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Förderung nationaler Rock- und Popmusiker soll forciert werden Deutscher

04.02.1999 | 7 / 1999

"Nationaler Künstleraufbau: Das Repertoire der Zukunft? Wo bleiben die neuen deutschen und deutschsprachigen Rock- und Popstars?" Diese Fragen diskutierten am 3. Februar bei einem Round-Table-Gespräch in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) Experten aus der Musik- und Rundfunkbranche sowie Medienpolitiker. Der Einladung des Deutschen Musikverleger-Verbandes, des Fachmagazins "Musikmarkt" und der BLM waren neben so bekannten Künstlern wie Stefan Waggershausen und Nicole führende Repräsentanten der Musikindustrie und der Radio- und TV-Sender gefolgt, u.a. Ralph Siegel, Tim Renner, Michael Holm, Heinz Cannibol, Jochen Leuschner, Peter Ende, Dieter Gorny, Matthias Holtman, Rainer Tief und Stefan Offierowski.

Die Gründe für die Vernachlässigung des nationalen Künstleraufbaus sind vielfältig. Einerseits gebe die Musikindustrie immer kürzere Produktzyklen vor, andererseits würden die Regeln des Formatradios seitens der Hörfunksender teilweise auch falsch verstanden und umgesetzt, betonte der Schirmherr der Veranstaltung, BLM-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, in seiner Begrüßung. Er appellierte an die Hörfunkveranstalter, wieder mehr Innovationsfreude zu zeigen und Nachwuchspflege zu betreiben. Insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse seinen Grundversorgungsauftrag in dieser Beziehung ernst nehmen.

Sowohl Ring als auch Staatsminister Erwin Huber, der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, plädierten dafür, die Probleme der Branche zu analysieren und den Round Table als ersten Schritt für praktische Lösungsansätze zu nutzen. Im Film- und Fernsehbereich, so Huber, seien förderpolitisch bereits deutliche Akzente gesetzt worden, die sicher zum Aufschwung deutscher Produktionen in den letzten Jahren beigetragen hätten. Huber sprach sich eindeutig gegen eine Quotierungslösung aus. Stattdessen müsse durch Qualität überzeugt und die Förderung junger, unbekannter Künstler forciert werden. Nachdem die Vertreter der Musikindustrie und auch die Musiker zunächst heftige Kritik am Formatierungszwang der privaten und öffentlich-rechtlichen Hörfunksender geübt hatten (Cannibol: "Der öffentlich-rechtliche Kulturauftrag ist dem Quotenkampf gewichen"; Ralph Siegel: "Die Künstler müssen jetzt schon eigene Sender gründen, das kann nicht die Zukunft sein."), warnte Huber aber davor, nur Schuldzuweisungen zu betreiben.

Die Repräsentanten der Hörfunksender setzten sich ihrerseits gegen die "Schwarz-Weiß-Malerei" seitens der Musikindustrie zur Wehr und betonten, daß sie sehr wohl explizit den Nachwuchs förderten, in erster Linie aber die Bedürfnisse der Hörer bedienen müßten. Den Vorwurf, daß gerade die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Kulturauftrag ernster nehmen müßten und sich nicht zu "Formatmaschinisten" entwickeln sollten, wollte Matthias Holtmann, Musikchef von SWR 3, so nicht stehen lassen: "Wir nehmen unseren Auftrag sehr ernst, aber wir machen Radio, damit es gehört wird." Auch BR3-Wellenchef Rainer Tief wies darauf hin, daß der öffentlich-rechtliche Rundfunk Mehrheiten brauche und sich am Markt orientieren müsse. Textdichter Frank Dostal entgegnete darauf, daß man sich nicht nur immer an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren dürfe, sondern auch Platz für neues schaffen müßte. Die Anregung von Michael Holm, daß die Sender jungen, deutschsprachigen Künstlern eine Plattform in einer eigenen Sendung geben sollten, hielten die Radiomacher für überdenkenswert.

VIVA-Geschäftsführer Dieter Gorny schilderte die Situation des deutschen Musikmarktes als gar nicht so dramatisch. Im Gegenteil, die deutsche Sprache habe in der Musik sogar einen Riesenaufschwung erlebt. VIVA zum Beispiel folge faktisch einer Quote, indem 40 bis 50 Prozent deutsches Produkt gespielt werde. Gorny regte aber an, daß die Politik die Musikbranche grundsätzlich als Wirtschaftsfaktor ernst nehmen sollte, so wie es bei der Filmproduktion bereits der Fall sei.

Mehr Flexibilität bei der Programmgestaltung, Mut zum Risiko und mehr Platz für den deutschsprachigen Musiker-Nachwuchs war die einhellige Forderung der Musikindustrie. Doch in weiteren Gesprächsrunden, so Susanne Schulenburg von BMG München, sollten noch andere Aspekte als die Kooperation mit dem Rundfunk diskutiert werden. Für die Fortführung der Gespräche plädierten alle Diskussionsteilnehmer, die den Round Table als richtigen, ersten Schritt begrüßten, auch wenn es starke Polarisierungen gegeben hätte. BLM-Präsident Ring regte an, die Runde in einem halben Jahr fortzuführen, um die diesmal vernachlässigten Aspekte aufzugreifen. Die BLM werde jedenfalls im Hinblick auf ihre Verantwortung für die Hörfunkangebote in Bayern im Rahmen ihrer Möglichkeiten Beiträge zur Musikforschung sowie zur Nachwuchsförderung im deutschsprachigen Musik-Bereich prüfen, insbesondere durch Nutzung der Aus- und Fortbildungskanäle München und Nürnberg.