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Michael Rosenblum predigt digitale Revolution im TV-Journalismus - Videoreporter: schneller, kreativer, flexibler und kostengünstiger

30.06.2004 | L13 / 2004

Ein Fernsehteam mit Kameramann, Toningenieur und Redakteur ist noch das gewohnte Bild in Deutschland. Große, schwere Betacams statt kleiner, digitaler Videokameras beherrschen noch die Fernsehszene. Das muss anders werden, wenn es nach Michael Rosenblum geht, der bei den Nürnberger Lokalrundfunktagen temperamentvoll demonstrierte, wohin die Reise im Fernsehjournalismus gehen soll. Der Fernsehmann und Trainer trommelt weltweit für die Umsetzung der digitalen Revolution im Fernsehjournalismus: Flinke Videoreporter sind Journalisten, Kameramänner und Cutter in Personalunion. Unterwegs mit Camcorder und Schnittsystem auf dem Laptop können sie von überall aus der Welt ihre Beiträge erstellen und an die Redaktion übermitteln. Videojournalismus, so das Credo von Rosenblum, sei schneller und damit aktueller, flexibler und kostengünstiger. Entscheidend sind seiner Meinung nach aber nicht die Kostenvorteile, die ein Sender durch den Einsatz von 100 Videojournalisten statt weniger Betacam-Teams hat, sondern die Steigerung der Authentizität und Kreativität. "Was wir senden, ist schrecklich. Alle Nachrichtensendungen sehen gleich aus. Die Technik schränkt uns ein. Dabei ist Fernsehen ein absolut plastisches Medium", so Rosenblum. Kein Sender sei bereit, Risiken einzugehen, Stories anzugehen, ohne gleich ein sendefertiges Produkt zu bekommen, oder Journalisten einfach mal etwas ausprobieren zu lassen. Dabei müsse die Maxime für eine Fernsehstation lauten, journalistisch zu arbeiten und nicht wie ein Hollywood-Studio. Das alles sei durch den Einsatz von Videoreportern möglich. Für den Preis einer Betacam bekäme man ca. 35 Camcorder, betonte Rosenblum. Dazu kämen noch Funktelefone, digitale Schnittsysteme und ein Training für die Videoreporter ("Diese Revolution wird von der Technik angetrieben.") Digitale Videokameras ermöglichten es, Geschichten zu erzählen und die Wahrheit zu kommunizieren. Videoreporter sind also nicht nur ein Sparmodell, sondern sie garantieren gerade im lokalen Bereich durch aktuelle Bilder aus der Region eine hohe Zuschauerbindung. Die BBC hat sich von Michael Rosenblum bereits überzeugen lassen: 2002 stellte sie ihre komplette Berichterstattung aus der Region um und engagierte 650 Videojournalisten. In Schweden, Belgien und den Niederlanden sind Videoreporter auch schon häufig im Einsatz. Auch in Deutschland setzt sich das neue Berufsbild allmählich stärker durch: Videoreporter werden nicht nur in den Privatstationen, sondern beispielsweise auch beim Hessischen Rundfunk eingesetzt.