachsen Fernsehen) riet unter anderem: „Versuchen Sie Facebook ins reale Leben zu holen.“ Er selbst habe schon ein paar Mal seine Handynummer gepostet, um eine Facebook-Diskussion zu beruhigen.

Motivation, Neues und Ungewöhnliches zu wagen: Impulse dafür gaben auch Programmteile, von denen viele dies nicht unbedingt erwartet hätten. Im Rückblick auf die Aufbruchstimmung im Lokalfernsehen, die ihn in den 90er-Jahren so fasziniert habe, sagte Kabarettist und Songwriter Hannes Ringlstetter: „Vielleicht gelingt es diesem Medium ja noch mal, eine Generation zu finden, die so Bock hat, dieses Medium auch wieder zu revolutionieren.“

Präsentationen, Videos & Audio-Mitschnitte online: www.lokalrundfunktage.de

illustration: istockphoto.com/ralbornoz, Kathy Konkle

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Anna Schughart hat die Deutsche Journalistenschule absolviert und arbeitet als freie Journalistin in Berlin.

 

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