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Chat, Shop und Livestream - Was muss auf die Radioseite im Internet? - Nutzer wollen RealAudio-Comedy, Community und Streamings

29.05.2001 | L4 / 2001

Nach der Marktbereinigung und der Pleitewelle des letzten Jahres, kann man die Frage, ob das Webradio das klassische Radio überholen wird, getrost mit "Nein" beantworten. Man begibt sich nun auf die Suche nach den Überlebenden - oder vielmehr den Gründen, warum einige die Jahrtausend-wende geschafft haben, andere aber nicht. Welche Geschäftsmodelle haben sich bewährt, ist Crossmedia die allein selig machende Strategie, und was erwarten die Nutzer von einer attraktiven Website? Darüber diskutierte eine Expertenrunde von Onlinern, Mediaberatern und Marktforschern auf den 9. Nürnberger Lokalrundfunktagen.

Ein unschlagbarer Vorteil der Homepages von Radiosendern ist, dass sie On-Air-Time für Eigenwerbung zur Verfügung haben. Allerdings ist die Website nicht die bloße Darstellung des Senders im Internet. Der Online-Auftritt muss eine Eigendynamik entwickeln, die Angebote aus dem klassischen Radio fortführen und auf die Nutzer reagieren. Ein Musterbeispiel dafür stellte Peter Fuchs vor, Online-Head des landesweiten privaten Hörfunksenders Antenne Bayern: Die Online-Community von Antenne mit Chat, Forum und Servicediensten hat sich in Deutschland als führende Radio-Community positioniert. "Durch das Internet kommen Menschen miteinander ins Gespräch, eine Möglichkeit, die im Zeitalter der Massenmedien undenkbar war", zitierte Fuchs das Cluetrain Manifest.

Dennoch bleibt der erhobene Zeigefinger: Es lohnt nur Angebote zu bewerben, die sich auch sehen lassen können. Denn nichts ist dem Image weniger zuträglich, als ein lieblos gestalteter und nicht gepflegter Webauftritt. Die entscheidende Frage dürfe, so Andrew Economos von Radio Computing Services New York, nicht länger lauten, wie viel es kostet, ein Internetradio zu betreiben, sondern vielmehr: "How much money does it make?". Und dazu bedarf es einer sorgfältigen Gestaltung und der innerbetrieblichen Bereitschaft, den Internetauftritt zu Chefsache zur machen.

"Nur Radio via Internet ist nichts als langweilig", so Carmen Alzner, Beraterin bei Promax & BDA Europe. Das On-Air-Programm nur zu streamen, reicht nicht aus, um Nutzerbindung zu erreichen. Personalisierung und Interaktion sind gefragt. 76% der Nutzer der Onlineangebote von Lokalsendern in Bayern haben Interesse an Audiofiles On-Demand. So das Ergebnis einer Studie, die in Nürnberg von Marcus Gebhard präsentiert wurde. Dieser Studie zufolge sind unter den Audiofiles die Comedyangebote am beliebtesten, gefolgt von Wortbeiträgen aus dem Hörfunkprogramm und Nachrichten. Christoph Pöschl stellte eine weitere Studie vor, an der sich 19 Lokalsender beteiligten. Im Unterschied zum klassischen Radio, welches die höchsten Reichweiten am Vormittag erreicht, ist eine Verlagerung der Primetime der Onlineradios auf den Abend zu beobachten.