Cookie Hinweis

Archiv / Suche:

Zurück zur vorherigen Seite

Bericht des Präsidenten zur 36. Sitzung des Medienrats

08.10.2015 | 36 / 2015

Medientage München 2015

 

Das Motto der MEDIENTAGE MÜNCHEN lautet in diesem Jahr „Digitale Disruption – Medienzukunft erfolgreich gestalten“. Da stellt sich die Frage, was ist eine disruptive Innovation? Eine disruptive Innovation verdrängt eine bestehende Technologie bzw. ein bestehendes Produkt, sie ist eine revolutionäre Innovation im Gegensatz zu einer evolutionären. Mit disruptiver Innovation ist eine gemeint, die die Spielregeln auf dem Markt oder im Nutzungsverhalten verändert. Ein gutes Beispiel für eine disruptive Innovation ist z.B. die Erfindung des MP3-Formats und dessen Anwendung. Die Erfindung des MP3-Formats selbst hat noch keine Disruption ausgelöst, sondern erst deren Einsatz im Kontext der Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit des iPod von Apple. Dadurch wurde eine völlig neue Möglichkeit geschaffen, vor allem mobil Musik zu hören. Solche disruptiven Umbrüche, ausgelöst durch die Digitalisierung, erleben wir derzeit nicht nur in der Medienwirtschaft gehäuft. Wir haben sie deshalb zum Hauptthema der MEDIENTAGE 2015 gemacht.
 
Zu den Programmschwerpunkten des Kongresses gehört selbstverständlich auch das Themenfeld Medienpolitik. Sie hat in Zeiten der Digitalisierung viele neue Facetten. So ist es momentan eine der größten Herausforderungen, eine der Medienkonvergenz angemessene Medienordnung auf nationaler und internationaler Ebene zu schaffen. Ein Thema, das uns bereits seit einiger Zeit beschäftigt, bei dem die Entscheidungen aber unmittelbar bevorstehen. Der Bedeutung des Themas entsprechend haben wir viele politische Entscheider eingeladen, die zu einer großen Bandbreite medienpolitischer Themen sprechen werden.
 
Nachdem die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die 29. MEDIENTAGE MÜNCHEN eröffnen wird, hält am Nachmittag Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Keynote zum Thema „Wirtschaftspolitik und digitaler Wettbewerb“. Dabei wird sich Gabriel voraus­sichtlich auch zum hochbrisanten Thema Rabattpolitik der Medienagenturen äußern, das uns im Übrigen auch morgen beim Rechtssymposion der BLM beschäftigen wird. Ich darf Sie auch dazu noch einmal herzlich einladen.
 
Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, spricht am Freitag, 23.10., 10 Uhr, im Rahmen des Europatags, eines neuen Formats auf den MEDIENTAGEN. Der Europatag, gemeinsam durchgeführt vom Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) und der BLM, informiert über wesentliche Entwicklungen des digitalen Wandels und der damit verbundenen medienrechtlichen und medienpolitischen Fragen auf europäischer Ebene. Und ohne Einigung zu wesentlichen Themen auf europäischer Ebene wird es in Zukunft nicht gehen.
 
Die Themen des Europatags sind vor allem urheberrechtliche Fragen, Datenschutz, Netzneutralität und die audiovisuellen Mediendienste.
 
Ein wichtiges Thema im Programm bleibt auch Big Data: In einigen Panels geht es um die drängende Frage, wie aus qualitativ vielfältigen, unterschiedlich strukturierten Informationen entscheidungsrelevante Erkenntnisse gewonnen werden können.
 
Am Freitag, dem dritten Kongresstag wird es bereits im zweiten Jahr durchgehende Themenbereiche geben, die nicht in einzelne Panels strukturiert sind, sondern durchgehend bis zum späten Nachmittag laufen und mit dem Content-Gipfel enden. Die Themen sind hier neben der europäischen Medienpolitik Social Media, Paid Content und Content Marketing. Thema des Content-Gipfels ist: „Social Media first? Die Content-Welt im Wandel“.
 
Die bewährten Gipfelveranstaltungen bleiben die gleichen wie im vergangenen Jahr. Nach der Eröffnungsrede von Staatsministerin Aigner wird die Chefredakteurin der Wirtschafts­Woche, Frau Prof. Miriam Meckel die Keynote halten. Danach folgt der Fernsehgipfel, der in diesem Jahr von Thomas Gottschalk moderiert werden wird, einem Mann, der selbst wie kaum ein anderer Fernsehgeschichte geschrieben hat. Darüber hinaus gibt es wieder den Infrastrukturgipfel, der in die drei Felder Netze, Regulierung und Anwender unterteilt ist. Der Publishinggipfel steht in diesem Jahr unter dem Motto „Jenseits von Print und Digital – Der Wert des Journalismus“, auch eines der brennenden Themen, das nicht nur die Verlage umtreibt. Und schließlich gibt es auch wieder einen Radiogipfel, der in diesem Jahr unter dem Motto steht „Stillstand ist Rückschritt – Neue Innovationskultur für die Radio­landschaft“, ein Thema, das ja auch die BLM derzeit stark beschäftigt.
 
Insgesamt besteht das Programm der MEDIENTAGE aus rund 90 Panels mit etwa 450 Referentinnen und Referenten. Insgesamt erwarten wir auch heuer wieder etwa 6.000 Kongressteilnehmer. Die MEDIENTAGE bleiben damit der größte Medienkongress in Deutschland.
 
Die kongressbegleitende Messe mit mehr als 50 Ausstellern spiegelt das breite Spektrum des Kongresses wider: Von privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern über Online- und mobile Medien bis hin zu Vertretern aus den Bereichen Medientechnologien und Forschung oder Branchenverbänden. Auf der Fachmesse finden erstmals Thementage statt: Der Mittwoch steht im Zeichen des Arbeitsmarkts Medienbranche – Recruiting, Karriere & Co. Gemeinsam mit etablierten Frauennetzwerken veranstalten die MEDIENTAGE am Donnerstag den Aktionstag „MEDIA WOMEN CONNECT“: Hier finden Workshops, Talkrunden und Coachings rund um das Thema Chancengleichheit in den Medien statt. Und am Freitag widmen sich die MEDIENTAGE gemeinsam mit Unterstützern der Münchner Gründerszene im Rahmen eines Aktionstages den Startups der Medien­branche.
 
Der MedienCampus Bayern e.V. präsentiert in diesem Jahr wieder an allen drei Veran­staltungstagen in einem eigenen Areal seine vielfältigen und ständig erweiterten Angebote der Aus- und Fortbildung.
 
Im Rahmen der Medientage werden in diesem Jahr auch die besten Schülerradiosendun­gen aus dem bundesweiten tat:funk-Wettbewerb ausgezeichnet. Am 22. Oktober fiebern wieder zwölf nominierte Schulradiogruppen aus ganz Deutschland auf dem MedienCampus Areal mit, wem die Jury die ersten drei Plätze verleiht. Die Radiogruppen haben im Projekt tat:funk der Stiftung Zuhören im Verlauf des letzten Schuljahres mit viel Einsatz eine eigene Radiosendung geplant und produziert. Unter Organisation der Stifterhäuser BR und BLM haben im vergangenen Schuljahr 22 bayerische Schulen am tat:funk teilgenommen. Davon waren neun Schulen zum ersten Mal dabei. Unterstützt wurden die Schulradio­gruppen von professionellen Radiocoaches aus dem Lokalfunk, u.a. von Redakteuren und Moderatoren von Radio Fantasy Augsburg, Galaxy Bamberg, dem Funkhaus Regensburg und Top FM aus Fürstenfeldbruck. Also Daumendrücken für die bayerischen Schulen am 22. Oktober.
 
Ich denke, man kann mit Fug und Recht davon sprechen, dass es der MEDIENTAGE MÜNCHEN GmbH wieder gelungen ist, ein äußerst vielfältiges und spannendes Programm für die diesjährigen Medientage zusammenzustellen, das alle wichtigen Themen der Branche abdeckt. Dafür meinen herzlichen Dank an die Geschäftsführer und das gesamte Team. Ihnen kann ich nur empfehlen: Nehmen Sie so viel wie möglich davon wahr. Es geht ja auch um die Themen, die uns derzeit beschäftigen und auch in Zukunft beschäf­tigen werden.
 
 

42. EPRA-Treffen 28.-30.10.2015


 
In der Woche nach den MEDIENTAGEN richtet die BLM gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt und dem Europabeauftragten der DLM in Nürnberg die 42. Tagung der Europäischen Plattform der Rundfunkaufsichtsbehörden, kurz EPRA, aus. Diese Plattform dient dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Medien­regulierern aus ganz Europa, wobei dies in etwa den Bereich des Europarats abdeckt und zusätzlich auch Israel umfasst. Die Plattform existiert seit 20 Jahren; gegründet wurde sie von einer Handvoll Mitgliedern, die angesichts der grenzüberschreitenden Verbreitung von Rundfunkangeboten die Notwendigkeit der Zusammenarbeit erkannten. Die BLM ist seit der zweiten Sitzung aktiv involviert. Mittlerweile umfasst die EPRA 52 Mitglieder aus 46 Ländern; die EU-Kommission, der Europarat, die Europäische Audiovisuelle Informations­stelle und die Beauftragte der OSZE für Medienfreiheit haben permanenten Beobachter­status. Die EPRA arbeitet rein informell als Netzwerk für den Austausch zu allen Themen, die für einzelne Mitglieder relevant sind. Sie äußert sich grundsätzlich nicht öffentlich und verabschiedet auch keine allgemeinen Positionen oder Erklärungen; dies gewährleistet den offenen Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedern, die aus unterschiedlichen politischen Umfeldern kommen und unterschiedliche Aufgaben- und Rechtsstellungen haben. Dessen ungeachtet gilt sie insbesondere für die EU-Kommission als wichtige Anlaufstelle im Hinblick auf die frühzeitige Erfassung von Entwicklungen im Medienbereich und genießt als solche in den einschlägigen Gremien der EU Beobachterstatus.
 
Die EPRA-Mitglieder treffen sich zwei Mal pro Jahr zu einer 2-tägigen Tagung. Jede Tagung wird von einem Mitglied ausgerichtet; für die Herbsttagung dieses Jahres sollte dies Rumänien sein, die jedoch auf Grund politischer Entwicklungen kurzfristig von der Durchführung zurücktreten mussten. Daraufhin habe ich auf Bitte des EPRA-Vorstands die Möglichkeit einer Übernahme der Tagungsorganisation geprüft und nach Rücksprache mit dem Direktor der LFM, Herrn Dr. Brautmeier (er ist Gründungsmitglied) und dem DLM-Europabeauftragten, Herrn Langheinrich, entschieden, die Organisation der Tagung am Standort Nürnberg anzubieten, wo entsprechende Tagungs- und Hotelkapazitäten zum geplanten Termin verfügbar sind. Die Treffen sind außerordentlich wertvoll, weil sie neben den Sachdiskussionen vor allem auch der Kontaktpflege im persönlichen Gespräch dienen; dies kommt gerade auch der BLM bei der Regelung schwieriger Fragen in Zusammenhang mit bestimmten Angeboten aus dem Ausland außerordentlich zugute. Eine von vier stellvertretenden Vorsitzenden der EPRA ist übrigens seit Mai dieses Jahres Frau Fell aus unserem Hause.