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Bericht des Vorsitzenden

07.10.2010 | 39 / 2010

Mit meinem Bericht möchte ich Sie – allerdings angesichts der Themenfülle unserer heutigen Sitzung nur kurz – informieren über einige Veranstaltungen während der letzten Wochen nach der Sommerpause. Ich darf beginnen bei dem terminlich nächstliegenden Ereignis, nämlich der konstituierenden Sitzung des Stiftungskuratoriums der Stiftung Medienpädagogik. Zum Vorsitzenden des Kuratoriums wurde Staatsminister Siegfried Schneider gewählt, dem ich an dieser Stelle herzlich gratuliere. So lange liegen die Auseinandersetzungen über die Stiftungsgründung ja noch nicht zurück. Hier habe ich ja gemeinsam mit dem Präsidenten und damals mit Prof. Dr. Eykmann gekämpft. Umso erfreulicher ist es, dass auch die Staatsregierung den Stiftungsgedanken begrüßt und der neugewählte Vorsitzende des Kuratoriums sogar in seiner kurzen Ansprache darauf verwies, dass diese Stiftung sich zu einer bayerischen „Dachmarke“ für die Medienpädagogik entwickeln könne und müsse. Ich will hier nicht noch einmal begründen, warum uns das Projekt so zukunftswichtig erscheint. Schon bisher war das Gremium stets der Meinung gewesen, dass die Medienpädagogik als Aufgabe der BLM unterstützt und ausgebaut werden muss. Das geschieht nun im Gewand der Stiftung, die ihrerseits eine Einladung an alle medieninteressierten Institutionen und Unternehmungen unseres Landes zur Mitwirkung ist. Als stellvertretende Vorsitzende wurde – auch das will ich ausdrücklich erwähnen – Frau Ministerialrätin Isabella Gold vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gewählt.

Ebenfalls am 5. Oktober fand die 16. Fachtagung des Forums Medienpädagogik statt. Unter dem Titel „Voll Porno, Alter!?`“ befasste sie sich mit sexualisierten Medieninhalten im Alltag von Jugendlichen. Einige der Erkenntnisse, die hier insbesondere von Prof. Dr. Petra Grimm und von Frau Weigand vorgetragen wurden, waren schlichtweg schockierend. Offensichtlich gehören pornographische Web-Inhalte zum Medienalltag der Jugendlichen bzw. werden ganz selbstverständlich und häufig regelmäßig gesucht und abgerufen. Selbst wenn es hier deutliche geschlechterspezifische Unterschiede gibt, scheinen pornographische Angebote im Internet von den Jugendlichen, die noch keine sexuellen Erfahrungen haben, vielfach als Erfahrungsmodelle und Räume genutzt zu werden. Das kann nicht ohne Auswirkungen bleiben auf die Beziehungsfähigkeit dieser Jugendlichen und verlangt nach einer differenzierten Auseinandersetzung. Es ist aber auch eine der zentralen Herausforderungen für die Medienpädagogik. Dies machte vor allem der Fortgang der Tagung deutlich, die sich im Themenkontext der Pornographie unter anderem mit der Handynutzung oder den Vulgarismen in der Jugendsprache auseinandersetzte. Ich danke allen, insbesondere Herrn Heim und Frau Weigand und ihrem Team für die gelungene Vorbereitung der Tagung, und Herrn Wöckel aus dem Medienrat für die abwägende, zurückhaltende Moderation, wobei ich gestehen muss, dass mir als Großvater diese Zurückhaltung nicht leicht gefallen wäre.

Erlauben Sie mir schließlich noch einen Rückblick auf die Informationsreise des Medienrats und Verwaltungsrats nach Brüssel. Wir konnten dort in der Bayerischen Vertretung tagen und wurden von der Leiterin der Vertretung, Frau Dr. Angelika Schlunck, sowie von Herrn Dr. Stiel begrüßt und begleitet. Diese Vertretung unseres Landes ist zweifellos ein ästhetisches und atmosphärisches Kleinod. Aber in der erdrückenden Umgebung der imposanten EU-Bauten visualisiert sie auch, wie schwach ausgeprägt das Pflänzchen Föderalismus in der EU ist. In der Brüsseler Perspektive, den Eindruck konnte man aus manchen Gesprächen gewinnen, existiert die lokale und regionale Medienlandschaft überhaupt nicht. Das Wort Region beginnt dort frühestens bei den Bundesländern; was darunter stattfindet, erscheint kaum auf dem Radar. Unsere Informationsreise war angesichts der Fülle der Gespräche auch eine der bisher anstrengendsten und ergiebigsten. Das gilt weniger für die Unterredung mit Herrn Trettenbrein von der Generaldirektion „Informationsgesellschaft und Medien“, der spürbar möglichst wenig sagen wollte und sich im Kontroversfall hinter diplomatische Formulierungen zurückzog. Wie in Brüssel gedacht und regiert wird, konnten wir vor allem von der Rechtsanwältin Katrin Stoffregen lernen, die einen hervorragenden Einblick in ihre Arbeit als Repräsentantin der Landesmedienanstalten gab. Für mich ebenfalls sehr interessant war das Fachgespräch mit den Vertretern der Regulierungsbehörde CSA für den französischsprachigen Teil Belgiens. Sie schilderten besonders ausführlich ihr Beschwerdemanagement, von dem wir in Deutschland lernen könnten, und scheuten sich auch nicht, Qualitätsfragen und Fragen der Sanktion zu behandeln. Für mich der Höhepunkt der Tagung war dann die Begegnung mit Sabine Verheyen, die für die CDU Mitglied des Europäischen Parlaments ist und sich vor allem für die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornographie einsetzt. Ihre Darstellung war differenziert und ließ trotzdem einen klaren Standpunkt erkennen. Beim Zuhören wurde rasch deutlich, welche unterschiedlichen Kulturen im Straßburger Parlament aufeinanderstoßen und wie schwierig es ist, hier eine konsensuale, ergebnisorientierte Politik zu betreiben. Ich hatte jedenfalls Respekt vor dem Auftreten von Frau Verheyen und vielleicht erging es anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise genauso. Nicht vergessen möchte ich am Ende meiner Ausführungen den Dank an die BLM für die hervorragende Vorbereitung der Reise. Dank gebührt vor allem Frau Fell, die heute nicht anwesend sein kann, und Frau Wendlandt, die uns viel abgenommen haben und immer präsent waren.