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Verband Bayerischer Lokalrundfunk: Lokaler Hörfunk im nächsten Jahrtausend - Gefahren und Chancen - Lokale Anbieter sollen gemeinsam die Hürden der kommenden Jahre überwinden

14.10.1998 | 1998

München. Lokaler Hörfunk wird sich anpassen müssen, um im Zeitalter der Globalisierung nicht unterzugehen. Doch die dafür notwendigen Innovationen bergen neben Chancen auch zahlreiche Risiken. Das war der Tenor der Veranstaltung des Verbandes Bayerischer Lokalrundfunk während des 11. BLM-Rundfunkkongresses. Herausforderungen warten auf den Lokalfunk nicht nur von seiten des digitalen Radios. Auch der Umbruch im Werbemarkt und das Ungleichgewicht im dualen Hörfunksystem stellen an die Macher lokaler Programme neue Ansprüche.

Dem lokalen Hörfunk im nächsten Jahrtausend näherte sich Dr. Stephan Ory, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der APR, aus medienpolitischer Sicht. Er forderte die Verantwortlichen in der Politik auf, bei den Diskussionen um die künftige Medienordnung den Hörfunk nicht außen vor zu lassen und ihn als Mediendienst einzustufen. Die Schieflage im dualen Hörfunksystem müsse zugunsten des Privatfunks wieder ausgeglichen werden, um die Risikofreude kommerzieller Anbieter stärker zu unterstützen. Ory plädierte dafür, alle Kräfte im Hörfunk zu bündeln, da sonst die Funktion als Nebenhermedium an mobiles digitales Fernsehen, wie es durch DVB-T möglich sein wird, verloren gehen könne.

Nach Ansicht von Prof. Dr. Jörg Koch vom Fachbereich Betriebswirtschaft an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg sind intensive Anstrengungen nötig, um den lokalen Hörfunk im Umfeld neuer Medien und veränderter Anforderungen des Werbemarktes nach vorne zu bringen. Seine Ausführungen basierten auf einer Telefonumfrage bei den Lokalstationen in Bayern. Demnach ist ihr Image bei den Werbetreibenden nicht gut genug. Der Kunde könne sich kein klares Bild vom wirklichen Leistungsvermögen eines lokalen Senders machen, so Koch, und man vermisse langfristige Marketingstrategien. Prof. Dr. Bach wies auf die Notwendigkeit hin, spezielle Werbewirkungsanalysen für den Lokalfunk vorzulegen. Für die Zukunft sah Bach die wachsende Bedeutung von Nebengeschäften im Lokalfunk.

Zufrieden mit den Erlösen aus den BLW-Lokalfunkpaketen zeigte sich Bodo Heinze, Verkaufsleiter bei Studio Gong. Heinze plädierte allerdings dafür, die Vorteile des Lokalfunks, wie etwa höherer Werbedruck bei den Hörern, noch mehr auszunutzen und auch stärker in Sonderwerbeformen einzubringen.

Vor allem im Engagement lokaler Hörfunkveranstalter im digitalen Bereich sah Thomas von Seckendorff, Geschäftsführer von Radio Melodie, ein besonders großes Risikopotential. Das Ungleichgewicht zwischen armen und reichen bzw. öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Sendern könne vertieft werden. Zudem sei ein Mehr an Kosten für digitale Programme garantiert, ein Mehr an Hörern dagegen nicht, so von Seckendorff. Allerdings könnten die Lokalstationen hier auch einen Pluspunkt ausspielen: Sie kennen ihre Hörer genau und können digitale Zusatzdienste zielgruppengenau anbieten. Thomas von Seckendorff rief seine Kollegen der Lokalstationen zur Kooperation im digitalen Hörfunk auf, um auf diesem Weg kosteneffizient zu arbeiten. Außerdem, so von Seckendorff, sei ein Umdenken notwendig: Die Journalisten im Lokalfunk müßten sich in Zukunft nicht mehr als Moderatoren, sondern als Informanten verstehen.