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Bericht des Präsidenten zur 15. Sitzung des Medienrats

07.02.2013 | 15 / 2013

1) Ostbayern-Forum

Am 31. Januar hat die BLM in Regensburg zum ersten Ostbayern-Forum eingeladen. Das Thema der Veranstaltung lautete: „E-Commerce und Multichannel – Herausforderung für Einzelhandel, Städte, ländlichen Raum und lokale Medien“.
Im Ostbayern-Forum ging es um die Frage, inwiefern sich das Umsatzwachstum im Online-Handel auf den stationären Einzelhandel und damit auch auf die lokale Werbung und die lokalen Medien auswirkt. Unmittelbar ist damit natürlich auch die Wirtschaftlichkeit der lokalen Rundfunkangebote betroffen: Brechen dem lokalen Handel Umsätze weg, fehlen den Sendern wichtige Werbeeinnahmen.
Und dass dieser Umsatzeinbruch täglich fortschreitet, bestätigte Prof. Dr. Gerrit Heinemann vom eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach mit seinem Fazit: „Der Online-Handel gräbt den stationären Einzelhändlern zunehmend das Wasser ab.“ Nach seiner Prognose werden im Jahr 2020 rund 30 Prozent des Umsatzes im Netz generiert. Bestimmte Branchen wie die Buchgeschäfte, Mode und der Gebrauchtwagenverkauf geraten jetzt schon enorm unter Druck.

Die Experten auf dem Forum haben aber auch Chancen für den stationären Handel verdeutlicht, die sich aus den Möglichkeiten des E-Commerce ergeben. Die Mischung aus Internetrecherche und traditionellem Einkauf wird immer attraktiver. Wenn die neuen Marketinginstrumente wie mobile Rabatt-Coupons etc. offensiv genutzt werden, können die stationären Händler auch davon profitieren.
So weit zu den Ergebnissen des Ostbayern-Forums. Die Fachvorträge und die anschließende Diskussion haben gezeigt, dass an den einzelnen Medienstandorten in Bayern großes Interesse an Themen aus der digitalen Wirtschaft besteht. Die BLM kann hier thematische Impulse geben, Diskussionen anregen und die Beteiligten zusammenbringen, insbesondere als starker Partner des Mediennetzwerks Bayern.

2) Mediennetzwerk Bayern

Das Mediennetzwerk Bayern hat am 28. Januar 2013 seine Arbeit aufgenommen. Der Startschuss dafür fiel auf einer Pressekonferenz, deren Gastgeber die Gründungspartner waren: der Bayerische Rundfunk, der Bayerische FilmFernsehFonds, der Mediencampus Bayern und die BLM. Ziel des Mediennetzwerkes ist es, Kreative und Unternehmen aus verschiedenen Mediensparten zusammenzubringen und durch diese Vernetzung der Medienschaffenden den Medienstandort Bayern zu stärken.
Das Mediennetzwerk Bayern knüpft an die Arbeit des Clusters Audiovisuelle Medien an. Jeder Partner bringt seine Expertise, sein Wissen und seine Kontakte ein. Mit einer Geschäftsstelle in der Staatskanzlei unter Leitung von Medienratsmitglied Karl-Georg Nickel sollen sparten-übergreifende Projekte und Veranstaltungen koordiniert, gefördert und unterstützt werden. Im Doppelhaushalt 2013/ 2014 sind für die Arbeit des Mediennetzwerkes Bayern für dieses Jahr 150.000 Euro veranschlagt.
Der Medienstandort Bayern ist laut zahlreicher Studien mit großem Abstand die Nummer eins im Rundfunksektor und hat eine starke Position im Print- und Verlagssektor und bei den Netz- und Mobilfunkbetreibern. Die starke Position der klassischen Medienunternehmen und des Standortes unter dem Druck und der Dynamik des Internets zu halten, ist die große Herausforderung.
Aufgabe der Politik und öffentlicher Institutionen ist es nicht nur, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, sondern die Medienunternehmen in diesem Veränderungsprozess nachhaltig zu unterstützen. Zudem müssen sie noch viel stärker als bisher den Gründergeist fördern. In der Öffentlichkeit hat Berlin in puncto Gründerflair bisher das bessere Image, in dieser Hinsicht besteht Aufholbedarf.
Die BLM hat Ende letztes Jahres ein Symposium zur Digitalen Wirtschaft in Bayern veranstaltet, das genau diese Klientel – nämlich interessierte Gründer - mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen sollte. Von der BLM und ihren Tochtergesellschaften Medientage München und BayMS sind bereits zahlreiche Veranstaltungen zum Thema „Digitale Wirtschaft“ initiiert worden. Damit werden wir auch weiterhin einen erheblichen Beitrag zur Stärkung des Medienstandorts Bayern leisten. In 2013 sind dies:

• das Ostbayern-Forum zum E-Commerce, über das ich bereits berichtet habe
• die Local Web Conference am 20. Februar in Nürnberg
• das MEDIENTAGE MÜNCHEN-Special Going Global am 27. Februar in München
• die Audiovisual Media Days am 22./23. April in München
• der Deutsche Social TV Summit am 18. Juni 2013 in München
• die Lokalrundfunktage am 9./10. Juli in Nürnberg
• die Medientage München 16.-18. Oktober 2013 in München

Alle diese Veranstaltungen werden auf der Online- Veranstaltungs-Plattform „medienpuls-bayern“ widergespiegelt. Ziel dieser offenen Plattform ist es, alle wichtigen Branchenver-anstaltungen in Bayern auf einem Portal übersichtlich darzustellen und in Wort, Bild und Ton zu dokumentieren. Ein Jahr nach dem Start sind bereits 33 Partner dabei. Auch das ist ein Zeichen von Networking, wie es das Mediennetzwerk Bayern anstrebt.

3) Zukunft von DVB-T

Mit Kabel Deutschland und Astra SES haben wichtige Infrastrukturunternehmen für die Fernsehübertragung ihren Sitz am Medienstandort Bayern. Der dritte Übertragungsweg, die digitale terrestrische TV-Verbreitung, kurz DVB-T, ist in den letzten Tagen in die Schlagzeilen geraten, weil RTL seinen Ausstieg aus der DVB-T-Verbreitung angekündigt hat. Der Großraum München wäre davon als erster betroffen. In Nürnberg sind die RTL-Programme schon seit letztem Jahr nicht mehr über DVB-T zu empfangen. Laut der Funkanalyse Bayern 2012 nutzen im Großraum München rund 360.000 Haushalte DVB-T. Dies entspricht fast jedem dritten Haushalt (einschließlich 2. und 3. Geräte). Rund 100.000 Haushalte nutzen ausschließlich den Übertragungsweg DVB-T.
RTL hat in der Presse angekündigt, zum 31. Mai dieses Jahres aussteigen zu wollen. In Gesprächen mit RTL habe ich erreichen können, dass der Ausstieg auf den 31. Juli 2013 verschoben wird, damit es für die DVB-T-Haushalte eine ausreichend lange Übergangsfrist gibt, um den Wechsel zu einem anderen Versorgungssystem wie Kabel, Satellit oder DSL-TV zu ermöglichen. Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat sich bisher noch nicht entschieden, ob sie die medienrechtliche Verlängerung der Ausstrahlung über DVB-T über den 31. Mai hinaus für ein weiteres Jahr beantragt.
Diese Diskussion über den Ausstieg aus der terrestrischen Fernsehversorgung verdeutlicht, dass sich die Landesmedienanstalten, was die Zukunft von DVB-T betrifft, über die Frage „Weiter so oder Richtungswechsel?“ klar werden müssen.
Private Fernsehanbieter werden nur dann dauerhaft ihre Angebote auch über die Terrestrik (DVB-T) anbieten, wenn erhebliche Kostenreduzierungen im terrestrischen Bereich erzielt werden können, da DVB-T der mit deutlichem Abstand teuerste Fernsehübertagungsweg pro Haushalt ist. Der private Rundfunk fordert daher neue Geschäftsmodelle für die DVB-T-Verbreitung, etwa die verschlüsselte Ausstrahlung vergleichbar HD-+ im Satellitenbereich. Die Einführung von Verschlüsselungssystemen ist aber mit einem Wechsel auf DVB-T-2 verbunden und bedingt die Anschaffung neuer Endgeräte.

Diese und viele weitere Faktoren sind ausschlaggebend dafür, dass derzeit in Frage gestellt wird, ob eine Verbreitung von privaten Programmen über DVB-T über das Jahr 2014 hinaus stattfinden wird. Wenn dieser Fall eintritt und nur noch öffentlich-rechtliche Programme verbreitet werden, sinkt die prozentuale Akzeptanz in den Haushalten vermutlich in den einstelligen Bereich. Ein „Weiter so“ erscheint also nicht sinnvoll.
Ein Richtungswechsel ist m.E. zumindest mittelfristig notwendig. Statt die terrestrische Fernsehversorgung auf den stationären Empfang im Hause zu beziehen, sollte als neuer Zielmarkt der portable Empfang für DVB-T(2) ins Visier genommen werden.

Im Sinne einer hybriden Versorgung über Mobilfunk und Rundfunknetze ist darüber nachzudenken, ob es nicht gemeinsame Interessen zwischen den Mobilfunkbetreibern und den Rundfunkanbietern in diesem Marktsegment geben könnte. Wenn der Empfang von linearen Fernsehprogrammen nicht über Mobilfunknetze vermittelt werden müsste, sondern in nahezu jedem portablen Endgerät alternativ über einen DVB-T-Chip zur Verfügung stünde, könnte eine wirksame Entlastung der Mobilfunknetze erzielt werden, ohne dem Endverbraucher Nutzungseinschränkungen aufzuerlegen. Japan ist auf diesen Weg schon sehr weit. Dort werden fast die Hälfte aller im japanischen Markt verkauften Smartphones und Tablets mit Chips zum terrestrischen TV-Empfang ausgestattet.

Die Kosteneinsparung für die Programmanbieter kann dafür eingesetzt werden, die DVB-T-Netze für den portablen Empfang erheblich großflächiger als heute und in annähernd allen Ballungszentren in der Bundesrepublik Deutschland aufzubauen. Die Neuausrichtung von DVB-T auf den portablen Empfangsmarkt garantiert dem Rundfunk ein Alleinstellungsmerkmal bei der Verbreitung seiner linearen Programme und liegt im wirtschaftlichen Interesse der Programmveranstalter sowie der Marktpartner im Mobilfunkbereich. Eine konzertierte Aktion aus öffentlichen-rechtlichen und privaten TV-Anbietern, der Mobilfunkindustrie, den Netzbetreibern und den Landesmedienanstalten könnte dazu führen, neue Nutzungsinteressen in der mobilen Informationsgesellschaft zu bedienen und die Zukunft der Terrestrik zu sichern.