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Tendenz

Das Magazin der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

Tele-Visionen: Was bleibt, was kommt?
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Tele-Visionen: Was bleibt, was kommt?

Der Blick zurück auf das ach so schöne „Lagerfeuererlebnis“ Fernsehen ist wenig hilfreich, wenn es um die Zukunft der bewegten Bilder geht. Für den Abgesang auf das „klassische Fernsehen“ ist es aber auch viel zu früh, obwohl sich die Nutzungsgewohnheiten ändern. Erfahrungen mit dem Medienkonsum werden vielfach bei den Allerjüngsten zuerst mit Smartphones und Tablets gemacht und nicht vor dem Fernseher. Und in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen ist die tägliche TV-Sehdauer laut Daten der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) zwischen 2007 und 2018 von 133 auf 94 Minuten gesunken.

Video on Demand und Streaming legen zu, die Reichweite des klassischen Fernsehens geht zurück. Die Netto-Werbeerlöse des Fernsehens sind im Vergleich zu 2018 in diesem Jahr leicht gesunken, auch wenn sie immer noch den größten Teil des Werbekuchens ausmachen. TV- und Onlinewelt sind nicht mehr zu trennen. Die Antwort auf eine Frage beim Bayreuther Mediengespräch 2019 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien illustriert diese Entwicklung deutlich. Der Moderator wollte wissen, wer das bunte Testbild auf dem Fernseher noch kenne? Ein Jugendlicher antwortete: „Kenne ich von YouTube.“

Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit und das Zeitbudget der Medienkonsumenten ist hart, aber keineswegs aussichtslos. Wenn die Faszination des klassischen Fernsehens abnimmt, während die der Video-on-Demand-Welt des Internets zunimmt, müssen die Chancen genutzt werden, die sich durch die Vernetzung von TV und Online-Welt ergeben. Welche Chancen das sind und wie sie aus ökonomischer, technologischer und programmlicher Perspektive genutzt werden, damit beschäftigt sich diese Tendenz-Ausgabe zur „Zukunft der bewegten Bilder“, die pünktlich zu den Medientagen München erscheint. Dass die großen Konzerne sich auf die Zukunft bereits eingestellt haben, zeigen Streamingportale wie Joyn oder RTL now. Die VoD- und Streaming-Specials der Medientage thematisieren diesen Wandel, genauso wie der TV-Gipfel unter dem Motto „TV-Markt im Umbruch“.

Aus Regulierungssicht dürfte die Gesetzgebung, wenn der neue Medienstaatsvertrag in Kraft tritt, mehr Tele-Visionen ermöglichen als früher, aber auch klare Vorgaben für neue Player wie Intermediäre und Plattformen machen. Denn die Zeiten, in denen Meinungsbildung allein von Presse und Rundfunk bestimmt wurde, sind vorbei, wie das „Microtargeting“ im politischen Wahlkampf oder auch die Debatte zeigt, die durch das Video des YouTubers Rezo ausgelöst wurde.

Grafik: Felix Neumann, rosepistola.de
Porträt Siegfried Schneider: Gabi Hartmann/BLM

Bild Siegfried Schneider
Siegfried Schneider ist Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien.
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