Cookie Hinweis

Archiv / Suche:

Zurück zur vorherigen Seite

Newsflash, O-Ton und Wetter - Wieviel lokales Wort ist genug lokales Wort im Radio?

30.05.2001 | L10 / 2001

Maximilian Berg von Bayern 1 (München) ist der Ansicht, dass der Wortanteil erhöht werden muss, um mehr Hörer zu erreichen. Der Hörer ab 50 Jahre sei ein "Intensivhörer" mit erhöhtem Informationsbedarf. Bayern 1 setzt im Programm zusätzlich stark auf Hörerbindung, z.B. in Form von Gewinnspielen im Stil einer Quizshow. Das Feedback der Aktion zu Jahresbeginn war enorm: 500.000 potentielle Kandidaten haben sich in zwei Wochen telefonisch beworben.

Ina Tenz sieht ihr Münchner Programm Energy 93.3 als Unterhaltungs- und nicht als Informationssender. Kein Hörer erwartet, dass Energy ernsthaft in langen Reportagen über Krisen berichtet. Tenz: "Energy ist angenehme Unterhaltung." Comedy ist ein wesentlicher Teil des Programms. Ein weiterer wichtiger Punkt im Wortprogramm ist die Promotion. Im Vordergrund steht die Musik. Das Motto des Programms: "Sexy Hipp Young Fun".

Die publicom AG (Zürich) hat eine Studie zum Zappingverhalten von Radionutzern erstellt. Die Studie seines Instituts zeigt laut René Grossen-bacher, dass Zapping bei Radiohörern eher die Ausnahme ist. Zwei Drittel aller Hörer hören grundsätzlich nur ein einziges Programm. Als wichtigste Gründe des Wegschaltens (in absteigender Reihenfolge) wurden ermittelt: Musikauswahl, schlechter Empfang, lästige Wortbeitäge, zu viel Wort und unliebsame Gewinnspielen. Fazit der Studie ist: "Wort oder nicht Wort - das ist nicht die Frage."

Werner Weng, Geschäftsführer RMB Radio (Ludwigsburg): Das lokale Wort hat in den letzten zehn Jahren mit Sicherheit an Stellenwert verloren. So sind die Lokalnachrichten gekürzt, der klassische gebaute Beitrag ist so gut wie nicht mehr vorhanden. Dennoch ist die Lokalität nach wie vor Trumpf. Ohne Lokales fehlt dem Programm das Gesicht.

Programmchefin Yvonne Malak (Radioton) kämpft um ihre Hörerschaft mit allen Mitteln. Allerdings: Lokalität ist dabei nicht Trumpf, sondern bedeutet für sie eher "Provinzialität". Lokales Profil gewinnt das Programm z.B. durch Verkehrsmeldungen. Yvonne Malak schreckt vor dem Abschaltfaktor "lokales Wort" zurück und setzt lieber auf "mehr Musik". Lokales soll am Besten auf Nachrichten und Service beschränkt werden.

Programmleiter Günther Moosberger (Radio F) kann in seiner wortlastigen Spezialsendung "Vor Ort Spezial" (Tagesprogramm am Wochenende) keinen "Abschaltfaktor" erkennen. Es werden aktuelle oder zeitlose Themen in der monothematischen Sendung mit Studiogästen aufbereitet. Die Wortschiene muss seiner Ansicht nach intensiv positioniert werden. So laufen umfangreiche Offair-Aktionen, die das Programm begleiten. Das Konzept funktioniert laut Moosberger nur bei der Zielgruppe 40+. Moosberger: "Für den Imagegewinn ist "Vor Ort Spezial" ein ideales Konzept."