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Dan o'Day: "How to critique and coach an air talent" - Radio-Guru und Radio Gaga

29.05.2001 | L5 / 2001

Der amerikanische Radioberater Dan o'Day stellte auf den Lokalrundfunktagen Nürnberg wirkungsvolle Techniken vor, die den Moderatoren helfen, neue Wege zu gehen und ihre Moderationsleistung zu verbessern.

Radiomacher haben auf der ganzen Welt eines gemeinsam: Alle sind unsichere Persönlichkeiten. Das liegt zum einen daran, dass ihre Leistungen nicht gemessen werden können. Weil Feedback (wenn überhaupt) meist spät kommt, ist der Radiomacher verwirrt. Die Unsicherheit wird noch gesteigert, weil jeder einen Fehler des Moderators in diesem öffentlichen Beruf hört - Hörer, Freunde, Feinde...alle. Ein weiterer Punkt ist, dass sich Moderatoren als Außenseiter fühlen - sie sind nicht viel im Büro, haben keine normalen Arbeitszeiten. Jeder, der diesen Job macht, möchte dem Publikum gefallen. Moderatoren wissen aber nie genau, wie viel Anteil sie selbst am Erfolg haben. Ist es die Werbekampagne, die die Quoten hochtreibt, die Musikauswahl oder die Nachrichten? Moderatoren sind eben unsichere Persönlichkeiten.

Daher müssen diese Persönlichkeiten aufgebaut werden. Ein wesentlicher Punkt ist das "namedropping". Es ist laut Dan o'Day ziemlich arrogant, davon auszugehen, dass der Moderator so bekannt ist, dass ihn jeder an der Stimme erkennt. Schließlich ist der Moderator der Gastgeber einer "Party", bei der er sich jedem Gast vorstellen sollte. Denn die Leute "überhören" die Nennung ganz einfach, wenn sie den Moderator schon kennen. Das ist wie auf der Au-tofahrt zur Arbeit, bei der wir ja auch kaum noch auf Schilder, Werbung etc. achten. Allerdings: Fehlendes "namedropping" stört den Hörer sehr.
Ein Moderator hat eine enge Beziehung zum Hörer zu schaffen - um den Hörer länger am Radio zu halten. Das ist seine Aufgabe. Wenn die Leute nur die Nachrichten hören wollen, muss der Moderator dafür sorgen, dass der Hörer auch nach den Nachrichten dran bleibt. Dan o'Day: "You want people to ignore the exit."
Dan o'Day: "Vorhersehbar im Radio zu sein, heißt, tot zu sein." Dabei ist Kreativität wichtig: Jemand, der nie etwas Neues ausprobiert, ist nicht kreativ. Nicht jeder Versuch kann gelingen. Dan o'Day gibt ein einfaches Rezept: Flops nicht wiederholen - Erfolge natürlich schon. Aber auf keinen Fall jeglichen Versuch, Neues auszuprobieren, unterlassen.
Kreativität und die Qualität werden immer wieder auf den Prüfstand gestellt - beim Aircheck. Dabei sollten Manager und Chefs einige Grundregeln beachten. Dan o'Day: "Loben Sie die Stärken und starken Leistungen Ihrer Mitarbeiter. Nehmen Sie sich Zeit für Airchecks. Bei den Gesprächen ist es wichtig, dass Sie sich ganz dem Mitarbeiter widmen. Also: volle Konzentration auf das Gespräch, das eines unter gleichrangigen Partnern sein sollte. Versuchen Sie herauszustellen, in welchen Punkten sich der Moderator seit dem letzten Air-check verbessert hat. Es lohnt sich nicht, über offensichtliche Fehler zu reden: Rampkills und Löcher wird der Moderator wohl selbst erkennen. Wichtig: Sollte ein Fortschritt seit dem letzten Aircheck festzustellen sein, ist kein Grund zur Sorge vorhanden."

Einige von Dan o'Days Tipps für Moderatoren:

- Ein Moderator muss wissen, was er sagen möchte, bevor er das Mikro aufreißt.
- Der Moderator sollte seine Information teuer verkaufen - und nicht gelangweilt z.B. Verkehrsmeldungen verlesen.
- Er sollte natürlich wirken, aufgesetzte Fröhlichkeit zieht nicht.
- Elemente die immer wieder im Programm auftauchen, werden gern "verschludert", d.h. schnell und lieblos verlesen. Das merkt der Hörer - besonders, wenn für ihn die Information neu ist.
- "In der Geschichte anfangen und dann die Leute nach außen führen." Beginnen Sie in der Geschichte. Einen langen Vorlauf macht kein Hörer mit. Entwickeln Sie dabei Ihren persönlichen Stil.
- Klare Sprache, die Bilder transportiert - nicht nur Information.
- Moderatoren müssen dem Hörer einen neuen Blick auf die Dinge geben.
- Hörerbindung: Spiele mit dem Hörer, und es kann großes Radio werden.


Für alle Airchecks und Moderatoren aber gilt: Es sind Menschen, die Radio machen, keine Computer oder Jukeboxes. Ein Moderator, der keinen Musiktitel richtig aussprechen kann, aber hohe Einschaltquoten hat, ist ein guter Moderator. Überraschungen tun gut. Dan o'Day: "Sie gewinnen im Radio nicht, wenn sie alles tun, was die Leute wollen. Sie gewinnen, wenn Sie den Hörern einen Grund liefern zuzuhören."