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Bericht des Präsidenten zur 38. Sitzung des Medienrats

17.12.2015 | 38 / 2015

Wirtschaftliche Lage der privaten Rundfunkanbieter in Bayern 2014/15


Am vergangenen Donnerstag hat Prof. Goldhammer von Goldmedia hier in der BLM die Ergebnisse der aktuellen Studie „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland“ vorgestellt. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2014 und enthalten Prognosen für 2015. Dabei gibt es einerseits die bundesweiten Ergebnisse und andererseits Länderberichte, u.a. auch für Bayern. Die zentralen Ergebnisse sind durchaus erfreulich: Die Gesamterträge des dualen Rundfunksystems, also der privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter, lagen 2014 bei 19 Mrd. Euro, wobei ziemlich genau 50 Prozent dieser Summe von privaten Anbietern erwirtschaftet wurden; davon 7,2 Mrd. vom privaten Fernsehen einschließlich Pay-TV, knapp 1,7 Mrd. Euro von den Teleshopping-Anbietern und ca. 680 Millionen Euro von den Hörfunkanbietern. Besonders erfreulich aus bayerischer Sicht ist, dass 58 Prozent der Einnahmen des privaten Rundfunks von Unternehmen mit Sitz in Bayern erwirtschaftet werden. Das liegt natürlich vor allem an den beiden großen Unternehmen ProSiebenSat.1 und Sky. Von den insgesamt knapp 28.000 festangestellten Mitarbeitern im privaten Rundfunk in Deutschland arbeiten 40 Prozent in Bayern. Und schließlich haben etwa ein Drittel aller privaten deutschen Hörfunk- und Fernsehsender ihren Sitz in Bayern.
 
Von besonderem Interesse sind für uns natürlich die Kennwerte für den lokalen und landesweiten Rundfunk: Die privaten Hörfunkanbieter in Bayern erwirtschafteten im Jahr 2014 Gesamteinnahmen in Höhe von 151 Mio. Euro und damit ein deutliches Umsatzplus von rund 13 Mio. Euro gegenüber 2012. Der Kostendeckungsgrad stieg im Zweijahres­vergleich um 4 Prozentpunkte auf 118 Prozent. Auch die lokalen und landesweiten Fernsehanbieter inklusive der Spartenangebote konnten ihre Umsätze 2014 gegenüber 2012 um 6,6 Mio. Euro auf rund 50 Mio. Euro steigern. Der Kostendeckungsgrad stieg im Vergleich zu 2012 um ebenfalls 4 Prozentpunkte und erreichte 2014 mit 100 Prozent ein kostendeckendes Betriebsergebnis.
 
Schauen wir uns zunächst den Hörfunk genauer an: Die lokalen Hörfunkanbieter konnten ihre Einnahmen im Vergleich zu 2012 von 90,4 Mio. Euro auf den Rekordwert von 95,3 Mio. Euro steigern. Der lokale Hörfunk kommt damit auf einen Kostendeckungsgrad von 111 Prozent. Den größten Umsatzzuwachs erzielten die landesweiten Hörfunkanbieter mit einer Steigerung von 33,8 Mio. Euro im Jahr 2012 auf 42,9 Mio. Euro 2014. Sie erreichten damit einen durchschnittlichen Kostendeckungsgrad von 143 Prozent. Die bundesweiten Radioanbieter erzielten mit Erträgen von 13,0 Mio. Euro und Kosten von 11,9 Mio. Euro 2014 einen Kostendeckungsgrad von 109 Prozent. Bei den lokalen Hörfunkanbietern bilden die lokalen Werbeerlöse mit rund 58 Prozent weiterhin die tragende Säule des Geschäfts­modells. Rund 20 Prozent der Einnahmen kommen aus überregionaler Werbung. Durch­schnittlich 1,3 Prozent der Umsätze der privaten Hörfunkanbieter werden derzeit mit Online-Werbeumsätzen generiert. D.h., hier haben wir lediglich eine minimale Steigerung gegenüber 2012.
 
Auch das lokale Fernsehen konnte in den vergangen zwei Jahren seine Umsätze erhöhen. Mit Erträgen von 36,2 Mio. Euro und Kosten von 36,8 Mio. Euro hat sich die wirtschaftliche Lage des lokalen Fernsehens in Bayern verbessert. Der Kostendeckungsgrad stieg damit von 94 Prozent im Jahr 2012 auf 99 Prozent im Jahr 2014. Die Entwicklung der wirtschaft­lichen Lage des lokalen Fernsehens bestätigt den Aufwärtstrend, den auch die Zuschauer­zahlen in der Funkanalyse Bayern durch die verbesserte Empfangbarkeit über Satellit gezeigt haben. Etwa ein Drittel der Zuschauer kommt mittlerweile aus Satellitenhaus­halten. Mit einer Steigerung der Werbeeinnahmen von 13,4 Mio. Euro auf 15,7 Mio. Euro (plus 17,2 Prozent) resultieren nunmehr 42 Prozent der Einnahmen aus Werbung. Der Anteil aus Technik- und Programmförderung und dem Finanzierungsbeitrag von RTL liegt bei 36 Prozent. Die sonstigen Umsätze in Höhe von 22 Prozent beinhalten u.a. Einnahmen aus Spotproduktionen, Auftragsproduktionen und Veranstaltungen. Für 2015 erwarten die Anbieter ein Ansteigen des Umsatzes um 2,1 Prozent auf 36,9 Mio. Euro.
 
Was die Beschäftigtenzahlen angeht, gibt es unterschiedliche Entwicklungen bei Hörfunk und Fernsehen. Insgesamt waren im Jahr 2014 582 Mitarbeiter bei lokalen Fernsehveran­staltern angestellt, 2012 waren es noch 607 Mitarbeiter. Der Anteil der festangestellten Mitarbeiter liegt beim lokalen Fernsehen bei 76 Prozent. Beim landesweiten Fernsehen und den lokalen Spartenanbietern waren insgesamt 178 Mitarbeiter beschäftigt. Im über­regionalen Hörfunk in Bayern waren im Jahr 2014 342 Mitarbeiter tätig, im lokalen Hörfunk 1.475. Die Anzahl der Beschäftigten ist damit sowohl im überregionalen Hörfunk als auch im lokalen Hörfunk gestiegen.
 
 

5 Jahre Medienführerschein Bayern


Die Erfolgsgeschichte des Medienführerscheins Bayern begann vor fünf Jahren mit der Veröffentlichung der ersten Materialien für den schulischen Bereich. Mittlerweile gibt es kostenlose Unterrichtsmaterialien für die 3./4., 6./7. und 8./9. Jahrgangsstufen. Insgesamt haben bereits über 150.000 Kinder und Jugendliche auf diesem Weg altersgerecht die Chancen, aber auch Risiken der Medienwelt kennengelernt. Dieser Erfolg wurde im Rahmen einer Veranstaltung am 12. November 2015 gefeiert, an der etwa 120 Personen teilgenommen haben, u.a. zahlreiche Mitglieder der Gremien von BLM und Stiftung sowie Vertreter von Institutionen, die den Medienführerschein Bayern und die Stiftung unter­stützen, z.B. Wirtschafts-, Sozial-, Verbraucherschutzministerium, ISB, IFP, Stiftungs­aufsicht. In ihrer Keynote lobte Bayerns Medienministerin Ilse Aigner die Erfolgsgeschichte des Medienführerscheins und kündigte an, dass der Medienführerschein in Zukunft auch in der außerschulischen Jugendarbeit angeboten werde. Außerdem übergab sie die 150.000ste Urkunde an eine Schülergruppe der Realschule Tegernseer Tal.
 
Im Anschluss stellte Verena Weigand, Vorstand der Stiftung Medienpädagogik Bayern, ein neues Angebot für Kindertageseinrichtungen vor. Die Module sind vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) geprüft und beschäftigen sich mit den Themen „Medien im Alltag“, „Medienhelden“ und „Werbung“. Pädagogische Fachkräfte erhalten hier Hintergrund­informationen, Anregungen und Ideen für die eigene medienpädagogische Arbeit mit Drei- bis Sechs-Jährigen. Die neuen Materialien können ab sofort von bayerischen Kindertages­einrichtungen kostenlos bestellt werden.
 
Dr. Jooß, stv. Vorsitzender des Rats der Stiftung Medienpädagogik Bayern, Domkapitular Prälat Bernhard Piendl, Vorsitzender des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V., und Johannes Hintersberger, Staatssekretär im Bayerischen Staats­ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, betonten gemeinsam die Bedeutung des neuen Angebots in einer Zeit, in der bereits Kleinkinder Zugang zu Computern, Smartphones und Tablets haben.
 
Die Bedeutung des Medienführerscheins für Berufliche Schulen hob Dr. Christof Prechtl von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. hervor. Damit werde ein Angebot geschaffen, das gezielt berufsorientiert Medienkompetenz vermittelt. Dies stärke Auszubildende in ihrer Handlungskompetenz und davon profitierten auch die bayerischen Betriebe.
 
Für den schulischen Bereich gibt es ab sofort neue Film-Clips des Bayerischen Staats­ministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst für einen motivierenden Einstieg in die Unterrichtseinheiten der 3./4. Jahrgangsstufe. Die Film-Clips greifen die jeweiligen Themen auf lockere Art und Weise auf und bieten den Schülerinnen und Schülern Gesprächsanlässe. Im nächsten Jahr werden weitere Film-Clips für die Module der 6./7. und 8./9. Jahrgangsstufe produziert. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle betonte, dass die Film-Clips zu den Unterrichtseinheiten des Medienführerscheins einen wichtigen Beitrag in der Erziehung zu einem kritischen, kompetenten und kommunikativen Umgang mit Medien leisten.
 
Mit den neuen Angeboten reicht das Spektrum des Medienführerscheins Bayern zukünftig vom Elementarbereich bis zur betrieblichen Ausbildung.
 
 

Stipendien-Programm des Media Lab Bayern


Das Stipendien-Programm des Media Lab Bayern geht in die zweite Runde. Es bietet Gründern von Startups im Bereich digitaler Journalismus und Medien Starthilfe ab der ersten Idee. Ab sofort können sich Teams für das sog. Founders Fellowship Programm des Media Lab Bayern bewerben. Bewerbungsschluss ist der 8. Januar 2016.
 
Drei bis vier Teams haben die Chance auf ein Stipendium. Die Auswahl trifft eine hochkarätige Jury, der unter anderem Richard Gutjahr und Jens Pippig vom ProSiebenSat.1-Accelerator angehören. Wer ausgewählt wird, kann mit der Förderung in Vollzeit an der Gründung seines Startups arbeiten. Dafür unterstützt das Founders Fellowship Programm für zunächst drei Monate Studenten mit je 600 Euro pro Monat, Absolventen mit 1.200 Euro monatlich. Das Fellowship kann einmal um weitere drei Monate verlängert werden. Darüber hinaus bietet das Media Lab den Teilnehmern ein festes Business-Coaching, in dem sie ihren Businessplan entwickeln können. Die Stipendiaten erhalten eigene Büroräume und können für multimediale Produktionen die Einrichtungen des Aus- und Fortbildungskanals, wie TV-Studio, Schnitt und Radiostudio mit nutzen.
 
Einer der Kernpunkte des Media Lab Bayern ist die Vermittlung von Kontakten zu den Partnern des Media Lab wie Antenne Bayern oder ProSiebenSat.1 sowie Mentoring durch nationale und internationale Experten der digitalen Medienszene.
 
Am 5. Und 6. Dezember hat das Media Lab Bayern einen sog. Hackathon zum digitalen Journalismus organisiert. Dabei konzipierten Journalisten, Programmierer, Webdesigner und Nachrichten-Enthusiasten innovative Ideen zum digitalen Journalismus und setzten sie direkt vor Ort im Team um. Ziel war es, am Ende des Hackathons erste Prototypen der jeweiligen Produkte und Lösungen entwickelt zu haben. Insgesamt haben fünf Teams teilgenommen. Gewonnen hat bei diesem ersten Digital Journalism Hackathon des Media Lab das Team „Journo“. Ihre Idee ist eine Plattform, auf der User die Artikel ihrer Lieblingsjournalisten abonnieren können. Der Nutzer kann sich jede Veröffentlichung seiner Lieblingsjournalistin oder seines Lieblingsjournalisten über „Journo“ anzeigen lassen, ob als Website-Artikel, in einer App oder als ebook-Format. Die Marke ist damit der Journalist selbst und nicht mehr das Medium für das er schreibt.
 
 

Neuwahl KJM-Vorsitz


Da ich ab 1. Januar den Vorsitz der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten übernehme, gebe ich Ende des Jahres den KJM-Vorsitz ab. Entsprechend hat gestern in Bremen bei der letzten KJM-Sitzung in diesem Jahr eine Neuwahl für den KJM-Vorsitz stattgefunden. Zum neuen Vorsitzenden der KJM wurde dabei mein bisheriger Stellvertreter Andreas Fischer, der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, gewählt, zu seiner Stellvertreterin Renate Pepper, die Direktorin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz, die bereits bisher der KJM angehört hat. Zweiter Stellvertreter bleibt Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung. Die Wahl gilt bis März 2017, wenn die laufende Amtsperiode der KJM endet.