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Mehr Sehen und Hören - Gemeinsame Konzepte für Radio und Fernsehen

11.06.2002 | L7 / 02

Spätestens seitdem Domian im Westdeutschen Rundfunk parallel in Radio und Fernsehen talkt, wissen wir, dass Crossmedia-Projekte erfolgreich sein können. Der Latenight-Talker erreicht von montags bis freitags bis zu 290.000 Zuschauer und Zuhörer bundesweit. Doch ist diese Quote auch tagsüber mit seriösen Themen zu erreichen? Mit welchen Programmformaten kann man die Stärken von Fernsehen und Radio gleichermaßen nutzen? Diese Frage stellten sich die Rundfunkmacher am Dienstag im Rahmen der 10. Lokalrundfunktage in Nürnberg.

Seit 1995 gehen Bayern 2-Radio und BR alpha mit der mittäglichen monothematischen Diskussionssendung "Das Tagesgespräch" parallel auf Sendung. Themen, die morgens theoretisch auch in der Straßenbahn besprochen werden könnten, werden mit einem Gast, dem Moderator und mit Anrufern von außen vor nüchterner Hörfunkkulisse diskutiert. Die Vorteile der Kooperation von Radio und TV liegen laut Bayern 2- Programmchef Klaus Kastan klar in der größeren Reichweite für wenig Mehrkosten. Seit der Zusammenarbeit erreicht die Sendung Zuschauer und Zuhörer in ganz Deutschland. Sie sei deswegen erfolgreich, weil die Zuschauer klar ihre Meinung sagen könnten. Jedoch habe die Hörfunk-Sendung seitdem ein bisschen an Flexibilität eingebüßt, da sie ortsgebundener sei.

Auf dem CityInfo-Kanal kann der Zuschauer morgens den Autoverkehr in München an den entscheidenden Knotenpunkten beobachten. Im Hintergrund läuft das Morgenprogramm von Radio Charivari 95,5, auf den Homepages der Sender sind ebenfalls die aktuellen Verkehrsbilder zu sehen. "Wir profitieren bei dieser Zusammenarbeit durch die gegenseitige Bewerbung und durch die Aufwertung der Images," so Charivari-Geschäftsführer Thomas Hagenauer. "Finanziell ist das Modell bislang noch nicht interessant."

Auch hr3-Redaktionsleiter Rolf Müller setzt auf den "Voyeurismus der Radiohörer". Unter dem Motto "Radio glotzen" lockte er 1994 mit der Sendung "Pop&Weck TV" bis zu 140.000 Zuschauer vor den Fernseher. Allerdings wurde das "spaßige Chaos" bald unterbunden und in das etwas seriösere "hr3 Früh-TV" umgewandelt, das seit September 2000 zwar niedrigere Quoten erzielt, da laut Müller die Aktion ein bisschen zu kurz komme, aber seine Macher dennoch zufrieden stellt: "Man kann mit dem gleichzeitigen Fernsehangebot zwar nichts verdienen, aber jede Menge Geld sparen," so der Redaktionsleiter. Einen billigeren Bildschirmfüller gäbe es nicht, der zudem ein guter Probelauf für das digitale Fernsehen sei und durch die Interaktion Hörer binde.

Der Crosspromotion hat sich auch der Freiburger Radiosender FR1 und seine 100%ige Tochter FR TV Südbaden verschrieben. Seit September des letzten Jahres nutzen die beiden Sender die Synergieeffekte laut der stellvertretenden Programmleiterin Kerstin Osygus für Programmhinweise, Gewinnspiele, Werbeeinspielungen und Messeauftritte. Umfragen im Juni dieses Jahres zeigten, dass der Kabel-TV-Sender bereits bei knapp einer halben Million Zuschauer, 44 Prozent aller potenziellen Rezipienten, bekannt ist.

Trotz der Erfolge der Kooperationsmodelle zwischen Fernsehen und Hörfunk, bleibt nach Kastan zu bedenken, dass manche Fernsehformate völlig untauglich für eine Radiosendung seien. Beispielsweise könne es bei einer parallelen Schaltung keine Talkshow mit mehreren Gästen geben, ohne den Radiohörer zu verwirren. Der Bayerische Rundfunk versucht deshalb wieder, auf die Besonderheiten der unterschiedlichen Formate einzugehen. Dort wird einmal im Jahr eine Woche lang jeden Tag im Bayerischen Fernsehen und in Bayern 1 eine zweistündige Sendung parallel abgespielt. Wenn im Radio Musik ertönt, werden im Fernsehen Videos gezeigt. "Ein enorm teures Unterfangen", so Moderator Thomas Giebelhausen, "aber mit enormen Einschaltquoten."

Rückfragen: 11./12. Juni 2002 Telefon: 0911 / 8606-4637