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Start von Digital Radio Plus ist Ende 2009 möglich - BLM-Forum diskutierte in Berlin Netzbetrieb und Netzkosten des Digital Radios

23.09.2008 | 66 / 2008

Bei ihrem Treffen vom 22. bis 24. Oktober 2008 werden die Ministerpräsidenten der Länder voraussichtlich beschließen, die Bedarfsanmeldung für bundesweite Multi­plexe zum Betrieb von Digital Radio umgehend an die Bundesnetzagentur zu leiten. Das kündigte Dr. Harald Hammann, Rundfunkreferent in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, auf dem Forum „Digital Radio: Wettbewerb beim Netzbetrieb“ der Bayerischen Landes­zentrale für neue Medien (BLM) an, das am Montag, 22. Sep­tember, in Berlin statt­fand. Der geplante Start von Digital Radio Plus ist damit bis Ende 2009 möglich. Rundfunkveranstalter, Politik, Regulierungs­behörden und potenzielle Netzbetreiber bekundeten auf dem BLM-Forum ihren Willen, die Rah­menbedin­gungen für den Neu­­start von Digital Radio rechtzeitig zu schaffen.
 
BLM-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring hatte einleitend angemahnt, den der­zeiti­gen Stillstand zu überwinden. Ein Planungs-, Kosten und Marketingkonzept sei dringend erforderlich. Derzeit seien 79 DAB-Programme on Air, darunter 54 private. Knapp eine halbe Million  Endgeräte seien im Markt. Damit gäbe es etwa in einem Prozent der Haushalte ein DAB-Gerät. Aus seiner Sicht ist es untragbar, dass die Programmanbieter allein das finanzielle Risiko tragen. Auch Sendernetzbetreiber müssten hier stärker einbezogen werden.
 
In der Podiumsdiskussion lieferten sich die Beteiligten einen heftigen Schlagab­tausch. Insbesondere die Deutsche Funkturm, eine Tochter der Deutschen Tele­kom, sah sich dabei Angriffen ausgesetzt. Für einen gewinnbringenden Wettbewerb müsse sie ihr Preissystem dringend überprüfen, verlangten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion vom Vorsitzenden der Geschäftsführung, Dr. Rudolf Pospischil. Er zeigte wenig Entgegenkommen: Die Deutsche Funkturm biete mit ihren über 20.000 Funkstandorten allen ihre Dienste zu den gleichen Bedingungen an.
 
Nach Ansicht von Florian Fritsche, Geschäftsführer von Derutec, einem Gemein­schafts­unternehmen von RTL Radio Deutschland und REGIOCAST, sind die Deutsche Funkturm und der Plattformbetreiber Media Broadcast bisher eher als Verhinderer aufgetreten denn als Partner.
Hans Dieter Hillmoth, Geschäftsführer von Radio/Tele FFH, Digital 5 und Vize­präsident des  VPRT, forderte ein konzilianteres Verhalten von der Deutschen Funkturm und mahnte an, gemeinsame Lösungen zu finden. 
 
Der Geschäftsführer der Media Broadcast, Helmut Egenbauer, kündigte in Berlin eine Optimierung der Netzkosten an. Obwohl er sich nicht auf Preisdiskussionen einlassen wollte, wurde in seinen Ausführungen dennoch deutlich, dass die Kosten für die Verbreitung eines bundesweiten Digitalradioprogramms künftig im unteren einstelligen Millionenbe­reich liegen dürften. Er zeigte sich überzeugt, dass Radio seine eigene Plattform brauche. Das Internet spiele eine wichtige Rolle, sei aber nicht der Hauptver­breitungsweg, ebenso wenig wie DVB-T.
 
Dass es bei der erfolgreichen Einführung von Digital Radio primär auf die Einigkeit aller Akteure ankommt, zeigte Matthias Ramsauer, Vizedirektor der BAKOM, anhand des Schweizer Modells. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen öffentlich-recht­lichem und privatem Rundfunk sei der Netzbetrieb für den DABplus-Standard auf die Beine gestellt worden. An der 2008 gegründeten und mit 620.000 Euro Start­kapital ausgerüsteten SwissMediaCast halte die öffentlich-rechtliche SRG 17 Pro­zent, den Rest teilten sich 22 private Veranstalter. Die SRG trage das finanzielle Risiko. 
 
 

>> Kontakt: Johannes Kors, Tel. (089) 63808-310, johannes.kors@blm.de