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Kleine Teams und grosse Leistung
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Kleine Teams und grosse Leistung

Mit kleinen Redaktionen Großes leisten. Dieses Thema beschäftigt seit 25 Jahren Experten und Teilnehmer während der Lokalrundfunktage in Nürnberg, die in diesem Jahr am 4. und 5. Juli stattfanden. Schwerpunktthema im Jubiläumsjahr: Daten, Daten, Daten.
Text: Beate Hones

Nutzerdaten gewinnen in der Medienwirtschaft stetig an Bedeutung. Entsprechendes Zahlenmaterial hilft nicht nur bei der Werbevermarktung, sondern auch bei Recherche und Programmoptimierung. Wie und warum Nutzerdaten für das Programm sinnvoll eingesetzt werden können, erläuterte während der Lokalrundfunktage Joel Sucherman. Der Leiter für digitale Produkte beim amerikanischen Sendernetzwerk NPR (National Public Radio) äußerte einen klaren Standpunkt: „Anything is better than no data!“ Sucherman ermunterte die Verantwortlichen für Radioprogramme, möglichst viele und genaue Daten über das Nutzerverhalten ihrer Hörer zu erheben. Dies sei auch für kleine Stationen umsetzbar, erklärte Sucherman.

Außer dem Thema Big Data beherrscht zurzeit auch die Frage nach der optimalen Social-Media-Strategie viele Redaktionen. Der Einsatz von Facebook verspricht Reichweitengewinne. Aber es gibt noch weitere Vorteile: Das Team des Lokalfunkprogramms Radio Bielefeld hat einen Weg gefunden, um auf einfache Weise per Facebook Inhalte zu generieren, die aus dem resultieren, was Hörer im sozialen Online-Netzwerk kommunizieren. „Zwanzig Prozent unserer Hörer sind laut einer Studie auf Facebook unterwegs, während sie uns zuhören. Das zeigt uns, dass wir unsere Marke bei Facebook widerspiegeln müssen“, erklärte Chefredakteur Timo Fratz. Besonders wichtig sei dabei, mit den Hörern zu interagieren und sie in das Programm einzubinden. Facebook-Kommunikation sei „so schön einfach“ und auch mit kleiner Redaktion machbar, zeigte sich Fratz begeistert.

AKTUALITÄT, AUTHENTIZITÄT & VERTRAUEN

Wie können Lokalredaktionen mit wenig Manpower ein großes, unerwartetes Ereignis journalistisch bewältigen? Bei der Panel-Diskussion „Breaking News“ diskutierten Redakteure verschiedener Lokalradiostationen über ihre Berichterstattung zu drei Krisen-Fällen 2016: bei der Flut in Niederbayern, beim Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum München und beim Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz. Fazit: Jede Situation ist überraschend, und jede Situation ist anders. Daher sei es schwierig, sich konkret darauf vorzubereiten, urteilten die Diskussionsteilnehmer. Aber es seien oft die kleinen Dinge, die zum Beispiel den Einsatz eines Reporters erleichtern – vom immer griffbereiten Notfallkoffer mit Smartphone, Aufsteckmikrofon und Batterien bis hin zum Presseausweis, der sehr wichtig für die Kommunikation mit Polizei oder Feuerwehr sein kann.

Um Aktualität, Lokalität und Vertrauen ging es auch im Lokal-TV-Programmteil. In Zeiten von Fake News und vermeintlich schwindendem Vertrauen in die Medien können lokale TV-Programme entscheidend punkten. Das bestätigte Andreas Köhler: „Wir wissen, die Menschen interessieren sich für regionale, lokale Themen. Transparenz ist wichtig, wenn man Glaubwürdigkeit erzeugen möchte“, sagte der Medienwissenschaftler der Universität Würzburg. Lokalsender seien nahe dran an den Menschen und könnten ihre Vorgehensweisen gut offenlegen. „So schaffen sie sehr viel Transparenz, was dazu beiträgt, dass das Vertrauen gerade bei lokalen Themen sehr groß ist“, betonte Köhler.

Innovative Themen rund um Internet und Social Media bot die Local Web Conference, die in diesem Jahr erstmals im Rahmen der Lokalrundfunktage stattfand. In ihrer Keynote zeigte Christin Krooß von Google Germany, wie sich mit Google die Frequenz im lokalen Geschäft steigern lässt. 75 Prozent der Einkäufe würden mittlerweile mobil starten. 30 Prozent von diesen mobilen Suchanfragen seien lokal verortet. Das Gute daran: Krooß berichtete, viele Nutzer würden danach innerhalb von 24 Stunden auch tatsächlich zum Händler gehen.

LOKALFUNK UND LOKAL-TV ERFOLGREICH

Im Rahmen der Lokalrundfunktage, zu denen Workshops, Diskussionsrunden und Vorträge mit etwa neunzig nationalen und internationalen Referenten gehören, wurden bei der Eröffnung auch Ergebnisse der aktuellen Funkanalyse Bayern vorgestellt. Demnach haben die bayerischen Lokalradioprogramme täglich 3,2 Millionen Hörer. Bayernweit reichweitenstärkstes Programm war erneut Antenne Bayern mit einer Tagesreichweite von etwa 30 Prozent. Trotz Streaming-Diensten wie Spotify oder Deezer hören noch immer fast 90 Prozent der bayerischen Bevölkerung ab 14 Jahren an einem durchschnittlichen Werktag Radio.

Die lokalen Fernsehprogramme in Bayern erreichen an einem Tag durchschnittlich 870.000 Zuschauer. Wie beliebt die bayerischen Lokalprogramme sind, zeigt sich an ihrer Sendezeit im RTL-Fenster wochentags von 18:00 bis 18:30 Uhr: In dieser Zeit haben die Lokalsender einen Marktanteil von durchschnittlich 17,1 Prozent und liegen bei den Zuschauermarktanteilen noch vor den Programmen von ZDF und Das Erste.

Im Rahmen der Funkanalyse wurde auch die Akzeptanz von DAB+ in Bayern untersucht. Ein Fünftel der bayerischen Bevölkerung, das sind rund 2,2 Millionen Personen ab 14 Jahren, verfüge inzwischen über mindestens ein DAB+-Empfangsgerät, sagte BLM-Präsident Siegfried Schneider. Die zunehmende Verbreitung von DAB+ in Bayern sei „besonders bemerkenswert“. Für die Zukunft des Lokalradios sei es aber wichtig, dem wachsenden Wettbewerb alternativer Audio-Angebote mit einer aktuellen und kompetenten Berichterstattung und einem auf die Zielgruppen abgestimmten Musikprogramm entgegenzutreten, lautete Schneiders Einschätzung.

Fotos: FacesbyFrank (5)
Ludwig Olah (2)

Bild Beate Hones
Beate Hones ist im Kongressmanagement bei den Medientagen München tätig. Sie ist u.a. für die Organisation der Lokalrundfunktage in Nürnberg zuständig. Nach dem Studium und Volontariat arbeitete sie als Redakteurin, Moderatorin und Chefin vom Dienst bei Radio Trausnitz in Landshut. Bevor sie zu den Medientagen München wechselte, war sie zwei Jahre als Pressereferentin im Bayerischen Landtag tätig.
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