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Lokal digital - neue Verbreitungswege für das digitale Fernsehen - Lokales Digitalfernsehen - wer soll das bezahlen?

10.06.1999 | 12 / 1999

Lokales Fernsehen findet seinen Weg zum Zuschauer bisher nur über Kabel oder Terrestrik. Analoge Verbreitung via Satellit stellte bislang aus Kostengründen keine Option dar. Mit der Digitalisierung und der Einführung des europäischen Standards DVB-T, das die analoge terrestrische Verbreitung ablösen soll, werden die Chancen für den lokalen Markt neu ausgelotet.

Helwin Lesch, Geschäftsführer der BMT Bayerische Medientechnik, erläuterte hierzu im Workshop "Lokal digital - neue Verbreitungswege für das lokale Fernsehen" während der BLM-Lokalrundfunktage in Nürnberg das Potential und die Probleme von DVB-T. Dessen Verbreitung sie zwar kostengünstiger als analoges Fernsehen über Satellit und ermögliche auch eine paßgenauere Planung des Sendegebietes. Für den Netzaufbau erfordere DVB-T jedoch viele Frequenzen und weise bei Mehrfrequenznetzen eine geringere Spektrumseffizienz auf. Die Realisierung von mobilem Empfang wäre überdies wirtschaftlich zu aufwendig. Der von der BMT, der DT AG und dem BR durchgeführte Feldversuch, der vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert wird, teste derzeit Übertragungsparameter, Versorgungsgrad, portables indoor-TV und Einführungsstrategien, berichtete Lesch. Im nächsten Schritt sollen die technischen Parameter für DVB-T festgelegt und das Übergangsszenario abgestimmt werden. Die Bereitstellung der Frequenzen, das Lizensierungsverfahren und die Entwicklung eines Organisationsmodells für die Sendernetzbetreiber werde noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, sagte Lesch.

Henning Horst (EUTELSAT) monierte den Rückstand Deutschlands bei DVB im Vergleich zum europäischen Ausland. Als Gründe hierfür nannte er den großen analogen Markt, die Verunsicherung bei Industrie, Handel und Verbrauchern hinsichtlich des Übergangsszenarios sowie die Probleme bei Settop-Boxen und conditional access. Hinzu käme der zu späte Abschalttermin für das analoge terrestrische Fernsehen. Zu einer größeren Attraktivität würden laut Horst offene Plattformen beitragen. Wirtschaft und Medienpolitik sollten entsprechenden Druck ausüben, damit beim DVB ein verstärkter Mehrwert über ein größeres Angebot einschließlich regionaler Angebote und Multimediadienste entstehe. EUTELSAT könne Pakete für Regional- oder Spartenanbieter über eine freie digitale Plattform zusammenstellen.

Diese Plattformen könnten laut Horst auch von Einzelanbietern genutzt werden. Bereits heute gebe es zehn bis elf regionale TV-Anbieter auf EUTELSAT-Transpondern. Die Kosten für eine digitale regionale Plattform bei EUTELSAT bezifferte Horst auf sechs bis sieben Millionen Mark für einen kompletten Transponder und 1,5 Millionen Mark pro Jahr für einen Programmkanal. Dies, so ergab die Diskussion, liegt weit jenseits der finanziellen Möglichkeiten der Lokalanbieter.

Als nicht nur zu teuer, sondern auch technisch ungeeignet erwies sich in der Diskussion die im Workshop vom Vertreter der Deutschen Telekom, Christoph Mayer, erläuterte neue Zugangstechnologie ADSL (asymmetrical digital subscriber line). Diese Technik ermöglicht einen schnelleren Zugang zum Internet und damit die Übertragung von Bewegtbildern. Als Weg der Individualkommunikation kann jedoch ADSL die klassischen Wege der Rundfunkverbreitung nicht ersetzen, zumal der sukzessive Ausbau der Netze nicht flächendeckend erfolgen wird. Auch ein Programmaustausch unter einzelnen Lokalstationen wäre aufgrund der breiteren downstream-Kapazität im Vergleich zum upstream-Betrieb kaum möglich.