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Perspektiven des Filmnachwuchses beim Fernsehen: "Garantien gibt es nicht mehr"

01.12.2004 | 73 / 2004

Die Lage der Filmwirtschaft hat sich durch die wirtschaftliche Stagnation verschlechtert, dennoch können Anstrengungen von Nachwuchs-Filme­machern im Fernsehen von Erfolg gekrönt sein. Dabei kann die „Arena“ täglicher Produktionen genauso wie die „Nische“ (z.B. Dokumentationen) genutzt werden. Dies war die Quintessenz der Podiumsdiskussion „Arena oder Nische? – Perspektiven der Nachwuchs-Filmemacher beim Fernsehen“, zu der die Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) und die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) eingeladen hatten.
 
Prof. Manfred Heid, Prorektor der HFF und dort zuständig für Produktion und Medienwirtschaft, betonte, wie wichtig eine gute Qualifizierung für den Berufs­einstieg von Autoren, Produzenten und Regisseuren in die Film- und Fernseh­branche sei: „Wir müssen besser, mehr und gezielter ausbilden denn je.“ Noch wichtiger für alle „Einsteiger“ wäre es, das Netzwerk von ehemaligen Absol­venten der HFF zu nutzen und sich in der Ausbildung intensiv mit dem Medium Fernsehen zu beschäftigen. „Die Hybris, TV-Sender und deren Programme nicht wahrzunehmen“, könne sich heute kein Absolvent von Filmhochschulen leisten, erklärte Heid. Gleichzeitig lobte er die privaten Sender, die bei der Beschäftigung von „Neuen“ in der Branche mutiger seien.
 
In diesem Zusammenhang betonte BLM-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, dass die Beobachtung der Entwicklung der Fernsehlandschaft dringend not­wendig sei, denn gerade die neuen digitalen Angebote oder lokalen Fernseh­sender würden Chancen für den Nachwuchs bieten.

„Authentisch müssen erfolgreiche Stoffe sein. Nachahmungen und Imitate ausländischer Drehbücher floppen meist“, beschrieb Christian Balz, Leiter der Abteilung Deutsche Kinofilme und TV Movies bei ProSieben, die Erwartungen eines privaten TV-Senders an die Absolventen deutscher Filmhochschulen.
 
Fördermaßnahmen, wie sie der Geschäftsführer des FilmFernsehFonds Bayern (FFF), Dr. Klaus Schaefer, skizzierte, sind nach wie vor eine gute Unterstützung für Einsteiger, erklärte Autor und Regisseur Thomas Kronthaler, der als HFF-Absolvent mit dem Erfolg seines Erstlingswerks „Die Schein­heiligen“ nach eigener Aussage die „Visitenkarte“ für die Film- und Fernseh­branche erhielt. Beide Diskutanten betonten, wie bedeutend die Vorlage eines reellen Konzeptes vom guten Drehbuch bis zur Kostenkalkulation der Post-Produktion für eine Förderung bzw. eine Auftragserteilung sei.
 
Hoffnungsvoll blickte auch einer, der den Durchbruch geschafft hat, in die Zukunft. Mischa Hofmann, Geschäftsführer von Hofmann & Voges Enter­tainment und selbst Absolvent der HFF, ermutigte Anfänger, ihr Ziel energisch zu verfolgen, solange sie dabei analytisch denkend, wettbewerbsfähig und kreativ vorgingen. „Selbstverwirklichung ist durchaus möglich, wenn der Wille da ist.“ Allerdings sollten sich Anfänger mehr der „Königsdisziplin“ im Fern­sehen, nämlich der Serie widmen. Außerdem müssten sie viel Durchhalte­vermögen während der „Investitionsphase“ von etwa drei Jahren beweisen, in denen das Anfangsgehalt eher mager ausfallen könnte.
 
Als Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender zur Kulturpflege und Förderung des Medienstandorts Bayern bezeichnete Bettina Reitz, Leiterin Programm­bereich Spiel – Film – Serie des Bayerischen Rundfunks, das Bestreben ihres Senders, die Qualität und Quantität von Nachwuchsfilmen zu halten. Dass es Kürzungen und einen Stillstand bei der Planung fiktionaler Programme gebe, gestand sie gleichwohl ein: „Garantien gibt es nicht mehr“ – weder für feste Stellen beim Fernsehen noch für Sendeplätze.