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Singles, Spiele, Schlaumeier: Unterhaltungshows im lokalen Fernsehen auf dem Vormarsch

29.05.2001 | L6 / 2001

Young, urban and active" - jung, städtisch und aktiv, das ist die Zielgruppe, die die Programmdirektorin des tschechischen Lokalsenders TV3, Dana Berova, durch Unterhaltungsprogramme in Ballungsräumen hinzugewinnen will. Deshalb hat TV3 lokale Polizeiserien, Talkshows und Musiksendungen in das Programm des Senders integriert. Doch auch die Macher deutscher Lokalsender setzen immer mehr auf Unterhaltung im Lokal-TV und wollen damit ihre Zielgruppe ausbauen und ihr Image aufpolieren. "Lokal-TV sollte nicht nur die Informationskompetenz, sondern auch die Unterhaltungskompetenz ausfüllen - und kann das auch," so Norbert Hufgard, Studioleiter von TV Touring Würzburg.

"Quizsendungen sind seit Monaten der Quotenrenner im deutschen Fernsehen." Dieses Konzept ließe sich auch im Lokal-TV erfolgreich adaptieren. Grundvoraussetzung dafür ist nach Meinung Hufgards allerdings die Integration von regionalen Themen in den Fragestellungen. Dies garantiere nicht nur eine hohe Zuschauerbindung, sondern bringe auch einen hohen Nutzen an vermitteltem Wissen, so Hufgard, der mit seiner Quizshow "Schlaumeier" bis zu 10,3 Prozent Marktanteil erreicht.

Nicht das Budget sei ausschlaggebend für den Erfolg einer Unterhaltungssendung im lokalen TV, meint Ool Osenbrügger von KirchMedia Entertainment. Er plädiert für Netzwerke. Ein großes Format könne sich kein einzelner Lokalsender leisten, aber im Verbund ließe sich eine Produktion bewältigen, entweder durch eine gemeinsame Produktionsinfrastruktur mit lokalem Moderator oder durch eine Sendung, in der zwei oder drei Städte gegeneinander antreten. Singlesshows funktionieren seiner Meinung nach nur in großen Ballungsräumen, wo die Anonymität gewahrt bleibt. Die Zukunft sieht Osenbrügger trotzdem vor allem im Bereich "Emotainment", dem Emotionsfernsehen. "Wir wollen Angst sehen, Tränen, aber auch Begeisterung." Das sei die Chance des Lokalfernsehens. Es könne viel näher an die Menschen herankommen.

Auch der geschäftsführende Justitiar des Bundesverbandes Deutscher Fernsehproduzenten, Prof. Dr. Johannes Kreile, rät den Lokalsendern zur Entwicklung von eigenen neuen Formaten. "Die Lokal-TVs müssen nicht immer von größeren Sendern ‚klauen'. Sie sollten - ähnlich wie Endemol dies gemacht hat - ihre eigenen Produktionskapazitäten auch durch einen Weiterverkauf ihrer Ideen nutzen."