Cookie Hinweis

Archiv / Suche:

Zurück zur vorherigen Seite

Bericht des Präsidenten zur 35. Sitzung des Medienrats

23.07.2015 | 35 / 2015

Lokalrundfunktage/Funkanalyse Bayern 2015/Media Analyse 2015 Radio II
Die 23. Lokalrundfunktage am 30. Juni und 1. Juli sind in diesem Jahr unter dem programmatischen Motto gestanden „Heimspiel im Medienwandel“. Wie die lokalen Radio- und Fernsehstationen diesen Heimvorteil nutzen können, war Thema der rund 20 Work­shops mit über 60 Referenten und gut 1.000 Teilnehmern.
 
Dass die Lokalen qualitativ hochstehende Programmbeiträge produzieren und aus­strahlen, zeigte eindrucksvoll die Eröffnungsveranstaltung mit der Verleihung der Hörfunk- und Lokalfernsehpreise. Prämiert wurden eine ganze Reihe sehr gelungener Beiträge, die als Inspirationsquelle für alle Anbieter dienen können.
 
Ein Highlight war die gesamte Eröffnungsveranstaltung, bei der zum ersten Mal mit einem rein virtuellen Bühnenbild gearbeitet wurde. Eine sehr entspannte und angenehme Atmosphäre herrschte auf der Abendveranstaltung im Germanischen Nationalmuseum, der das sommerliche Wetter zu Gute kam.
 
Insgesamt erfreuliche Ergebnisse für die bayerischen Lokalradios und das lokale Fernsehen hat die Funkanalyse Bayern 2015 erbracht. Den lokalen Radioangeboten ist es gelungen, ihre Wettbewerbsposition im Wesentlichen zu halten. Dank einer stabilen Hördauer konnten die lokalen Stationen ihren Marktanteil trotz eines leichten Reich­weitenrückgangs steigern. Er liegt jetzt bei 28,5 Prozent an einem durchschnittlichen Werktag. Damit hören täglich 3,2 Mio. Personen ab 10 Jahren in Bayern ein Lokalradio. Noch besser sind die Ergebnisse für die im Funkpaket Bayern zusammengeschlossenen Lokalradios in der gestern veröffentlichten Media Analyse 2015 Radio II ausgefallen. Demnach erreichen die Lokalradios an Werktagen in der durchschnittlichen Stunde mit Werbung 934.000 Hörer, das sind 41.000 mehr als in der Media Analyse vor einem halben Jahr. Das ist das beste Ergebnis für die Lokalradios seit vier Jahren und das zweitbeste Ergebnis in den vergangenen 15 Jahren. Besonders erfreulich daran ist, dass die Lokalradios vor allem in der werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen deutlich zugelegt haben.
 
Die bayerischen lokalen Fernsehprogramme erreichen täglich 879.000 Zuschauer ab
14 Jahren und damit 42.000 mehr als im vergangenen Jahr. Davon empfangen 508.000 Zuschauer die Lokalprogramme über Kabel, 340.000 über Satellit. Das bayernweite Fensterprogramm Sat.1 Bayern, das an Werktagen von 17:30 bis 18:00 Uhr auf Sat.1 ausgestrahlt wird, kommt auf durchschnittlich 281.000 Zuschauer ab 14 Jahren, 16.000 Zuschauer mehr als im vergangenen Jahr.
 
Die Reichweite der Satellitenverbreitung der lokalen Fernsehangebote ist mit einem Zuwachs von fast 40 Prozent erneut sprunghaft angestiegen. Dieses Ergebnis belegt, dass die DVB-S-Verbreitung für eine flächendeckende Versorgung mit lokalen Fernseh­angeboten in Bayern unerlässlich ist.
 
Brief an Ministerpräsident Seehofer
DAB ist neben UKW und Internet einer der drei Verbreitungswege, die für jeden Radiosender in den kommenden Jahren wichtig sein werden. Ein entscheidender Punkt für eine erfolgreiche Markteinführung bleibt die Finanzierung. Während die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Finanzierung der Digitalisierung durch entsprechen­de Projektanträge bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) sicher­stellen können, sind die privaten Programmveranstalter auf Gewinne angewiesen, um derartige Neuentwicklungen unterstützen zu können. Die Fördermaßnahmen der Landesmedienanstalt helfen, reichen dabei aber nicht aus.
 
Aus diesem Grund haben der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, und ich vor einer guten Woche einen Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten geschrieben und ihm darin den Vorschlag unterbreitet, einen Teil der ca. 70 Mio. Euro, die Bayern aus der Versteigerung der ehemaligen Rundfunkfrequenzen durch die Bundesnetzagentur erhält, zur Unterstützung der privaten Programmanbieter für den Umstieg von UKW auf DAB zu verwenden.
 
Eine solche Unterstützung wäre auch ein wichtiges Signal für die Gespräche zum Über­gang von UKW zu DAB, die gerade unter der Leitung der Parlamentarischen Staats­sekretärin Dorothee Bär geführt werden. Bisher liegt uns noch kein Antwortschreiben des Ministerpräsidenten vor. Es gibt aber Aussagen von Staatsministerin Ilse Aigner, dass sie einer entsprechenden Unterstützung positiv gegenüber steht.
 
Social TV Summit 2015
Am 7. Juli hat der 4. Deutsche Social TV Summit der BLM hier in München im Literatur­haus stattgefunden. Wir haben vor vier Jahren als erste dieses Thema aufgegriffen und es ist äußerst spannend zu sehen, wie es sich insgesamt verändert hat. Bewegtbild ist zurzeit der Megatrend im Netz und davon profitiert auch Social TV. Laut Experten stehen wir hier am Anfang einer Entwicklung, die ein sehr großes Potenzial hat. Einer der Referenten sprach sogar davon, dass wir uns derzeit noch in der „digitalen Pubertät“ befinden. Wie unterschiedlich die Inhalte sein können, die man aktuell unter dem Begriff „Social TV“ subsummiert, zeigten die verschiedenen Beispiele, die auf der Veranstaltung präsentiert wurden. So haben zwei junge Männer vor zwei Jahren als Elftklässler den YouTube-Nachhilfekanal „TheSimpleClub“ gegründet, der Nachhilfe in Mathematik, Physik, Biologie und Chemie anbietet und heute 450.000 Nutzer hat. Warum sie so erfolgreich sind? „Wir erreichen die Schüler als Freunde, nicht als Lehrer“, so ihre Antwort.
 
Zwei Beispiele wie mit Social TV Fernsehinhalte ins Netz verlängert werden, präsentierten eine Mitarbeiterin von RTL 2 und ein Redakteur vom NDR. Beim Social TV-Konzept der Sendungen „Berlin – Tag und Nacht“ und „Köln 50667“ von RTL 2 geht es darum, Handlungen und Erzählstränge, die so im linearen Fernsehen nicht gezeigt werden, über Social Media in das Netz zu verlängern. Die NDR-Satiresendung Extra3 kann im Netz mutiger und absurder agieren als das im Fernsehen der Fall ist, weil man im Netz keinen Quotendruck habe.
 
Offensichtlich scheint unser Social TV Summit inzwischen eine äußerst beliebte Fort­bildungsveranstaltung für Redakteure des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu sein. So waren von den etwas über 200 Gästen 27 Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und dazu noch einmal etwa 25 Mitarbeiter aus anderen ARD-Rundfunkanstalten, dem ZDF, der Deutschen Welle usw. Das zeugt davon, dass der Social TV Summit äußerst spannende Inhalte vermittelt und wirklich am Puls der Zeit ist. Schade nur, dass von unseren lokalen TV-Anbietern nur ein einziger Mitarbeiter an der Veranstaltung teilgenommen hat. Es fehlt dort sicher nicht am Interesse, eher angesichts dünner Personaldecken an der Zeit. Auch daran lässt sich erkennen, wie unterschiedlich die Arbeitsbedingungen im dualen System sind.
 
Studie zur Mediennutzung von Menschen mit Behinderung
Die Direktorenkonferenz der Medienanstalten hat am 23. Juni beschlossen, gemeinsam mit der Aktion Mensch eine Studie zur Mediennutzung von Menschen mit Behinderung durchführen zu lassen. Durchgeführt wird die Untersuchung von der TU Dortmund in Kooperation mit dem Hans Bredow-Institut. Mit der Beauftragung des Forschungsprojekts startet gleichzeitig die Zusammenarbeit der Medienanstalten mit Deutschlands größter privater Förderorganisation im sozialen Bereich, der Aktion Mensch, in deren Rahmen beide Kooperationspartner gemeinsam für die Potenziale einer barrierefreien Medien­landschaft werben wollen.
 
Ausgangspunkt der Studie ist das nach wie vor bestehende Defizit an belastbaren Daten zu Betroffenenzahlen, deren demografischer Struktur und zur Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen insgesamt. Mit der geplanten Untersuchung soll diese Lücke geschlossen werden. Erstmals werden nun repräsentative Daten zum Medien­nutzungsverhalten, den Nutzungsmotiven sowie den Bedürfnissen ermittelt. Auch zur Frage, welche Hürden für Menschen mit Behinderungen bei der Nutzung von Medien bestehen, sollen Daten erhoben werden. Die Forschungsergebnisse und Handlungs­empfehlungen sollen insbesondere den privaten Fernsehveranstaltern als Grundlage dafür dienen, ihre Programmangebote weiter auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausrichten zu können.