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Bericht des Vorsitzenden zur 17. Sitzung des Medienrats

02.05.2013 | 17 / 2013

In dieser Woche fand am Montag und Dienstag die jährliche Informationsfahrt des Medienrats und des Verwaltungsrats statt. Sie führte uns nach Erfurt, in das „Kindermedienland Thüringen“, wie es sich gerne selbst nennt. Leider war die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer niedriger als sonst; das hing wohl auch mit dem Feiertag während der Woche zusammen. Wahrscheinlich ist der bisher übliche Termin im September, nach den Sommerferien, auch künftig die bessere Alternative für solche Exkursionen. Es werden uns ja nicht immer Wahlen dazwischenkommen. Trotzdem bestätigte sich in Erfurt wieder einmal, dass diese Reisen nicht nur den Blick für die Verschiedenheit der Medienlandschaften schärfen. Sie ermöglichen darüber hinaus kritische Rückschlüsse auf die eigene, bayrische Situation, werfen viele Fragen auf, bieten Überraschungsmomente und Lernchancen. Ganz nebenbei, aber gewiss nicht zuletzt, fördern sie die Kommunikation zwischen den Mitgliedern unserer beiden Gremien.

Wer es nicht schon vorher wusste, erfuhr bei der Reise, wie einseitig-dominant der Zeitungsmarkt in Thüringen strukturiert ist – ganz im Gegensatz zur (immer noch) mittelständischen Verlegervielfalt in Bayern, die eine der Voraussetzungen gewesen ist für die Vielfalt der Hörfunkstandorte bei uns. Folgerichtig gibt es in Thüringen auch keinen kommerziellen Lokalfunk, dafür jedoch eine aktive Szene nichtkommerzieller Bürgerradios, deren Förderung sich allerdings in sehr überschaubaren Grenzen hält. Dennoch, so jedenfalls der Gesprächseindruck, sind diese Bürgerradios ein selbstbewusster Partner der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und behaupten sich in der Medienkonkurrenz. Auf Erstaunen stieß bei uns auch die Zahl der lokal begrenzten Fernsehsender im Land. Was wirtschaftlich kaum darstellbar ist, erweist sich nicht selten nur deshalb als überlebensfähig, weil es mit einer gehörigen Portion an Idealismus und Selbstausbeutung betrieben wird. Freilich erkennt man bei einem Blick auf die kleinteilige Landkarte Thüringens sehr schnell, dass sich die lokalen Räume nicht beliebig vergrößern und kombinieren lassen. Hier muss man gewachsene kulturelle Strukturen und Verkehrswege berücksichtigen, hier lässt sich nichts am Reißbrett konstruieren. Das sage ich auch im Blick auf aktuelle Fragestellungen unseres Gremiums in Bayern.

Ich könnte jetzt noch viele Beobachtungen anführen; dabei müsste ich an vorderster Stelle die Aktivitäten des Thüringer Medienbildungszentrums aufzählen, einer Einrichtung der TLM. Bei unserem Besuch wurde wieder einmal deutlich: Die Förderung von Medienkompetenz ist kein Rettungsanker für vermeintlich unterbeschäftigte Landesmedienanstalten, sondern eine Zukunftsvorsorge für unsere Gesellschaft. Wer Menschen jeden Alters fit machen will für eine sich radikal wandelnde Welt, muss die medialen Fähigkeiten dieser Menschen stärken und möglichst jedem Interessierten eine selbstbestimmte Teilhabe an den rasanten Medienentwicklungen ermöglichen. Das hat auch viel zu tun mit der Vermittlung eines technologiebasierten Wissens. In dem Zusammenhang aufschlussreich waren die Informationen, die wir im Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) erhielten. Ich weiß jetzt beispielsweise, dass (und ahnungsweise auch wie) digitale Spiele, hier vor allem die Serious Games, von den Spielern lernen. Ihre Module können sich dem Nutzer bis hinein in das Storyboard anpassen. Lernpräferenzen ändern sich so mit dem Lernenden. Menschliche Kreativität, künstlerische Intuition, wird dadurch zwar nicht ersetzt. Jedoch die „Freiheit“ in den Bauplänen solcher Spiele, ihre innere Flexibilität, ihre Antwortfähigkeit auf den Menschen, nimmt stetig zu.

Lassen Sie mich an dieser Stelle abbrechen. Es gäbe noch viel mehr zu berichten, etwa von den Eindrücken beim KiKA, die eher vordergründig blieben, oder von der Audiovorführung bei IOSONO, die uns hautnah erfahren ließ, wie im buchstäblichen Sinne überwältigend Bild und Ton zusammenwirken können. Wer in Erfurt nicht dabei war, wird sich jetzt vielleicht ärgern. Das ist durchaus beabsichtigt. Ich möchte jedenfalls den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TLM ganz herzlich danken für ihre Gastfreundschaft und für ihren kollegialen Einsatz. Auch das scheint mir ein willkommener Effekt solcher Reisen zu sein: Landesmedienanstalten und ihre Gremien rücken dadurch, bei aller Verschiedenheit der Interessen, enger zusammen. Danken möchte ich nicht zuletzt der Spitze der BLM, dem Präsidenten und dem Geschäftsführer, dass sie uns die Reise ermöglicht und sich in die Vorbereitungen eingeschaltet haben. Das alles ist keine Selbstverständlichkeit. Der weitere Dank gebührt Frau Fell, der Hauptorganisatorin, und Frau Wendlandt und Frau Zeman, die uns begleitet und unterstützt haben.

Sie werden mich jetzt, zum Abschluss meines Berichts, vielleicht fragen, wo denn der Themenkomplex der regionalisierten Werbung bleibt und ob wir ausgerechnet dieses Problem in Thüringen nicht angesprochen haben. Doch, haben wir. Aber im Sinne einer wohlverstandenen Arbeitsteilung zwischen uns wird der Präsident im Anschluss darauf zu sprechen kommen. Ich erwähne nur noch, dass ich interessierter Gast bei der Sitzung des Hörfunkausschusses im Nürnberger Funkhaus gewesen bin und erfreut feststellen durfte, dass die Formatierung der Sender über die Musikfarbe deutlich hinausgeht. So wirtschaftlich zwingend die Zusammenarbeit zwischen den Hörfunkstationen sein mag, ihre gemeinsame Ressourcenausschöpfung, so überlebensnotwendig ist auch die inhaltliche Ausdifferenzierung, die Zielgruppenorientierung und Individualisierung der Programme, durch die sie im lokalen Wettbewerb erst kenntlich werden. Wo das berücksichtigt wird, müssen wir uns keine Sorgen machen über die Mehrfrequenzstandorte in Bayern. Erfreulich fand ich auch – das ist meine vorletzte Anmerkung für heute – die Präsentation von Kabel eins im Fernsehausschuss. Erfreulich vor allem wegen der dezidierten Absage der Geschäftsführerin, Frau Hofem, an das Billigfernsehen mit Laienschauspielern, das als scripted reality zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist. Stattdessen will Kabel eins künftig verstärkt auf Reportagen beispielsweise aus dem Charity-Bereich, auf Lebensrealien setzen. Diesen im deutschen Privatfernsehen überfälligen Kurswechsel werden wir gespannt beobachten und wir hoffen, dass der Sender damit punkten kann beim Publikum. Einen ganz anderen Kurswechsel hat kürzlich der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks angemahnt mit seiner Kritik an der Zahl der Talkformate, deren serielle Geschwätzigkeit und thematische Ödnis die öffentlich-rechtlichen Programme in eine Sackgasse zu manövrieren droht. Kompliment dafür an unser Nachbargremium, mit dem wir uns in Kürze zu einem weiteren Meinungsaustausch treffen werden!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.