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Aus „Home Sweet Home“ wird „Home Smart Home“ - Fachkonferenz „media meets SMART HOME“ thematisiert wichtiges Zukunftsthema für die Medienbranche

07.12.2018 | 56 / 2018

Was macht das Smart Home mit seinen Bewohnern, und welche neuen Möglichkeiten ergeben sich für die Medienbranche? Das waren die zentralen Themen bei der branchenübergreifenden Fachkonferenz „media meets SMART HOME“ des MedienNetzwerk Bayern. Partner der Fachkonferenz waren die Bayerische Landeszentrale für neue Medien, der Bayerische Rundfunk, das Bauzentrum München und die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Knapp 200 Besucher kamen am 6. Dezember 2018 ins Haus der Bayerischen Wirtschaft, um sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln dem digitalisierten Zuhause anzunähern und künftige Kollaborationen über Branchengrenzen hinweg anzustoßen.

Siegfried Schneider, Präsident der BLM, sah vor allem den Trend zum Smart Speaker als große Chance für Medienmacher: „Smart Speaker haben es geschafft, innerhalb eines Jahres 50 Millionen Nutzer zu erreichen.“ Insgesamt sei das Wachstum von Haushalten mit smarten Geräten in Deutschland beachtlich: „Aus home sweet home wird home smart home!“ Gleichzeitig warnte Schneider, die Themen Datenschutz und Privatsphäre nicht zu vernachlässigen.

Dass das smarte Zuhause ein Industriezweig mit großem Potenzial ist, bestätigte Yasmin Richwien, Consultant bei Mücke, Sturm & Company: 60 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen ein smartes Gerät. Die meisten von ihnen, 45 Prozent, sind Basic Smart Home-Nutzer. Das heißt, sie besitzen ein bis fünf Geräte. Bis zum Massenmarkt wird es also noch eine ganze Weile brauchen. Für Medienmacher lohne es sich aber, schon jetzt in die Zukunft zu denken: Ganz vorne mit dabei sind nämlich Entertainment-Geräte wie Fernseher, Digitale Assistenten oder Musikanlagen: 54 Prozent der Nutzer besitzen solche Geräte.

Dass die Erforschung neuer Technologien vor allem die Gesellschaft und ihre Bedürfnisse im Blick haben muss, zeigte Christiane Varga vom Wiener Zukunftsinstitut. In ihrer Keynote setzte sie sich mit dem Wandel gesellschaftlicher Sehnsüchte, Lebens- und Wohnformen auseinander – ein Wandel, der maßgeblich durch die Digitalisierung geprägt wird. „Biografien werden multigrafischer, mobiles Arbeiten nimmt zu, neue Wohnkonzepte werden entwickelt.“ Das beginne mit dem Grundriss, der bisher abgetrennte Bereiche wie Bad und Schlafzimmer, Küche und Wohnzimmer miteinander verschmelzen lasse sowie verschiedene Arbeitszonen und Bereiche zur Mediennutzung integriere. Denn die Mediennutzung sei längst nicht mehr an statische Geräte gebunden und werde künftig genau dort stattfinden, wo sie gebraucht werde: „Medien werden zu Möbeln, werden mobil, die Technik unauffällig in die Einrichtung integriert.“ Um das Haus erfolgreich in die digitale Zukunft zu führen, müsse man nicht nur Smart Home denken, sondern ganzheitlicher. Kooperationen unterschiedlicher Akteure sind für Varga der Schlüssel. „Das Prinzip des Lebens in der Zukunft liegt in der Vernetztheit. Nichts mehr passiert allein, wir müssen Räume und Medien neu denken.“

Wie vernetzt ein smartes Haus jetzt schon aussehen kann und vor allem, welche Daten dort gesammelt und eingesetzt werden, zeigte Marco Maas, Geschäftsführer der Datenfreunde: Er lebt in einer Wohnung mit insgesamt 150 Sensoren. 300 bis 400 Sensoren werden künftig der Durchschnitt in smarten Häusern sein, ist er sich sicher. Dazu gehören unter anderem automatisierte, personalisierte Nutzungssituationen wie Licht oder Heizung, genaues Tracking der Mediennutzung, smarte Türschlösser oder sprachbasierte Einkaufslisten. Der Zugang zu den gesammelten Daten, die dabei helfen, die Absichten und Bedürfnisse des Nutzers immer besser zu verstehen und darauf zu reagieren, müsse jedoch klar geregelt sein: „Die Person, die sich um die Technologie kümmert, hat Zugang zu den Daten und damit einen Wissensvorsprung. Ich weiß, wann meine Freundin aufsteht, wann jemand zu Besuch kommt ...“ Auch die Überwachung sei dadurch vereinfacht. Für Maas führt das zu einer wichtigen Erkenntnis: „Wir müssen uns über das Thema Gesellschaft und Verpflichtung Gedanken machen.“

Ein Thema, das auch den Architekturpsychologen Dr. Harald Deinsberger-Deinsweger und Rechtsanwalt Peter Hense von Spirit Legal LLP umtreibt – wenngleich aus verschiedenen Perspektiven: So betonte Deinsberger-Deinsweger, dass die Menschen im Smart Home vor allem das Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstbestimmung haben. Und dieses wird im Smart Home ganz unterschiedlich bedient:  Empfindet eine Technik-affine Person das intelligente Zuhause als Kontrollgewinn, fühlt sich eine nicht-Technik-affine Person fremdkontrolliert und ausgeliefert. Zum Schutz vor der Angst der Fremdkontrolle brauche es gesetzliche Regulierungen, sagte Hense. Die DSGVO etwa fordere Transparenz und Zustimmung der Nutzer. Herausforderungen für Unternehmen seien vor allem, die Datensicherheit und die Datenhoheit zu gewährleisten. „Eine smarte Glühbirne ist schnell entwickelt, aber: Schon ein Techniker muss am Reißbrett den Datenschutz mitdenken. Als Grundeinstellung sollte nach der DSGVO immer die datensparsamste Variante gewählt werden.“

In welchen Bereichen das Smart Home seine Bewohner sinnvoll unterstützen kann und wie sich die Medien platzieren können, zeigte unter anderem Dr. Petra Friedrich, Professorin Ambient Assisted Living und Leiterin CoKeTT Zentrum und AAL Living Lab an der Hochschule Kempten, die die Nutzung smarter Technologien im Pflegebereich erforscht. Maxim Karl, General Manager bei Gamify Now, führte anschaulich vor, wie die Gamesbranche smarte Geräte nutzen und so zahlreiche Alltagsszenarien unterstützen kann – etwa über Augmented Reality und Smart Assistants. Und Sönke Schierer,  Projektredakteur Ambient News bei HHLab, stellte vor, wie maßgeschneiderte Inhalte sich unaufdringlich ins Smart Home integrieren lassen und so zum digitalen Detox für die Benutzer werden.

Für Dr. Christof Prechtl, stv. Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der bayerischen Wirtschaft e.V., machte vor allem der branchenübergreifende Aspekt den großen Mehrwert der Veranstaltung media meets SMART HOME aus: Es sei nie nur eine Branche, die sich über digitale Technologien verändere. Für den vbw sei die Vernetzung deshalb eine Aufgabe von großer Relevanz. Nur gemeinsam, über Interaktion und Wissensaustausch, sei die bayerische Wirtschaft wettbewerbsfähig.

Liveblog:

http://www.mediennetzwerk-bayern.de/15837/live-media-meets-smart-home/

Nachlese:

http://www.mediennetzwerk-bayern.de/15846/impressionen-von-media-meets-smart-home/