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Handyfreie Zeiten und Zonen etablieren - Erstes Rosenheimer Mediengespräch zum Thema „Digitaler Dauerstress?“

19.09.2017 | 74 / 2017

Always on, häufig abgelenkt von Smartphone & Co: Kann das digitalen Dauerstress auslösen oder muss die Gesellschaft nur lernen, mit dem Smartphone richtig umzugehen? Diese Fragen diskutierten gestern Abend in Rosenheim Experten aus der Suchthilfe, der Medienpädagogik sowie aus der Software- und Medienbranche. Zum 1. Rosenheimer Mediengespräch hatte die Bayerische Landeszentrale für neue Medien in Kooperation mit dem Regionalfernsehen Oberbayern rfo), dem Funkhaus Rosenheim, dem Rosenheimer blickpunkt und dem Bildungswerk Rosen­heim interessierte Bürger/innen ins Bildungszentrum eingeladen.
 
Die Motivation, gerade dieses Thema zu wählen, skizzierte BLM-Geschäfts­führer Martin Gebrande folgendermaßen: „Wer sich klar macht, wie fundamental das Smartphone unser Leben verändert hat, der muss sich auch die Frage nach den Risiken und Nebenwirkungen stellen. Um diese Risiken minimieren zu können, ist es wichtig, einen bewussten Umgang mit den digitalen Alltagsbegleitern zu fördern.“
 
Insbesondere Kinder und Jugendliche sollten diesen bewussten Umgang mit dem Smartphone lernen, betonte Suchttherapeut Benjamin Grün­bichler, Geschäftsführer der Rosenheimer Präventions- und Suchthilfe neon, in seiner Keynote. Durch die ständige Ablenkung könnten sich junge Menschen eine Aufmerksamkeitsstörung antrainieren. Um dem möglichen Stress auch mal zu entgehen, plädierte Grünbichler für Aus­zeiten im Offline-Modus. Den Eltern und Pädagogen im Publikum gab er Tipps zur Medienerziehung mit auf den Weg wie handyfreie Zeiten und Zonen, klare, altersentsprechende Regeln für die „Leihgabe“ Handy und technische Restriktionen.
 
Diese Regeln zu setzen und dafür zu sorgen, dass die Kinder sie auch einhalten, ist für Eltern nicht leicht. Darüber war sich das Podium bei der von rfo-Geschäftsführer Norbert Haimerl moderierten Diskussion einig. Die Podiumsgäste zeigten sich jedoch unterschiedlich „entspannt“, was den Umgang mit dem Smartphone angeht.

So gab sich Insa Heegner, Account Managerin bei der Content Marketing Agentur Brand Spiders und Mutter eines 10-jährigen Sohnes, zuversichtlich, dass die Gesellschaft den sinnvollen Umgang mit dem Smartphone sicher lernen werde. Selbst aus der Generation der so genannten Digital Natives sieht Heegner das Smartphone hauptsächlich als bequemen Alltagshelfer und Kommunikationsgerät, das beruflich und privat Flexibilität ermögliche. Man könne Kindern jedoch nur beibringen, was man selbst als Elternteil wisse.
 
Weil Kinder und Jugendliche die notwendige Regulationsfähigkeit noch nicht haben, plädierte Dr. Adelina Mannhart, stellvertretende Chefärztin des Heckscher Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie, für altersentsprechende Regelungen bei der Smartphone-Nutzung. Cybermobbing und Spielsucht sind nach Anga­ben von Mannhart die häufigsten Probleme in der Suchtambulanz. Als ein Alarm­zeichen für Suchtverhalten sieht sie starke Rückzugstendenzen: „Wenn Kinder und Jugendliche Internet und Co als Kompensation für etwas nutzen, das im realen Leben nicht funktioniert, dann ist es Zeit zu handeln“, lautet ihre Empfehlung. Dann könnten z.B. im ersten Schritt Beratungsstellen wie neon in Rosenheim aufgesucht werden.
 
Generell erlebt sie eine große Hilflosigkeit der Eltern gegenüber diesem Thema, was Verena Weigand, Bereichsleiterin Medienkompetenz und Jugendschutz in der BLM, bestätigte. Es sei eine große Herausforderung für alle, den Umgang mit digitalen Medien gesellschaftsfreundlich zu gestalten. Da wäre es angebracht, auch einmal als Bedenkenträger und nicht nur als Ermöglicher aufzutreten. Ihre Bedenken: Mit dem Smartphone werde jungen Menschen immer früher die Welt in die Hand gegeben und manche Eltern verabschiedeten sich dann von jeglicher Regelvorgabe.
 
Vor Risiken wie digitalem Stress, unfreiwilliger Datenpreisgabe oder ständiger Alltagsunterbrechung durch das „Always on“-Verhalten warnte Unternehmer Sascha Skorupa, dessen Unternehmen incca GmbH Software und Apps entwickelt und vertreibt. Internetfreie Auszeiten, in denen man nicht erreichbar ist, hält er sowohl für sein Team als auch in seiner Familie für absolut notwendig. Seine Mitarbeiter müssten nicht immer erreichbar sein, denn es gebe nichts Wichtigeres als Ruhe im Privatleben. Für ihn lauten die wichtigsten Fragen für den Umgang mit digitalen Medien in der Zukunft: „Wer fängt was mit welchen Daten an und wie werden sie genutzt?“
 
Informationen und Fotos vom 1. Rosenheimer Mediengespräch finden Sie unter www.medienpuls-bayern.de.


Kontakt:
Bettina Pregel
Tel.: (089) 638 08-318
bettina.pregel@blm.de