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Studie über wirtschaftliche Verflechtungen und Konkurrenz der Medien in Bayern: Lokaler Rundfunk stärkt lokal-publizistischen Wettbewerb

05.07.2001 | 44 / 2001

Der lokale Rundfunk in Bayern wird von keiner Unternehmensgruppe und von keinem Anbietertypus dominiert, auch nicht von den großen regionalen Tageszeitungsverlagen oder der Müller Medien GmbH & Co. KG (Unternehmensgruppe Familie Gunther Oschmann) bzw. einem anderen Unternehmen. Es gibt vielmehr eine starke Präsenz sonstiger kleiner und mittelständischer Firmen, Vereine oder Personen in den Programmgesellschaften des lokalen Rundfunks in Bayern. Die Lokalradios und das lokale Fernsehen haben zudem das Angebot lokal berichtender Medien in allen Regionen Bayerns deutlich erweitert, um neue Anspracheformen für viele Alters- und Interessengruppen bereichert und somit in zahlreichen bayerischen Stadt- und Landkreisen einen lokal-publizistischen Wettbewerb überhaupt erst wieder ermöglicht.

Diese Feststellungen gehören zu den zentralen Ergebnissen einer Untersuchung der Arbeitgruppe Kommunikationsforschung München (AKM), die unter der Projektleitung des Kommunikationswissenschaftlers Frank Böckelmann im Auftrag der BLM durchgeführt wurde. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden die lokalen Medienangebote in sämtlichen bayerischen Stadt- und Landkreisen sowie die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse bei sämtlichen bayerischen Hörfunk- und Fernsehprogrammen sowie der Tageszeitungs-, Anzeigenblatt- und Zeitschriftenverlage dokumentiert.

Weitere Kernergebnisse der Studie sind:

1. Bayern hat im Verhältnis zu anderen Bundesländern mit durchschnittlich 2,6 publizistischen Einheiten pro 1 Mio. Personen eine vergleichsweise vielfältige Presselandschaft. Gleichwohl findet derzeit auf dem Tageszeitungsmarkt in Bayern ein uneingeschränkter publizistischer Wettbewerb allenfalls in 14 der 96 Städte und Landkreise statt. Eingeschränkten publizistischen Wettbewerb gibt es in 20 Stadt- oder Landkreisen. In 62 der kreisfreien Städte und Landkreise hat demgegenüber die örtliche Tageszeitung eine Monopolstellung (65 Prozent).

2. Der Anzeigenblattmarkt wird ebenfalls von den Tageszeitungsverlagen dominiert, d.h. das führende Anzeigenblatt wird in 70 Landkreisen (73 Prozent) von einem Tageszeitungsverlag oder einer Tochtergesellschaft herausgegeben. In 8 Landkreisen (8,3 Prozent) wird das auflagenstärkste Anzeigenblatt von der Müller Medien GmbH & Co. KG (Oschmann-Gruppe) herausgegeben. Sonstige mittelständische Verlagsunternehmen nehmen die Erstanbieterposition lediglich in 12 Fällen ein und dies ausschließlich in dünn besiedelten Landkreisen.

3. Die Zeitungsverlage sind auch beim lokalen Hörfunk die vergleichsweise stärkste Gesellschaftergruppe mit einer gesellschaftsrechtlichen Beteiligungsgröße von insgesamt 47,1 Prozent bezogen auf den bayerischen Durchschnitt. Rund drei Viertel der Zeitungsbeteiligungen am lokalen Hörfunk (34,1 Prozent) entfallen auf die jeweiligen Marktführer vor Ort. Die Oschmann-Gruppe ist mit einem durchschnittlichen Anteil von 15,1 Prozent im lokalen Hörfunk in Bayern vertreten. 2,1 Prozent der Beteiligung entfallen auf Burda bzw. auf andere Multimedia-Unternehmen. Besonders hervorzuheben ist der mit 35,7 Prozent vergleichsweise hohe Anteil sonstiger Firmen bzw. Vereine oder Einzelpersonen.

4. Mit 15,7 Prozent fallen die Zeitungsbeteiligungen beim lokalen Fernsehen vergleichsweise gering aus. Die Oschmann-Gruppe ist am lokalen Fernsehen mit einer durchschnittlichen Kapitalbeteiligung in einer Höhe von 11,1 Prozent beteiligt, der Burda-Verlag bzw. andere Multimediakonzerne (Kirch-Gruppe) mit insgesamt 5,5 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Kapitalanteile entfallen beim lokalen Fernsehen auf sonstige Firmen bzw. Vereine oder Einzelpersonen.

5. Gewichtet man die Kapitalanteile der einzelnen Gesellschaftergruppen mit den Publikumsreichweiten der Sender (ähnlich wie beim Zuschaueranteilsmodell), erhöht sich der Beteiligungswert der Oschmann-Gruppe von 15,1 Prozent auf einen Marktanteil im lokalen Hörfunk von 19,3 Prozent. Das Gewicht der Tageszeitungsverlage reduziert sich demgegenüber auf 37,8 Prozent. Der Anteil von Burda bzw. anderer Multimediakonzerne beträgt bei dieser Gewichtung 5,3 Prozent und der Anteil der sonstigen Firmen, Vereine und Personen beträgt 37,6 Prozent. Das aufgrund dieser Betrachtung höhere Gewicht der Oschmann-Gruppe hat seinen Grund darin, dass diese Unternehmensgruppe insbesondere an Stationen mit größerer Hörerzahl beteiligt ist.

Der Präsident der BLM, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, bewertet die Ergebnisse der heute vorgestellten Untersuchung im Wesentlichen als Bestätigung der konzeptionellen Überlegungen der Landeszentrale, die von Anfang an von der Zielvorstellung einer dezentralen und gleichzeitig flächendeckenden Versor-gung Bayerns mit lokalen Rundfunkprogrammen ausgegangen sind. Die vielfältige Struktur der bayerischen Rundfunkangebote habe publizistischen Wettbewerb in den bis zur Einführung privater Rundfunkangebote ausschließlich durch die örtlichen Tageszeitungen dominierten Verbreitungsgebieten erst möglich gemacht. Dementsprechend werde eine vergleichbar große Angebotsdichte wie in Bayern in keinem anderen Bundesland auch nur annähernd erreicht.
Zurückblickend auf mehrere einschlägige Presseveröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit ließe sich darüber hinaus feststellen, dass der Stellenwert der sogenannten Oschmann-Gruppe als Gesellschafter im lokalen Rundfunk in Bayern meist überbewertet werde. Auch bei einer Gewichtung der gesellschaftsrechtlichen Beteiligung mit den tatsächlichen Reichweiten im Hörermarkt ergäbe sich für die Oschmann-Gruppe ein Anteil von weniger als 20 Prozent bezogen auf ganz Bayern, so dass von einer marktbeherrschenden Stellung keinesfalls die Rede sein kann. Vielmehr fördere die Präsenz der Müller Medien GmbH & Co. KG als Gesellschafter der bayerischen Hörfunk- und Fernsehangebote die Programmvielfalt und den intermediären Wettbewerb, da das Unternehmen sowohl unabhängig von den internationalen Medienkonzernen als auch von den regionalen Zeitungsverlagen operiere.

Der zusammenfassende Ergebnisbericht der Untersuchung ist als Band 66 der BLM-Schriftenreihe Titel "Wirtschaftliche Verflechtungen und Konkurrenz der Medien in Bayern" im Verlag Reinhard Fischer, München, erschienen. Der gesonderte Dokumentations-Band gibt einen vollständigen Überblick über das gesamte Angebot lokal informierender Medien in Bayern sowie die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse der untersuchten Medien.