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„Kein Geld verdienen ist auch keine Lösung“ - Transforming Media analysiert neue Geschäftsmodelle für die digitale Welt

03.11.2015 | 67 / 2015

„Es wird kein Medienunternehmen geben, das an einer Transformation vorbei kommt.“  Die Werkzeuge für diesen Wandel seien bereits vorhanden; jetzt stelle sich die Aufgabe, Journalismus „neu und quer zu denken“, verdeutlichte BLM-Präsident Siegfried Schneider in seinem Grußwort zum Auftakt der 2. Transforming Media die Herausforderungen für die Medienmacher.
 
170 Teilnehmer und 16 Referenten waren am 29. Oktober 2015 in Nürnberg zusammengekommen, um über neue digitale Inhalte und Geschäftsmodelle zu diskutieren. Veranstaltet wurde Transforming Media von der Bayerischen Medienservice Gesellschaft (BayMS) in Kooperation mit dem Mediencampus Bayern, unterstützt durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sowie durch das Mediennetzwerk Bayern.
 
Miriam Behmer, Geschäftsführerin des digitalen Buchanbieters readfy, zeigte in ihrer Eröffnungs-Keynote, wie sich Geschäftsmodelle in verschiedenen Content-Märkten verändert haben. Zielgruppenanalyse, Datenauswertung und direktes User-Feedback müssten zu Standard­prozessen im Journalismus werden. Ihre optimistische Botschaft: „Content-Märkte sind weltweit Wachstumsmärkte. Eine gute Nachricht, besonders für neuen, digitalen Journalismus.“
 
Wie ein Nachrichtenmagazin mit „Slow Journalism“ Erfolg haben kann, das erst drei Monate nach den Ereignissen berichtet, präsentierte Rob Orchard vom englischen Magazin „The Delayed Gratification“. Mit dem Anspruch, die Letzten zu sein, die über die neusten Nachrichten schreiben, gelinge es, Relevantes aus der permanenten Nachrichtenflut herauszulösen. Ein Nischenkonzept, wie Rob Orchard zugibt, aber eines, für das Leser gerne bezahlen.
 
Die lokale Nische perfekt zu bedienen, hat sich die Tegernseer Stimme vorgenommen. Deren Gründer Peter Posztos hat es mit dem Regional­blog geschafft, im Netz aus der Region zu berichten und dabei finanziell erfolgreich zu sein. Nach eigenen Angaben erreicht die Tegernseer Stimme knapp 45 Prozent aller potenziellen Leser in der Region.
 
Unter dem Motto „schöner scheitern“ erklärte Georg Dahm, Mitgründer des Wissenschaftsmagazins Substanz, welche Fehler und Fehleinschätzungen in ambitionierten Journalismusprojekten oft gemacht werden. Häufig hätten Journalisten die Mission, den Journalismus zu retten – das Publikum habe diese Mission aber nicht.
 
Dass sich auch im Fernsehen mittlerweile neue Geschäftsmodelle etabliert haben, beweisen die Rocket Beans. Der „Nerd-Sender“, wie Geschäftsführer Arno Heinisch ihn bezeichnet, steht auf sieben Finanzierungssäulen und sendet ausschließlich im Internet über die Streaming-Plattform Twitch. Mit mittlerweile mehr als 40 Festangestellten und über 120.000 Unique Visitors am Tag, bei beachtlichen zwei Stunden durchschnittlicher Verweildauer, machen die Rocket Beans sehr erfolgreich Online-Fernsehen.
 
In seiner Abschluss-Keynote verdeutlichte Prof. Dr. Frank Lobigs klar, dass das alte Werbe-Finanzierungsmodell vieler Medien „allenfalls für alte Player – oder Trash“ funktioniert. Künftig müssten sich Journalisten mehrere Finanzierungsquellen erschließen, denn „kein Geld verdienen“, so Prof. Lobigs, „ist auch keine Lösung.“

Kontakt:
Bettina Pregel
Stellv. Pressesprecherin
Tel.: (089) 638 08-318
bettina.pregel@blm.de