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Informationssitzung des Medienrats zu Digital Radio (DAB): „Für die Digitalisierung des Hörfunks und den Empfang neuer mobiler Multimedia-Dienste ist DAB das beste System“

26.11.2004 | 72 / 2004

Nachdem der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) bereits am 14. Oktober eine Marketing-Offensive für Digital Radio (DAB) beschlossen hatte, informierte er sich am gestrigen Donnerstag in einer speziell angesetzten Sitzung über den derzeitigen Stand der Entwicklung von DAB. Als Referenten waren Prof. Dr. Gert Siegle von der Initiative Marketing Digital Radio (IMDR) und Anton Hierhager, Director Business Developement Texas Instruments Europa GmbH, eingeladen.
 
Prof. Siegle betonte in seinem Vortrag, dass es nach wie vor für die Digitalisierung des Hörfunks kein besseres System als DAB gebe. Schuld an der bisher schleppend verlaufenden Entwicklung sei auch der Föderalismus in Deutschland, da weder die Länder noch die Landesrundfunk- und Landesmedienanstalten an einem Strang ziehen würden, und das, obwohl es einen Beschluss der Bundesregierung gebe, DAB als System einzuführen. Das habe zu einer Verunsicherung der Industrie, des Handels und der Konsumenten geführt. Dagegen würde die Entwicklung etwa in Großbritannien und Dänemark wesentlich positiver verlaufen. Man dürfe allerdings nicht vergessen, dass sich DAB in Deutschland erst seit dem Jahr 2000 im Regelbetrieb befinde und dass es immer eine gewisse Zeitspanne benötige, um ein neues technisches System im Markt einzuführen. Wichtig für die weitere Entwicklung sei, so Siegle, dass es mittlerweile von allen deutschen Automobilherstellern positive Stellungnahmen zu DAB gebe und die Bereitschaft, nach und nach DAB-Autoradios als Grundausstattung in neue Modelle einzubauen. Diese Entscheidung stärke die exportorientierte deutsche Automobilindustrie. Die Medienpolitik, die Rundfunkanstalten und die privaten Anbieter forderte Siegle auf, DAB nicht länger tot zu schweigen. Der Ausbau der Netze müsse planmäßig fortgesetzt und die Leistung der Sender deutlich erhöht werden. Bei der Stockholm-Nachfolgekonferenz 2006 müsse sich Deutschland weitere Frequenzen für DAB sichern. Außerdem sollten mehr und großflächiger Dienste über DAB angeboten werden, um beim Konsumenten neue Anreize zu schaffen. 
 
Auch Hierhager kritisierte in seinem Vortrag, dass die Konsumenten in Deutschland zu wenig über DAB wüssten. Dadurch fehle beim Handel die Nachfrage, so dass derzeit kaum DAB-Geräte angeboten würden. Die Nachfrage könne nur durch mehr Information und Marketing über DAB entstehen. Dabei seien vor allem die Hörfunkanbieter selbst gefordert. Wenn der Markt für DAB anlaufe, beinhalte das System eine große wirtschaftliche Chance für alle Beteiligten. Die Sender könnten mit DAB neue Erlösmodelle entwickeln und sich im Wettbewerb mit anderen digitalen Diensteanbietern erfolgreich behaupten. Für die Geräteindustrie und den Handel würde ein neuer wichtiger Absatzmarkt entstehen. Um diese Chancen zu nutzen, bedürfe es von der Medienpolitik klarer und eindeutiger Aussagen und Bekenntnisse zu DAB. Nur dadurch würde die Verunsicherung bei Konsumenten, Geräteindustrie, Automobilindustrie und Hörfunksendern gestoppt. Wie es laufen könne, so Hierhager, zeige die Situation in Großbritannien, wo mittlerweile die Nachfrage nach Digitalradios größer sei als die nach analogen UKW-Geräten und dies auch zu einer höheren Umsatzrendite führt.
 
Zum Abschluss der Veranstaltung betonte Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentral für neue Medien, dass das wichtigste Ziel der Marketing-Offensive der Landeszentrale sei, die Verbraucher über DAB zu informieren. "DAB ist sowohl für die Digitalisierung des Hörfunks als auch für den mobilen Empfang  unterschiedlichster Dienste das ideale System. Es ist zukunftsfähig, da künftige Chiptechnologien das jetzige System berücksichtigen werden. Die Defizite liegen nicht im DAB-Standard, sondern in der Information über das System und in der bisherigen Vermarktung."