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Fake oder Verantwortung - Die Glaubwürdigkeit des modernen Radios

02.07.2008 | L12 / 2008

Hat das moderne Radio ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn geschnittene Interviews als live verkauft werden, Korrespondenten gar nicht vor Ort sind oder aus Kostengründen PR-Beiträge ausgestrahlt werden? Führen manche Praktiken der Radioproduktion, die in der Branche weitgehend akzeptiert sind, aber vom Hörer durchschaut werden, zu einem Vertrauensverlust? Mit diesen Fragen setzte sich der Workshop „ Fake oder Verantwortung – Hat Radioethik eine Chance?“ am 1. Juli auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg auseinander.
 
„Man betreibt einen Ausverkauf mit dem eigenem Medium und setzt damit die Zukunft des Radios aufs Spiel, wenn man in Radioprogrammen trickst und betrügt, den Hörer in Gewinnspielen an der Nase herumführt und in Informationssendungen für dumm verkauft,“ so die freie Hörfunkjournalistin Sandra Müller. Sie arbeitet für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Dies betreffe den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk gleichermaßen. 2007 wurde sie deshalb Mitbegründerin der Initiative FAIR RADIO, die „für ein glaubwürdigeres Radio“ wirbt und dafür Leitlinien aufgestellt hat (www.fair-radio.net). Angesichts des Konkurrenzdruckes, auch durch Internetradios und digitale Kanäle sowie der neuen Techniken, wachse die Versuchung, journalistische Ethik mal außen vor zu lassen. Ihr Traum ist es, FAIR RADIO als eine Art Gütesiegel zu vergeben und damit Radiosender anzuspornen, korrekt zu arbeiten. FAIR RADIO soll dabei als „Rückenstärker“ und „Beichtstuhl“ dienen.
 
Auch Norbert Linke, der als Leiter der Nachrichtenredaktion bei HIT RADIO FFH gleichzeitig für die Ausbildung der Volontäre zuständig ist, sieht Defizite im Selbstverständnis der Radiomacher. Da der Pressekodex nur Printmedien regelt und Live-Situationen ganz ausspart, legte er zusammen mit seinem Projektteam „Hörfunk“ der Bundeszentrale für politische Bildung im Sommer 2008 einen Radio-Kodex vor, der ethische Standards der Radioarbeit formuliert (www.hoerfunker.de). „Ziel ist es, ein praxisnahes, alltagstaugliches und lösungsorientiertes Regelwerk ethischer Standards redaktionellen Handelns in Radiostationen zu entwickeln. Zentrales Kriterium ist die Authentizität von Programm: Bekommt der Hörer, was er zu bekommen glaubt? Ist, was er hört, das, als was es erscheint?“ Notwendig sei dieses Regelwerk, da drei von vier Menschen täglich Radio hören und man mit dieser Reichweite auch eine Verantwortung habe. „Authentizität, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit entscheiden über die Akzeptanz des Mediums in der Zukunft.“
 
Auch die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Rundfunk (AER), die diesen Workshop zusammen mit der BLM organisierte, arbeitet laut Pfarrer Bernhard Götz von der Evangelischen Funk Agentur München, der den Workshop moderierte, an einem Kriterienkatalog für Volontäre.
 
Matthias Müller, geschäftsführender Gesellschafter der 2255 Media GmbH&Co.KG, die das Gewinnradio 2255 live betreibt, wollte so recht den Bösewicht des Workshops nicht spielen. „Es gibt bei Gewinnspielen strenge Richtlinien, an die wir uns halten, ja halten müssen, da es sonst Betrug wäre und wir rechtliche Konsequenzen zu befürchten hätten.“ 
 
  
 
Rückfragen:
 
1. bis 2. Juli 2008 Telefon: 0911 / 8606-6940