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Sehnsucht nach Gemeinschaft auch im Internet-Zeitalter - 4. Interdisziplinäre Fachtagung des JFF und der BLM untersucht mediale Räume der Identitätsbildung für Jugendliche

01.12.2008 | 88 / 2008

Die Sehnsucht der Jugendlichen nach Gemeinschaft besteht auch heute, nur haben die Formen sozialer Beziehungen teilweise neue Gestalt angenommen und dabei spielen Medien eine zentrale Rolle. Dies war ein Fazit der 4. Interdisziplinären Fachtagung „Jugend – Medien – Identität“, die das JFF – Institut für Medien­pädagogik in Forschung und Praxis in Kooperation mit der Bayerischen Landes­zentrale für neue Medien (BLM) am 28. November in München veranstaltet hat und die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Wie sich das Medienhandeln in die Identitätsbildung einklinkt bzw. wie Jugendliche die virtuellen Räume dafür nutzbar machen, diskutierten Experten aus den Bereichen Jugendsoziologie, Jugendszeneforschung und Medienpädagogik.
 
Medien sind für die lebensweltliche Orientierung von Jugendlichen von zentraler Bedeutung: Jugendliche nutzen sie zunehmend im Prozess der Herausbildung ihrer Identität. Dabei manifestiert sich der veränderte Charakter der Identitätsbildung Jugendlicher in virtuellen Räumen besonders deutlich. So können im Netz mehrere, auch widersprüchliche Identitäten angenommen und erprobt werden. Aber nicht nur die Simulation einer realen oder experimentellen Identität ist möglich, sondern auch deren Ausleben – und zwar vermeintlich ohne die Gefahr sozialer Sanktionen.
 
Die Möglichkeit, sich im Internet selbst Räume zu gestalten, Räume anderer auf­zusuchen, mit anderen in Kommunikation zu treten, kann zum eigenständigen Bestandteil der Identitätsfindung und zum eigenen Lebensraum werden. Dabei wird die Identitätsbildung speziell in virtuellen Räumen vom Wunsch der Jugendlichen nach Zugehörigkeit und sozialer Anerkennung bestimmt sowie vom Streben nach Autonomie. Essenzielle Bestandteile dieser Identitätsbildung sind:

  • die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der „eigenen Hülle“: Jugendliche präsentieren sich online mit attraktiven Profilen oder aber auch bewusst als außerhalb der Gesellschaft stehend
  • die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit den eigenen Talenten: Jugendliche stellen sich mit ihren Hobbies, Fähigkeiten und Interessen online dar
  • die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit dem engeren und weiteren sozialen Umfeld: Die Freundschaftspflege und das Austragen von Konflikten werden zunehmend über Instant Messenger und Social Networks realisiert.

Als Beispiele für die mediale Identitätsbildung von Jugendlichen wurden im Rahmen der Tagung soziale Netzwerke sowie Plattformen zur Entwicklung und Produktion eigener Medienprojekte vorgestellt.
 
Zu dieser Fachtagung wird im Frühjahr Band 4 der Schriftenreihe „Interdisziplinäre Diskurse“ im kopaed Verlag erscheinen.
 
Weitere Informationen unter: JFF – Institut für Medienpädagogik, Prof. Dr. Helga Theunert, Tel. (089) 689 89-0, www.jff.de

 
 
>> Kontakt: Dr. Wolfgang Flieger, Tel. (089) 63808-313, wolfgang.flieger@blm.de