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BLM feiert ihr 25-jähriges Bestehen

26.03.2010 | 24 / 2010

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat am gestrigen Donnerstag im Rahmen einer Sondersitzung des Medienrats ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Am 20. März 1985 hatte die konstituierende Sitzung des Medienrats der BLM stattgefunden. Am 1. April 1985 haben dann die ersten fünf Mitarbeiter der Landeszentrale ihre Arbeit aufgenommen.

Vor etwa 150 aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Medienrats und Verwaltungsrats, den Mitarbeitern der Landeszentrale und weiteren externen Gästen hob der Präsident der BLM, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, in seiner Begrüßungsrede die besondere Stellung der Landeszentrale als öffentlich-rechtlicher Träger der privaten Rundfunkangebote in Bayern hervor:
„Der Artikel 111a der Bayerischen Verfassung hat dazu geführt, dass der Gesetzgeber der BLM und ihren Gremien, allen voran dem Medienrat, eine besondere Stellung zugewiesen hat, mit größerer Steuerungsfunktion gegenüber privaten Anbietern als das in anderen Bundesländern der Fall ist“, so Ring. Nicht zuletzt durch die Arbeit der Landeszentrale sei Bayern heute der bedeutendste Standort privater Hörfunk- und Fernsehunternehmen in Deutschland, an dem über 40 Prozent des Gesamtumsatzes der privaten Rundfunkbranche erwirtschaftet werde.

Dieses Faktum dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine Reihe ungelöster Probleme gebe. Der BLM-Präsident nannte hier vor allem den Übergang des lokalen Hörfunks und Fernsehens von analoger zu digitaler Verbreitung sowie die Sicherstellung der Qualität lokaler Angebote, die „überlebenswichtig“ sei. Notwendig sei für die Zukunft auch eine Besinnung auf die Stärken der BLM. Hier nannte er im Besonderen die Felder Aus- und Fortbildung, Medienpädagogik und Medienkompetenz und den Jugendschutz. Ring weiter: „Über Jahre erfolgreich zu sein, bedeutet auch Verantwortung für die Zukunft zu tragen. Verantwortung nicht nur im Hinblick darauf, das Erreichte zu bewahren, sondern vor allem es weiter zu entwickeln. An diesem Punkt sind wir alle gefordert. Eine besondere Verantwortung aber obliegt hier zweifellos der Medienpolitik. Nur sie ist in der Lage, die notwendigen Weichenstellungen herbei zu führen. Das erfordert Selbstbewusstsein, Mut und Durchsetzungsvermögen auch im bundesweiten Kontext. Die Chancen sind da, wir sollten alles tun, um sie zu nutzen.“

Der Medienratsvorsitzende, Dr. Erich Jooß, betonte in seiner Rede, dass der Medienrat der BLM trotz rasanter technologischer Entwicklungen und Veränderungen im Nutzerverhalten, immer wieder Entscheidungen getroffen habe, „die der bayerischen Medienlandschaft erst ihre unverwechselbare Signatur gegeben haben. Dazu gehört beispielsweise das Bewusstsein, dass Medien und regionale/lokale Nähe kein Widerspruch sind, sondern ein gesellschaftspolitischer Glücksfall. Oder die Überzeugung, dass sich Angebotsvielfalt nicht erfolgreich und dauerhaft organisieren lässt ohne eine vorausgehende Vielfalt der Anbieter.“ Eindringlich mahnte Jooß an, sich den Fragen der Zukunft zu stellen: „Geben wir jungen Medienunternehmern, den Kreativen aus dem Internet, die Medien zusammendenken und nicht auseinanderdividieren wollen, überhaupt eine reelle Chance? Wie können wir den Experimentierfreudigen, den Wagemutigen, Hilfestellungen geben und sie in ihrer regulierungsfreien Existenz abholen, die ihnen die Frage erspart, was Rundfunk ist und was nicht? Daran, so glaube ich, wird sich entscheiden, wie die BLM von morgen aussieht und wo sich Bayern dann in der Medienkonkurrenz der Länder wiederfindet.“
Wichtig sei auch, über die zukünftige Rolle der Gremien nachzudenken. „Die Frage nach dem künftigen Ort der Gremien in den privaten Medien stellt sich unüberhörbar. Ich bin der Überzeugung, dass sich die Gremien, wenn sie eine Zukunft haben wollen, mehr denn je um die sogenannten weichen Faktoren kümmern müssen: um Medienpädagogik und Medienkompetenz, die durch unsere bayerische Stiftung gefördert werden sollen, um Fragen der Programmkritik und Programmqualität, um Toleranz und Menschenwürde. Hier die Stimme zu erheben, das sind wir unserem gesellschaftlichen Auftrag schuldig.“

Im Anschluss an die Rede des Medienratsvorsitzenden gab es unter der Moderation von Elke Schneiderbanger drei kurzweilige Gesprächsrunden mit ehemaligen Gremienmitgliedern und dem langjährigen Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Münchner Gesellschaft für Kabelkommunikation, Prof. Dr. Reinhold Kreile, über die Anfangszeit der BLM und der privaten Rundfunkangebote in Bayern.

In der ersten Runde, die von Prof. Kreile, dem langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Medienrats, Prof. Dr. Dr. Schumann und vom Verleger und ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Erhardt D. Stiebner bestritten wurde, ging es vor allem um die Zeit vor der Gründung der BLM. Sehr anschaulich wurde dabei, dass damals viele Gruppen der Gesellschaft dem privaten Rundfunk skeptisch gegenüber standen. „Es war ein steiniger Weg“, erinnerte sich Stiebner, „weder die Parteien waren sich einig noch die Verleger.“ Kreile ergänzte, dass der Bayerische Rundfunk „allenfalls wohlwollendes Desinteresse“ an den neuen Strukturen zeigte. Noch deutlicher formulierte diesen Punkt Schumann, der davon sprach, dass der Bayerische Rundfunk schlicht versucht hätte, „ das Ganze zu verhindern.“ Sicher war er sich darin, dass sich das Modell der öffentlich-rechtlichen Trägerschaft nach Artikel 111a der Bayerischen Verfassung bewährt habe.

Klaus Warnecke, der lange sowohl Mitglied des Landtags als auch des Medienrats war, bekräftigte in der zweiten Runde die damals kritische Einstellung der SPD: „Wir waren dagegen, weil wir mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein gutes System hatten.“ Dagegen betonte Prof. Dr. Walter Eykmann, lange Jahre CSU-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Medienrats, dass er immer eine positive Einstellung zum privaten Rundfunk gehabt habe: „Erst durch die neuen Medien ist es uns gelungen, die Basis zu erreichen.“ Während Warneke noch heute den häufig fehlenden Lokalbezug des lokalen Rundfunks bemängelte, betonte Prof. Eykmann, dass die Programmförderung der Landeszentrale viele positive Programmangebote auf den Weg bringe. Um die Programmqualität vor allem im lokalen Bereich zu verbessern, sollte die Politik den Mut haben, auch die privaten Anbieter mit Mitteln aus der Rundfunkgebühr zu unterstützen, so Eykmann.

Die Abschlussrunde wurde von Anke Geiger, Prof. Dr. Hermann Maier und Werner Honal bestritten, alle drei ehemalige Vorsitzende des Hörfunk- bzw. Fernsehausschusses der BLM. Übereinstimmend wünschten sie sich mehr lokale Informationen vor allem in den lokalen Hörfunksendern. Qualitätsprobleme sehen sie sowohl in privaten als auch in öffentlich-rechtlichen Programmangeboten. Was sie alle drei verbindet, ist die Hoffnung, dass gerade die lokalen Angebote auch in Zukunft erhalten bleiben. Vor allem Anke Geiger betonte zudem die große Bedeutung der Medienpädagogik: „Wir brauchen die Medienpädagogik, damit die Menschen sensibel werden, was mit ihnen geschieht. Die Nutzer dürfen sich nicht nur auf die Kontrolleure verlassen.“


>> Kontakt: Dr. Wolfgang Flieger, Tel. (089) 63808-313, wolfgang.flieger@blm.de.