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Lokale Fernsehpilotprojekte: BLM und Anbieter favorisieren Mischmodell - Zulieferung für Lokal-TV notwendig, aber wie und von wem?

24.06.1998 | L10 / 1998

Die TV-Anbieter, die an den lokalen Fernsehpilotprojekten mit Programmzulieferern in Bayern teilgenommen haben, sind sich in einer Frage grundsätzlich einig: Eine Mantellösung bzw. die Zulieferung von Programmteilen ist notwendig, um langfristig die Vermarktbarkeit der lokalen Fernsehsender zu verbessern. Im Rahmen des Workshops "Lokale Tele-Vision" diskutierten einige der Projektteilnehmer auf den Nürnberger Lokalrundfunktagen ihre Erfahrungen mit den "Mänteln" von BR alpha, RTL City TV und tv.münchen. Zuvor hatte Infratest die Ergebnisse der Begleitforschung vorgestellt (vgl. L 9/98). BLM-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring betonte, daß es nun darauf ankomme, die "programmliche Homogenität und die Vermarktungsfähigkeit im Rahmen eines "Mischmodells" zu verbessern. Danach soll die originäre Lokal-TV-Zeit zwischen 18.00 und 18.30 Uhr im RTL-Fenster durch zwei Stufen ergänzt werden: zum einen durch Programmteile, die von den bayerischen TV-Stationen gemeinsam organisiert und vermarktet werden, und zum anderen durch die Übernahme von Zulieferprogrammen oder Programmteilen, die die noch offenen Programmflächen ausfüllen. Nach den bisherigen Erkenntnissen, so Ring weiter, könne zwar nicht die Übernahme eines bestimmten Zulieferprogramms geschlossen für alle bayerischen Lokal-TV-Stationen empfohlen werden, aber generell sollten alle Sender die Chance erhalten, Zulieferprogramme zu übernehmen. Rechtliche Voraussetzung dafür wäre der Abschluß eines öffentlich-rechtlichen Vertrages nach Art. 35 a BayMG.

Erste Schritte in Richtung gemeinsame Produktion und Vermarktung von Rahmen-Programmteilen sind bereits erfolgt. Andreas Werner von Tele Regional Passau 1 stellte im Workshop das 15minütige Magazin "Die Woche in Bayern" vor, das gemeinsam von einem Senderverbund produziert wird und als bayernweites Magazin für den Programmaustausch zwischen den einzelnen Stationen konzipiert ist. Dieser Senderverbund hat die "Bayerische Lokalfernsehprogrammgesellschaft" gegründet, die zu einer gemeinsamen Programm- und Vermarktungsgesellschaft aller lokalen Fernsehstationen ausgebaut werden könnte. Wieviel Sendezeit letztendlich mit solchen gemeinsamen Produktionen gefüllt werden könnte, so Werner, hinge von der Qualität des Materials ab. Seine Maxime lautet: "Die Professionalität muß gewahrt sein." Genau diesen Punkt kritisierte er auch in bezug auf die Programmzulieferung im Rahmen der Pilotprojekte. "Letztendlich stellen die Programmzulieferer derzeit keine namhaften Etats zur Verfügung, um einen ‘gescheiten’ Mantel zu produzieren". Der Mantel-Programmpartner, so Werner, müsse seine eigene Ware auch kritisch sehen. Schließlich werde von den Lokalen einiges an Investition dafür erwartet.

Tilmann Kennel (RTL City TV) gab zu, daß die Zulieferangebote noch optimiert werden müßten, warnte aber auch davor, "Premiumware" zu erwarten. Kennel warb auf dem Podium für ein Mantelmodell, das über Bayern hinausgeht. Wenn Lokalstationen in verschiedenen Bundesländern mit einem nationalen Programmanbieter kooperieren würden, könnten auch die lokalen Programme national vermarktet werden. Nur auf diese Weise, so Kennel, "hat Lokal-TV eine Chance". Der Forderung nach der nationalen Vermarktbarkeit schloß sich auch Hans-Gerhard Roth von Fernsehen aus Berlin (FAB) an. Er favorisierte den Programmaustausch zwischen allen regionalen Sendern, lehnte aber die Kooperation mit öffentlich-rechtlichen Sendern, wie sie im bayerischen Pilotptojekt mit BR-alpha realisiert worden ist, ab. "Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen sich nicht auch noch in diese Nische reindrängen."

Norbert Hufgard (TV Touring Würzburg) sieht jedoch durchaus Vorteile in einer solchen Kooperation: Der Mantel von BR alpha hätte dem Sender einen "Imagegewinn" gebracht, da der BR ein starker Partner sei. Als problematisch bezeichnete Hufgard allerdings die Tatsache, daß der BR aus rechtlichen Gründen nicht zugelassen habe, die tv touring-Senderkennung während der Mantelzeiten einzublenden. Die Identifikation mit dem Lokalsender müsse aber unbedingt gewährleistet sein, wenn die Mantellösung Erfolg haben solle.

Welcher Mantellieferant nun letztlich ausgewählt werden sollte, darüber bestand unter den Projektteilnehmern keine Einigung. Dafür berichteten sie alle "ungeschminkt und sachlich", so die Aufforderung von Moderator und BLM-Geschäftsführer Martin Gebrande, über ihre Erfahrungen aus dem Projekt.