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"Einen guten Sender erkennt man an seiner guten Promotion!"

29.06.2004 | L / 8 / 2004

Auf Promotionkampagnen kann heutzutage kein Radiosender verzichten - vor allem nicht, während die Quotenanalysen durchgeführt werden. Wie aber sieht die Promotion der Zukunft aus? Und welche Art von Promotion hebt sich heute schon positiv von den Allerweltskampagnen ab? Darüber diskutierten Programmverantwortliche und Marketingexperten im Rahmen der BLM-Lokalrundfunktage 2004. "Die kreativsten Promotionideen kommen derzeit von den kleinen Sendern", sprach einleitend Hermann Hohenberger den anwesenden Lokalradiomachern aus dem Herzen. Der Mediaberater von Broadcast-Future stellte auch einige originelle Kampagnen aus Deutschland und aller Welt vor: Ein Lokalsender aus Nordrhein-Westfalen lädt seine Hörer zum Boxkampf gegen einen Gegner ihrer Wahl ein; in Sachsen-Anhalt kann man "seine Alte verkoofen" - oder zumindest für ein paar Stunden im Einkaufscenter loswerden; in Atlanta bezahlt ein Reporter wahllos die Restaurantrechnungen von (potentiellen) Hörern. Am Ende profitiert von diesen Aktionen neben dem Hörer und dem Sender stets auch der Werbekunde. "Niedersachsen packt aus" hieß die Major-Promotion-Kampagne von ffn aus Niedersachsen in diesem Frühjahr. Jeden Morgen wetteten die beiden Morning-Show-Moderatoren miteinander, ob es gelingt, bis zum Nachmittag einen Hörer aufzutreiben, der schon einmal einen Geist gesehen hat oder vor dem Altar versetzt worden ist oder unschuldig im Gefängnis saß usw. Die Hörer konnten telefonisch ihre Tipps abgeben und täglich 1000 Euro gewinnen. "Es ging dabei aber nicht ums Geldverdienen", erzählte ffn-Programmdirektorin Ina Tenz, "sondern um die spannenden Geschichten der Hörer" und um eine Stärkung des Sender-Images als "überraschend/anders". Hochspannung war auch beim Berliner Rundfunk 91!4 während der MA-Welle 2004 angesagt. Dort ging "6 Stunden Berlin - der erste Echtzeitkrimi im Radio" in 12 Episoden von maximal drei Minuten Länge über den Äther. Die Hörer konnten selbst Detektiv spielen und Eintrittskarten für ein Kriminaltheater gewinnen. Noormann bezeichnete die Kampagne als "bewusste Gegenstrategie" zu den unzähligen Gewinnspielen in Berlin mit hochwertigen Preisen: "Wir haben erfolgreich auf Inhalt statt Geld gesetzt", so Noormann. Mohamed Anayssi von der TOP Radiovermarktung in Berlin erinnerte daran, dass nicht jede Promotionkampagne zu jedem Sender passt. Es müsse stets beachtet werden, in welcher "Phase" sich eine Station befinde und was sie erreichen wolle. Bei 94'3 r.s.2 in Berlin sollte die neue Morning-Show bekannt gemacht werden. Folgerichtig mussten Hörer am Telefon lediglich deren Titel "Katrin und der Kaiser" nennen. Der Gewinner durfte mit 100 Freunden in einer Privatmaschine an einen Ort seiner Wahl fliegen. Die Radiomacher pochten in der abschließenden Diskussion darauf, dass sie eben kein "Sekundärmedium" seien. Im Gegenteil: Die Menschen würden wieder bewusster zuhören. Über originelle und spannende Inhalte könne und müsse man erreichen, dass mehr über das Medium Radio gesprochen werde.