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Bericht des Präsidenten zur 10. Sitzung des Medienrats am 19.07.2018

19.07.2018 | 10 / 2018

Rückblick Lokalrundfunktage 2018

Beginnen möchte ich mit einem kurzen Rückblick auf die Lokalrundfunktage vor zwei Wochen in Nürnberg. Mit rund 1.100 Besuchern konnten wir heuer die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr sogar noch steigern.

Die Anwesenheit des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, der in seiner Rede eine Renaissance der Heimat im Zeitalter der Digitalisierung prognostizierte, kam als starkes Signal nicht nur bei den Anbietern gut an. Ein besonders unterhaltsamer Höhe­punkt der Eröffnungsveranstaltung war auch der kurze Schlagabtausch zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly – so etwas ist nur in Nürnberg auf den Lokalrundfunktagen möglich!

Im Mittelpunkt der Eröffnungsveranstaltung standen aber natürlich nicht die Politiker, sondern die Programm-Macher der lokalen und regionalen Radio- und Fernsehsender. Unsere Preisträger der diesjährigen BLM-Hörfunk- und Lokalfernsehpreise haben einmal mehr gezeigt, wie kreativ und professionell Themen und Geschichten im Lokaljournalismus umgesetzt werden können. Wir haben zum Beispiel hautnah eine Höhlenexpedition in Franken erlebt, sind einem Moderator auf den Spuren von Weltstars durch München gefolgt oder haben geheime Geschichten aus Nürnberg erfahren. Mein Dank gilt der Jury, an dieser Stelle vor allem auch Dr. Florian Schuller und Prof. Dr. Manfred Treml aus dem BLM-Medienrat. Außerdem möchte ich herzlich Herrn Sutor, Herrn Lörz, Herrn Heim und dem ganzen Team für die hervorragende Organisation danken.

„Heimat gewinnt!“ – diese Erkenntnis steht aus meiner Sicht über den neuen Zahlen aus der Funkanalyse Bayern. Gerade im durch die Digitalisierung zunehmenden Wettbewerb – dem Hörfunk und dem Fernsehen machen vor allem Streamingdienste zu schaffen – ist die lokale Berichterstattung als Alleinstellungsmerkmal des Lokalfunks ein ganz wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Erfreulich sind die Zahlen dieses Jahr vor allem für den Hörfunk. Beim Fernsehen sind nahezu alle Sender von Verlusten betroffen. Ich möchte in dieser Medienratssitzung nicht in einzelne Zahlen einsteigen. Damit werden wir uns in den Ausschüssen intensiv befassen und mit Sicherheit auch eine umfassende Debatte darüber führen, welche Konsequenzen wir daraus für die Zukunft ziehen müssen.

DAB+

Kurz eingehen möchte ich aber auf die neuen Zahlen zu DAB+. Die aktuellen Ergebnisse der FAB und der MA belegen: die Landeszentrale ist mit der Umsetzung ihres DAB+-Konzepts auf dem richtigen Weg!

So verfügen laut Funkanalyse Bayern 2018 rund 2,9 Millionen Personen ab 14 Jahren mittlerweile über mindestens ein DAB+-Empfangsgerät in der Wohnung oder im Auto. Der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr beträgt 30 Prozent. Doch nicht nur die Ausstattung mit DAB+-Empfangsgeräten, auch die Nutzung von DAB+ ist gestiegen: 15 Prozent der Bevölkerung hören mittlerweile an einem durchschnittlichen Werktag Digitalradio (2017 waren es erst 11,7 Prozent).

Die Studie ma 2018 Audio II weist erstmals Hörerzahlen für Digitalradio aus, so dass nun endlich auch DAB+-Angebote die Chance auf eine faire Vermarktung haben. Das Programm Absolut relax, das nur über DAB+ und im Internet zu hören ist, erzielte beispielsweise eine beachtliche Steigerung von 33.000 Hörern (MA 2018 Audio I) auf 44.000 Hörer.


Die Aussage dieser guten Zahlen ist eindeutig: Bei den Hörerinnen und Hörern ist mittlerweile angekommen, dass DAB+ nicht nur für einen besseren Klang und bessere Empfangbarkeit, sondern auch für mehr Vielfalt steht. Dazu passt auch TOP 8 der heutigen Tagesordnung.

Trotz dieses positiven Trends ist aber klar: DAB+ braucht die Unterstützung der Politik nach wie vor dringend! Wir haben erfreulicherweise die Aussage zur Interoperabilität im Koalitionsvertrag. Aber hier muss sich jetzt auch wirklich etwas tun! Sehr begrüßenswert ist in dem Zusammenhang, dass letzte Woche [am 11.07.] der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments für eine Digitalradiopflicht in Autos votiert hat. [Dieses Votum muss aber nach der Sommerpause noch vom Plenum abgesegnet werden.]

UKW-Antennenkauf

Von DAB zurück zu UKW:

In Sachen UKW-Antennenkauf, über den ich seit März vergangenen Jahres immer wieder im Medienrat berichtet habe, kann ich jetzt Vollzug melden: Am 11. Juni hat die BLM über ihre Tochter Bayerische Medien Technik (bmt) – und in enger Abstimmung mit den Anbietern – alle UKW-Sender und -Antennen für den privaten Rundfunk in Bayern von der Media Broadcast erworben. Die Unterzeichnung der Verträge hat intensive Verhandlungen über alle notwendigen Verträge für die UKW-Verbreitung des privaten Hörfunks in Bayern zu einem guten Ende gebracht. Mittlerweile haben sich ja glücklicherweise auch bundesweit Antennenbesitzer und Sendernetzbetreiber geeinigt. Ein UKW-Blackout ist damit nicht nur in Bayern, sondern im ganzen Bundesgebiet abgewendet.

Der Kauf der UKW-Sendeanlagen durch die bmt erhält die heutigen UKW-Strukturen in Bayern und stellt die UKW-Versorgung im Freistaat sicher. Damit kann auch ein Rosinenpicken zwischen attraktiven und weniger attraktiven Hörfunk-Standorten zu vermieden werden. Alle bisherigen Standorte bleiben weiter bestehen.

Das Engagement der Landeszentrale – hier darf ich mich in besonderer Weise bei den Herren Müller, Gummer und Strässle bedanken – ändert aber nichts an dem mittelfristigen Ziel, auf die bessere terrestrische DAB+-Infrastruktur umzusteigen.

Nach den turbulenten Verhandlungen der vergangenen fast eineinhalb Jahre kann ich sagen: Bund und Länder müssen überlegen, ob eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrags und/oder des Telekommunikationsgesetzes notwendig ist, um weitere Verkäufe von Rundfunk-Infrastruktur für DAB+ oder DVB-T2 mit negativen Auswirkungen auf die Anbieter zu verhindern. Gleiches gilt auch für Infrastruktur, die der Rundfunk zu seiner Verbreitung braucht, wie zum Beispiel die Türme der Deutschen Funkturm GmbH und der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Media Lab Ansbach/media.projects

Digitale Innovationen in den Medien fördern – dieses erfolgreiche Konzept des Media Lab Bayern wird mit einem neuen Aufgabenzuschnitt gestärkt. So kann das Media Lab zukünftig nicht nur Vor-Gründer, sondern auch Startups in späteren Phasen unterstützen. Außerdem hat der Ministerrat entschieden, dass ein weiterer Standort des Media Labs in Ansbach entstehen soll. Ziel des zweiten Standorts ist es, kreative Ideen, kreative Teams und kreativen Journalismus mit der gut aufgestellten Medienfakultät in Ansbach und mit Medienunternehmen vor Ort zu verknüpfen. Die Planungen und erste Gespräche laufen bereits. Ich gehe davon aus, dass wir schon im kommenden Wintersemester loslegen können.

Um digitale Innovationen speziell bei bayerischen Lokalsendern zu fördern – dafür gibt es bereits seit 2015 die media.projects der BLM. Ganz egal, ob es darum geht, einen Newsletter für Lokalnachrichten zu gestalten, ein neues Social-Media-Format zu auszutüfteln oder eine App für 360-Grad-Videos entwickeln – im stressigen Redaktions­alltag und aufgrund knapper Ressourcen bleibt dafür oft wenig Zeit. Die media.projects füllen diese Lücke: Sie bringen bayerische Lokalsender mit Hochschulen zusammen, um digitale Innovationen zu fördern. Der Sender formuliert eine Herausforderung – die Studierenden entwickeln Lösungen. Möglich ist dabei fast alles.

Die Landeszentrale unterstützt diese Projekte mit Geld und Ideen. Die Studierenden erhalten die Chance sich auszuprobieren und interessante Kontakte zu knüpfen. Und die Sender können neue, kreative Ideen austesten – ohne viel Risiko und mit begrenztem Aufwand. Eine klassische Win-Win-Situation. Die Ergebnisse können die Sender nach Projektende weiter nutzen.

Daraus sind schon einige dauerhafte Innovationen entstanden. Seit 2015 förderte die BLM mehr als 15 media.projects in ganz Bayern, darunter zum Beispiel:

  • Ein Projekt von Radio Gong und der Hochschule Macromedia München beschäftigte sich mit der Frage, wie Radiosender über die beliebte Gaming-Plattform Twitch neue Hörergruppen erreichen können.
  • Ein Projekt von Radio 8, Frankenfernsehen und der Hochschule Ansbach erstellte ein hyperlokales und crossmediales Newsportal mit dem schönen Namen „Frankensein“.
  • Oder: Ein Projekt von Allgäu TV und der Hochschule Kempten entwickelte ein digitales Redaktions-Planungstool für Allgäu TV.

Hinweis MTM

Am Schluss darf ich Sie noch auf die 32. Medientage München hinweisen, vom 24. bis 26. Oktober in den brandneuen Räumen des Conference Center Nord der Messe München [eine U-Bahn-Haltestelle weiter als sonst bis zur Messestadt Ost].

„Engage! Shaping Media Tech Society“ lautet das diesjährige Motto. Es soll diskutiert werden, wie Medien und Gesellschaft die fortschreitende Technisierung nutzen können, um eine Infrastruktur zu formen, die der Aufgabe und Verantwortung der Medien gerecht wird. Internationale Top Speaker widmen sich mit Themenspecials zu Blockchain, China, Künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality den wichtigsten Aspekten der Digitalisierung.

Zunächst einmal aber darf ich Ihnen allen einen schönen Sommer und erholsame Urlaubstage wünschen!