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Lehrstücke fürs Leben in Fortsetzung - Neue Studie über die Serienrezeption von Kindern und Jugendlichen

15.11.2000 | 57 / 2000

Das "Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis" (JFF) hat im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) die Rezeption von Serienangeboten im deutschen Fernsehen durch Heranwachsende zwischen 9 und 15 Jahren untersucht. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt als Band 63 der BLM-Schriftenreihe erschienen.

Das Fernsehen ist das beliebteste Medium von Kindern und Jugendlichen und hat gleichzeitig eine wichtige Orientierungsfunktion. Vor diesem Hintergrund geht die aktuelle Untersuchung folgenden Fragen nach: Wie nutzen ältere Kinder und Jugendliche das Serienangebot im deutschen Fernsehen und wie bewerten sie es? Welche Orientierungsfunktionen haben Serien für diese Altersgruppe? Welchen Einfluss haben Alter, Geschlecht und Lebensbedingungen auf die Rezeption der Serien? Von besonderer Bedeutung war vor allem wie Heranwachsende mit dem Thema Gewalt in den Serien umgehen und welche Beziehungsideale und Lebensentwürfe sie für sich ableiten.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurden in einem ersten Schritt über 500 Kinder und Jugendliche zu ihrer Seriennutzung und ihren Vorlieben befragt. In den darauf folgenden 20 Einzelfallstudien wurde den Gründen für bestimmte Präferenzstrukturen und den Orientierungsfunktionen von Serieninhalten für die Lebensvorstellungen dieser Altersgruppe nachgegangen.

Die beliebtesten Genres der Heranwachsenden sind Soaps und Comedies. Während Mädchen eindeutig Soaps bevorzugen, präferieren Jungen Comedies. Gewaltdarstellungen in den Serien werden von den Heranwachsenden sehr differenziert wahrgenommen, allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass bei Kindern und Jugendlichen mit einem problematischen Lebenshintergrund mediale Gewaltdarstellung zur Vorstellung führen kann, das Leben sei ein einziger Kampf. Insgesamt konnten bei den Heranwachsenden drei unterschiedliche Vorstellungen darüber herausgearbeitet werden, worin das Leben schwerpunktmäßig besteht: Leben wird dabei primär als Leistung gesehen, als privates Glück oder als Kampf.

Aus der Vielzahl der Einzelergebnisse leiten die Autorinnen Forderungen sowohl an Programmmacher als auch an Pädagogen ab: Die Programmmacher werden u.a. aufgefordert nicht nur auf die Propagierung von physischer Gewalt zu verzichten, sondern verstärkt auch darauf zu achten, dass in den Serien physische Gewalt nicht als geeignetes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen angeboten wird. Aber nicht nur das Fernsehen, auch die Pädagogik müsse realistische Persönlichkeits-, Geschlechter- und Sozialkonzepte anregen.

"Mit den jetzt vorliegenden Ergebnissen erhält nicht nur die Landeszentrale wichtige Erkenntnisse über mögliche Wirkungen von Serienangeboten auf Kinder und Jugendliche, auch Programmmacher und Pädagogen bekommen wertvolle Anregungen für ihre Arbeit", so BLM-Präsident Prof. Dr. Ring in einer ersten Stellungnahme.

Mit der Studie "Lehrstücke fürs Leben in Fortsetzung" setzt die Landeszentrale die Reihe der praxisorientierten Untersuchungen der Fernsehrezeption durch Kinder und Jugendliche fort, die 1996 mit der Studie "Begleiter der Kindheit" zur Rezeption von Zeichentrickangeboten durch Kinder zwischen 4 und 11 Jahren begonnen hat.

Die Studie kann beim Verlag Reinhard Fischer, Weltistraße 34, 81477 München, Tel.: 089/791 88 92, zum Preis von DM 39,- bestellt werden.