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Total lokal: von der Late-Night-Show bis zum Szene-Magazin Erfolgreiche Programmformate für das lokale Fernsehen

12.06.2002 | L10 / 02

Ob unterhaltende Comedy, Ratgebersendungen oder Szene-Tipps für die "Nachtschicht" - für erfolgreiche Programmformate gibt es kein Patentrezept. Doch zwei Charakteristika prägen alle Fernsehformate, die unter dem Motto "Total lokal" auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg vorgestellt wurden. Zum einen: "Das lokalste Fernsehen, das man machen kann, geht direkt an den Menschen ran", so Hannes Ringlstetter (TVA Regensburg) über sein eigenproduziertes Format "TVA Unterwegs". Zum zweiten: Serviceleistungen aller Art sind gefragt. Dies demonstrierten Klaus Huber von Franken Info-TV Nürnberg mit dem Jugendformat "Nachtschicht" (Szene-Magazin mit Ausgehtipps) und Peter Jakob (TV Bayern) mit Ratgebersendungen rund um Garten und Gesundheit, die in verschiedenen bayerischen Lokalsendern platziert sind.

Schlüsselfaktoren für den Erfolg sind auf jeden Fall: Kreativität und Gespür für lokale Bedürfnisse und lokale Trends. Die Frage, ob sich diese eigenproduzierten Formate auch rechnen, konnte mehrheitlich positiv beantwortet werden. Allerdings müssten die Produktionskosten möglichst gering gehalten und Plattformen für Werbekooperationen geschaffen werden. Dass die Produktion lokaler Formate sehr kostspielig ist und den TV-Stationen wirtschaftlich auch den Hals brechen kann, berichtete Claire Mack von der britischen Regulierungsbehöre Independent Television Commission. Nur neun von 17 lizenzierten TV-Lokalprogrammen hätten überlebt. Nachdem die ITC eingesehen hätte, dass die Vorgabe von 60 Prozent lokaler Inhalte nicht einzuhalten ist, wäre die Gesetzgebung jetzt entsprechend geändert worden, so Mack. Künftig soll stärker auf "formatting" gesetzt werden, um den Cash-Flow zu erhöhen.

Ganz anders funktioniert Lokal-TV in den USA. Dort befinden sich die insgesamt mehr als 2000 Lokalstationen im harten Wettbewerb mit den anderen Programmen im Kabelnetz sowie mit lokalen Printmedien und Radiosendern. Von 62 Programmen im Kabelnetz werden im Durchschnitt nur 13 tatsächlich gesehen, erläuterte Peter Schröder vom Journalistenbüro us-contact in Miami. Die lokalen Sender dort setzen deshalb auf Syndication: Das Mantelprogramm liefern die großen Networks, die Nachrichten und Informationen sind der originäre lokale Bestandteil, präsentiert von so genannten Anchors. Über 30 Prozent jeder Sendestunde werden durch Moderationen und Livetalks bestritten: Möglichst viele Köpfe - vom Anchor über Experten und Reporter bis hin zum Wetterfrosch - sind ein Muss. Und damit ist die Verbindung zum bayerischen Lokalfernsehen in gewisser Weise wieder hergestellt: Auch hier wird, wie z.B. Hannes Ringslstetter eindrucksvoll belegte, auf Persönlichkeiten gesetzt.

Rückfragen: 11./12. Juni 2002 Telefon: 0911/8606-4637, ab 13. Juni: 089/63808-313